Dynamik bei Antrieben 21.02.2003, 18:23 Uhr

Flexible Produktion braucht keine teuren Lager

Überdurchschnittliche Wachstumschancen haben kleine und frequenzumrichtergesteuerte Elektromotoren, weil mechanische Anpassungen sich damit vermeiden lassen. Wie sich ein Hersteller dabei auf zunehmend individuelle Anforderunegn einstellt, zeigt eine Fertigungsanlage in Dänemark.

Kim Christensen, der Europa-Vertriebschef von Danfoss, hat gut lachen. „Wir sind in den vergangenen Jahren stärker gewachsen als der Markt“, verkündete er Anfang Februar anlässlich einer Präsentation im gerade erst erweiterten Produktionswerk für Frequenzumrichter in Graasten/Dänemark. Von Stillstand ist in der „Drives Division“ des dänischen Konzerns nichts zu spüren. Fleißig werden die Weichen für die Zukunft gestellt. Ein modulares Programm aus kontinuierlich weiterentwickelten Antriebsprodukten, kurze Lieferzeiten und After-Sales-Service bestimmen die Strategie des Unternehmens sowohl in Dänemark als auch in Deutschland und weltweit.
Karl-Peter Simon, Geschäftsführer von Danfoss Motion Controls, Offenbach, macht den Wandel im Unternehmen deutlich: „Wir bauen zur Zeit in Europa Lager ab und schaffen stattdessen flexible Fertigungsstätten.“ Damit reagiere man auf die Zunahme individueller Kundenwünsche, die selten ab Lager bedient werden können. Ziel sei es, innerhalb der bisher für die Lieferung angesetzten Zeit von höchstens 48 Stunden die maßgeschneiderten Produkte ab Werk zu liefern.
Im Gegensatz zu anderen Branchenkennern zeigt sich Simon trotz des Umsatzrückgangs der Automatisierungsbranche in 2002 optimistisch: „Wir glauben, dass sich der Automationsmarkt in diesem Jahr stabilisiert.“ Künftig werde der Frequenzumrichter-Markt stärker wachsen als der Rest der Automatisierungstechnik, schätzt der Branchenkenner. Insbesondere durch die individuelle Antriebsregelung ließen sich mit den Umrichtern noch zahlreiche Energiesparpotentiale erschließen. Laut Branchenverband ZVEI-Automation, Frankfurt, forcieren ökopolitische Bestrebungen den Einsatz energetisch optimierter Motoren.
Auch hinsichtlich der benötigten Antriebsleistung sieht Simon einen Wandel: „Maschinen werden zunehmend modularisiert, wodurch die Anzahl der kleinen Antriebe steigt.“
Wie man sich bei Danfoss auf den Trend zu modularen Systemen mit individuellen Antrieben eingerichtet hat, wird in der Frequenzumrichterfertigung in Graasten deutlich. Mitte vergangenen Jahres hatte man dort ein neues Fabrikgebäude für die Platinenbestückung von Frequenzumrichter-Bauteilen in Betrieb genommen. Dieses fügt sich nahtlos in die auf „Mass Customization“ (individuelle Großserienprodukte) ausgerichtete Fabrik ein. „Die Erweiterung war nötig, um das schnell wachsende Produktionsvolumen von 20 bis 25 % in den vergangenen Jahren bewältigen zu können“, so Kim Christensen.
In der neuen Halle entsteht das Herz der Frequenzumrichter-Serie „VLT Automation Drive FC300“, die das Unternehmen auf der Industriemesse in Hannover Mitte April erstmals vorstellen wird. Mit dieser Serie erweitert Danfoss sein heutiges
Frequenzumrichteprogramm. Auf 4300 m² Grundfläche werden in dem dänischen Werk die Platinen gefertigt. Bauliche Maßnahmen sorgen dafür, dass statische Elektrizität, Staub, Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen auf ein Mindestmaß reduziert werden. Die Produktion findet unter Reinraumbedingungen statt.
Bestückt wird teils vollautomatisch und teils manuell. Dabei erhalten auch die Werker computergesteuert Anweisungen, welches Element als nächstes eingesetzt werden muss. Darüber hinaus kennzeichnet Laserlicht die jeweilige Position für den Einbau.
Über ein unterirdisches Transportband gelangen die fertig bestückten und getesteten Platinen schließlich in die bereits vorhandenen Fabrikanlagen. Dort werden sie entsprechend der Kundenwünsche mit Gehäusen, Bedienelementen und weiteren Bauteilen zu kompletten Frequenzumrichtern zusammengebaut.
Den Funktionsumfang bei Auslieferung bestimmt schließlich die Software, die den Geräten Leben einhaucht. Die Programme sind ebenso wie die Hardware modular konzipiert. Somit ergibt sich für die neue Frequenzumrichterserie eine Variantenvielfalt von weit über 100 000 möglichen Versionen.
Modularität bestimmt den Produktionsprozess in Graasten bis hin zum Druck der Bedienungshandbücher. Diese werden von einem externen Dienstleister, der am Ende der Produktionsstraße unmittelbar bei der Verpackungsanlage angesiedelt ist, eigens für die jeweilige Gerätekonfiguration erstellt. Je nach Auslieferungsland, werden die Handbücher zudem in unterschiedlichen Landessprachen direkt vor dem Versand gedruckt.
Durch die große Variantenvielfalt ergeben sich sich für Karl-Peter Simon neben der individuellen Produktauswahl für die Kunden auch Kostenvorteile: „Ich kaufe nur das, was ich wirklich brauche.“ Darüber seien die Frequenzumrichter der neuen FC300-Serie auch nachträglich erweiterbar und böten somit Investitionssicherheit.
Und noch etwas stimmt Simon positiv: „Heute betrachten Einkäufer auch verstärkt die Systemkosten und vergleichen nicht nur die Produktkosten.“ Hier sieht er einen Vorteil der dezentralen Frequenzumrichtertechnik aus seinem Haus. Diese könne im Gegensatz zu manchen Wettbewerbsprodukten mit allen Motoren arbeiten.
Als Chef von Danfoss Motion Controls in Deutschland, zu der unter anderem die Vertriebsgesellschaft in Offenbach und des Getriebemotorenherstellers Danfoss Bauer in Esslingen gehören, beklagt er allerdings Standortnachteile gegenüber den dänischen Kollegen. So sei durch das bisherige starke Wachstum eine zuverlässige Kapazitätsplanung schwierig. Hier sieht Simon seine Kollegen klar im Vorteil: „Es ist in Dänemark einfacher, mit den Arbeitnehmern flexible Arbeitszeiten zu vereinbaren.“ Das gelte sowohl für die Arbeitszeiten als auch für die Personalplanung. „In Deutschland müssen wir es uns dagegen genau überlegen, wenn wir neue Mitarbeiter einstellen wollen, weil wir uns deutlich länger binden.“
Die Konsequenz ist für ihn die Verlagerung von Teilen der Produktion ins Ausland. „Mit unserer neuen Fabrik für Getriebemotoren-Zulieferteile in der Slowakei haben wir unsere Flexibilität wesentlich erhöht.“ Dort läuft seit Oktober vergangenen Jahres die Produktion rotationssymmetrischer Gussteile und die Fertigung von Wicklungen für Assynchronmotoren. MARTIN CIUPEK

Ein Beitrag von:

  • Martin Ciupek

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Maschinen- und Anlagenbau, Produktion, Automation, Antriebstechnik, Landtechnik

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