Fertigung 16.11.2007, 19:31 Uhr

Fertigungstechnik für moderne Elektronik sieht wieder Wachstum  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 16. 11. 07, jdb – Elektronik ist der Schlüssel zur industriellen Gesamt-Wertschöpfung. Die Ausrüster der Elektronikfertigungsindustrie erwarten anlässlich der Münchener Fachmesse Productronica 2008 steigende Umsätze. Auch der Arbeitsmarkt profitiert von steigender Nachfrage.

Elektronische Funktionalität wird immer stärker in alle Bereiche des täglichen Lebens vordringen und unser aller Gewohnheiten – vom Zahlungswesen bis zur Unterhaltungsbranche – immer weiter revolutionieren: Diese Erkenntnis konnte gewinnen, wer in München der Fachmesse für Elektronikfertigung, der Productronica (13. bis 16. November), einen Besuch abstattete.

Sowohl die klassische Mikro- als auch die moderne Nanoelektronik wachsen, wie sich in München einmal mehr zeigte, in ihrem Leistungsvermögen permanent weiter, während die Kosten pro Digitalfunktion, aber auch der Raumbedarf und der Stromkonsum, immer noch nach unten gehen. Kein Wunder also, dass der Weltmarkt für elektronische Bauelemente inzwischen, so Messe-Geschäftsführer Klaus Dittrich, ein Volumen von 402 Mrd. $ umfasse. Und mehr noch: „Er bewegt über seine Hebelwirkung die gesamte Elektronikbranche mit 1,15 Bio. $ Weltumsatz.“

Dazu kommt noch, was oftmals übersehen wird: dass nämlich allein in Deutschland laut Dittrich „von Elektroniksystemen mehr als 50 % der gesamten Wertschöpfung abhängen“.

Wie sehr Elektronik in Anwendungssysteme aller Art vordringt, zeigte unter anderem die Sonderschau „Custo- mized System in Package Solutions“ am Beispiel einer direkt vor Ort betriebenen Fertigungslinie. Hier wurde ein flexibel programmierbares Funkchip-Bauteil (RFID) in einen Kugelschreiber integriert, der fortan als eine Art elektronischer Ausweis fungieren und seinem Träger per Funksignal diese und jene Tür öffnen könnte.

Viel Aufmerksamkeit zog auch das ebenso innovative wie weite Gebiet der „organischen Elektronik“ auf sich, mit der sich laut Dittrich gegenüber der bisherigen, auf Silizium basierenden Elektronik „neue Anwendungsfelder“ erschließen lassen. Denn organische Elektronik – oder auch Polymer-Elektronik – ist im Vergleich zur Silizium-Elektronik dünner, leichter, flexibler, weniger schlagempfindlich und überdies transparent, also als durchsichtige Folie, darstellbar. Mit ihr sollen sich künftig z. B. billige Einweg-Diagnosegeräte, aber auch aufrollbare Sonnenzellen sowie Verpackungen mit Werbedisplays verwirklichen lassen.

In Gestalt organischer Elektronik lassen sich jedoch auch Nanodraht-Transistoren fertigen, mit deren Hilfe wiederum Speicher-, Logik- und Sensorikelemente auf einem einzigen Bauteil von nur 10 nm Breite zusammengeführt werden können: eine gute Basis zum Beispiel für das Entwickeln von Abgassensoren, die einzelne Moleküle erkennen und somit den Kraftstoffkonsum eines Motors exakt überwachen können. Aber auch für tausenderlei andere Novitäten mehr.

Da Deutschland in Sachen Sonnenzellen eine weltweit herausragende Rolle spielt, waren auf der Productronica natürlich auch die entsprechenden Produktionsanlagen ein wichtiges Thema. Immerhin ähneln sich die Herstellungsverfahren für Halbleiter, Solarzellen und Flachbildschirme – Entsprechendes gilt also auch für die Maschinerie, die zu deren Herstellung benötigt wird.

Welche Chancen sich gerade den frühzeitig schon auf Sonne setzenden Deutschen bei der Sonnenzellentechnik bieten, illustrieren ein paar zentrale Kennzahlen: Sie zeigen, dass der Weltmarkt für Solartechnik bis 2012 von heute 6,5 Mrd. $ auf dann 16,4 Mrd. $ expandieren soll, aber auch, dass derzeit immerhin 20 % aller weltweit gefertigten Solarzellen aus unserem Lande kommen. Deutschland, so Dittrich, „ist auf diesem Gebiet also im weltweiten Maßstab Marktführer“.

Was generell die Hersteller von Maschinen und Geräten zur Produktion elektronischer Bauelemente und Systeme betrifft, so konnte man in München meist wieder aufgehellte Mienen sehen. Immerhin erwartet die Branche laut Volker Pape, dem Vorsitzenden des VDMA-Fachverbands Productronic, nach einem 2 %igen Rückgang im laufenden Jahr für 2008 ein Umsatzplus von 11 %. Dies jedenfalls habe eine aktuelle Umfrage innerhalb des Fachverbands ergeben.

Die Branche, so Pape, durchlaufe derzeit noch „den üblichen Zyklus der Halbleiterbranche, verstärkt durch eine temporäre Beruhigung der übrigen Elektronik“. Doch mittel- und langfristig wachse die Elektronikfertigung auch weiterhin zuverlässig. Allerdings, so der Vorstand der Firma Viscom-AG weiter, werde die für 2008 erwartete, deutliche Belebung „erst zur Mitte des Jahres volle Fahrt aufnehmen“. Dabei sollen sich übrigens die Bereiche Halbleiter bzw. entsprechend dann auch Halbleiter-Fertigungsequipment laut Pape besonders flott voranbewegen.

Auch für den Arbeitsmarkt kamen von der Productronica erfreuliche Signale. Nicht nur, dass sich vielfach ganz generell ein gewisser Optimismus zeigte auch höchst konkrete Planungen lassen einen Aufwärtstrend erkennen. Denn während im letzten April nur 23 % der VDMA-Productronic-Fachverbandsmitglieder bei einer Umfrage Überstunden einplanten, waren es vor kurzem schon 48 %. Und während nunmehr schon 51 % der befragten Unternehmen ihr Personal aufstocken wollen, spielt das Thema Kurzarbeit derzeit keinerlei Rolle mehr.

 

Von Egon Schmidt

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