Landtechnik 30.05.2003, 18:25 Uhr

„Wir betreiben Personalentwicklung auf höchstem Niveau“

Innovative Unternehmen (6): Was für Wolfsburg die Automobilbranche, ist für das ostwestfälische Harsewinkel die Herstellung hochmoderner Landmaschinen

Der Verkehr gleitet ruhig dahin, wie es sich für das Mekka der Mähdrescher geziemt, und die Menschen lächeln, wenn man sie nach dem Weg zu Claas fragt. Das kann auch daran liegen, dass Harsewinkel und der Landmaschinenhersteller zusammengehören wie VW und Wolfsburg. Hinter der Hauptstraße liegt das Stammwerk, das über 3000 Einwohnern der 24 000 Seelen zählenden Stadt Arbeit gibt. Mehrere Straßen im Ort sind nach Claas benannt, versehen mit den Vornamen der Familienmitglieder, die seit 1913 die Geschicke der Firma lenken.

Doch lassen sich mit diesem ersten Eindruck auch Ingenieure begeistern, ins idyllische Ostwestfalen zu wechseln? „Wir können Harsewinkel nicht verschieben, deshalb machen wir aus unserem Standortnachteil eben Vorteile“, beschreibt Personalchef Christoph Molinari seine Strategie in Vorstellungsgesprächen. Das neue Gymnasium am Ort, eine prima Infrastruktur, klangvolle Firmennachbarn in der Region, wie Miele und Oetker oder das internationale Tennisturnier im nahen Halle sollen neugierig machen.

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Doch das wichtigste Argument für den Umzug nach Harsewinkel ist der Erfolg des Unternehmens. Der viertgrößte Landmaschinenhersteller der Welt verfügt in der Branche über einen exzellenten Ruf. Die Maschinen, wie der Mähdrescher mit GPS-Steuerung oder Computerprogrammen, die beim Abernten die optimale Düngmenge für die nächste Ernte berechnen, sind Beleg für den eigenen Anspruch, „first mover“ der Branche sein zu wollen. Allein die jüngsten Innovationen des Claas-Feldhäckslers sorgten für einen Leistungsschub, der die Verkaufszahlen weltweit auf Platz eins hievte.

Ergebnisse, die „Claasianer“ stolz machen und bei Experten für Urteile wie „Hidden Champions“ oder „einer der attraktivsten Arbeitgeber Deutschlands“ sorgen. „Wir betreiben Personalentwicklung auf höchstem Niveau“, sagt Hajo Reicherts. So betrug der Aufwand allein für die Personalentwicklung 2002 konzernweit über 6 Mio. €, die Ausbildungsquote liegt mit 7,5 % in den produzierenden Werken deutlich über dem Branchendurchschnitt. Teil des Aus- und Weiterbildungssystems ist ein dualer Studiengang in Zusammenarbeit mit der Berufsakademie Stuttgart, den Claas bis zu 30 Studierenden finanziert. Im Gegenzug müssen diese 36 Wochen ihrer Studienzeit im Unternehmen arbeiten. „Die jungen Leute lernen früh, flexibel und mobil zu sein, und sie müssen Verantwortung übernehmen“, sagt Molinari. Das gilt auch für die 18 Trainees, die für sechs Wochen im Blaumann ans Fließband müssen, um später als Entscheidungsträger die Bodenhaftung nicht zu verlieren.

„Für einen Agraringenieur stehen wir sicherlich weit oben auf der Wunschliste, aber bei Maschinenbau und Elektrotechnik ist es für uns nicht so einfach, da müssen wir aktives Personalmarketing betreiben“, erläutert Reicherts. Hier wirft Helmut Claas, Sohn des Firmengründers und heutiger Eigentümer, sein Gewicht in die Waagschale. Obwohl der vitale 76-Jährige öffentliche Auftritte scheut, sucht er an Hochschulen persönlich den Kontakt zu neuen High Potentials.
„Während andere auf einen Herrn Mercedes verzichten müssen, gibt es bei uns einen Herrn Claas, der wie ein französischer Patron hinter dem Unternehmen steht und Esprit und Charisma ausstrahlt“, ergänzt Jan-Hendrik Mohr, Geschäftsführer im Bereich Selbstfahrende Erntemaschinen. Auch Ingenieur Mohr profitierte als Claas-Azubi vom Studium an der Berufsakademie und ging nach ersten Erfahrungen in der F&E-Abteilung nach Frankreich und in die USA, wo er ein Joint-Venture mit Caterpillar mitorganisierte. „Da habe ich breite Erfahrungen sammeln können.“ Mit Blick auf seine Kommilitonen, die heute für Auto-Konzerne arbeiten und „sich zwei Jahre lang mit der Optimierung von Schaltern der Innenbeleuchtung befasst haben“, ist er froh über die internen Aufstiegschancen seines Arbeitgebers, der neue Stellen zu 70 % aus den eigenen Reihen besetzt.

Mohr: „Mit unserer “Mähdrescherstadt“ und dem familiären Arbeitsklima brauchen wir uns nicht zu verstecken.“ Wie hatte Hajo Reicherts gesagt: „Ein Mähdrescher kann so spannend wie ein Porsche sein.“ Und hinter Zuffenhausen muss sich Harsewinkel nicht verstecken.

Claas
Auf Rekordjagd
Die guten Nachrichten reißen bei Claas nicht ab. Nach der Übernahme des US-Mähdrescherwerks in Omaha/Nebraska vom ehemaligen Joint Venture mit Caterpillar erwirtschaftete der Landmaschinen-Hersteller 2002 mit weltweit über 6000 Mitarbeitern einen Rekordumsatz (1,27 Mrd. €), das Ergebnis vor Steuern stieg um 54,6 % (55,8 Mio. €). Zu Jahresbeginn gleich der nächste Paukenschlag: Die Claas-Gruppe übernimmt die Traktorensparte des französischen Autokonzerns Renault mit rund 2000 Mitarbeitern. Zudem betrat die Claas KGaA als erster deutscher Mittelständler mit einer 200 Mio. Dollar-Schuldverschreibung in den USA auch in Sachen Fremd-Finanzierung Neuland. A.L.

 

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