Produktion 23.10.2009, 19:43 Uhr

Grenzebach sichert sich als Großaktionär Einfluss bei seinem Lieferanten Kuka  

Als Maschinenbauunternehmen mit etwa 1500 Mitarbeitern war Grenzebach bisher eher einem engen Kreis industrieller Kunden bekannt. Das Investment von etwa 90 Mio. € beim Roboterspezialisten Kuka und die Einflussnahme in Aufsichtsrat und Vorstand machte das Unternehmen auch in Investorenkreisen bekannt. Künftig soll bei Grenzebach aber wieder die Technologiekompetenz im Vordergrund stehen. VDI nachrichten, Hamlar, 23. 10. 09, ciu

Mit harten Bandagen kämpfte die kleinere Grenzebach Maschinenbau GmbH während der vergangenen Monate im Zuge seiner Investition bei der weitaus größeren Kuka AG in Augsburg. Zuletzt erwirkte der Großaktionär den Rücktritt des dortigen Vorstandsvorsitzenden Horst Kayser samt dem Aufsichtsratsvorsitzenden Rolf Bratke sowie der Aufsichtsratsmitglieder Reiner Beutel, Helmut Leube und Herbert Meyer. Auch Finanzvorstand Matthias Rapp verließ in diesem Zusammenhang den Roboterhersteller.

Eigentlich ist der Mittelständler Grenzebach aus dem schwäbischen Hamlar bei Augsburg Kunde von Kuka. Das Unternehmen nutzt Kuka-Roboter als Komponenten in den eigenen Fertigungslinien und Anlagen, beispielsweise in solchen zum Handling von Glas oder zur Herstellung von Solarpanels. Mit der jüngsten Investition hat sich Grenzebach den Einfluss auf seinen strategisch wichtigen Lieferanten gesichert. Denn die Roboter von Kuka sollen in den Anlagen von Grenzebach künftig eine noch wichtigere Rolle spielen.

Grenzebach und die Schweizer Beteiligungsgesellschaft Rinvest halten nun gemeinsam rund 29,2 % der Anteile an der Kuka AG. Dabei hält Grenzebach einen Anteil von rund 27,3 %. Rinvest verfügt zusätzlich über eine eigene Beteiligung in Höhe von 1,9 %. Die beiden Unternehmen stimmen sich dabei hinsichtlich der Ausübung ihrer Aktionärsrechte ab.

Als schwäbisches Familienunternehmen, das laut eigenen Angaben jahrelang 10 % EBIT-Marge erwirtschaftete, nie Dividenden ausschüttete und praktisch keine Bankschulden habe, suchte Grenzebach ein Finanzinvestment, das man gut kenne und verstehe und dessen Zukunftspotenzial man für groß halte. So sei die Wahl auf Kuka gefallen.

Zunächst schlug das Vorgehen bei Kuka allerdings hohe Wellen. Freiwillig sind die ehemaligen Chefs bekanntlich nicht gegangen. Es herrschte auch ein grundlegender strategischer Dissens: Aus der Sicht Grenzebachs bewegte sich bei Kuka zu wenig. Dort hätte man vor allem Kostensenkung auf der Agenda gehabt, anstelle, wie Grenzebach, sich auf die Erschließung neuer Wachstumsmärkte zu konzentrieren. Grenzebachs Manager verstehen sich als „Macher“ in einem innovativen Technologieunternehmen.

Das Stammhaus der weltweit operierenden Firmengruppe wurde 1960 von Rudolf Grenzebach mit 7 Mitarbeitern gegründet. Inzwischen sind 1500 Mitarbeiter bei Grenzebach beschäftigt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2008 hat das global aufgestellte Familienunternehmen einen Umsatz von über 300 Mio. € erzielt.

Neben Hamlar verfügt Grenzebach über zwei weitere deutsche Standorte in Bad Hersfeld und Karlsruhe, über zwei Fertigungsstandorte in China und über eine Tochter im amerikanischen Newnan. Mit kleineren Standorten im italienischen Fossano, Moskau (Russland), indischen Pune und taiwanesischen Taichung ist Grenzebach bestrebt, in den wichtigsten Wachstumsmärkten ganz nahe am Kunden zu sein.

Das Büro in Taichung wurde 2008 gegründet, um einen besseren Zugang zum Glasmarkt für die TFT-Display-Technologie (Thin Film Transistor) zu erreichen. In Taiwan sind die weltweit größten und wichtigsten Hersteller für Displays zu finden. Durch die technischen Innovationen und den intensiven Kundenkontakt eigener Mitarbeiter vor Ort ist es Grenzebach gelungen, einen Referenzauftrag zu erringen, der in diesen Tagen montiert wird.

Mit hohen Investitionen in technische Produktentwicklungen durch eigene Ingenieure will sich Grenzebach im Wettbewerb abheben. Neben Reinraumtechnik für TFT-Glas hat Grenzebach intensiv für den in den vergangenen Jahren aufstrebenden Markt für Solarpanels investiert. Grenzebach sieht einen weiteren Wettbewerbsvorteil darin, dass die hochkomplexen Steuerungs- und Visualisierungsprogramme durch eigene Ingenieure entwickelt werden.

Seit Jahren integriert das Technologieunternehmen Roboter unterschiedlicher Hersteller in die eigenen Fertigungslinien, um den Mehrwert für die eigenen Kunden zu erhöhen. So werden beispielsweise Deckenplatten durch Kuka-Roboter für den Versand verpackt, nachdem sie auf einer etwa 700 m langen Fertigungsstraße von Grenzebach produziert wurden. Roboter nehmen Glasscheiben und Solarpanels von Fertigungslinien ab und geben sie an die weiteren Produktionsschritte weiter, sie handeln Gipskartonplatten und arbeiten inzwischen auch im Reinraum. Die Robotik ergänzt das Produktportfolio der Firma Grenzebach für das Handling von Glas, Solarmodulen und Baustoffen. LARS WALLERANG

Ein Beitrag von:

  • Lars Wallerang

    Lars Wallerang schreibt als freier Journalist für verschiedene Print- und Onlinemedien wie VDI Nachrichten und ingenieur.de u.a. über Forschung und Lehre, Arbeitsmarktpolitik sowie Technik.

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