Produktion 21.10.2005, 18:41 Uhr

„Es ist ein Vorteil, aus dem Markt für den Markt zu produzieren“  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 21. 10. 05 – Weil Loewe vor zwei Jahren den Trend zum Flachbildschirm verpasste, stürzte das Unternehmen in eine schwere Krise. Inzwischen befindet sich der letzte große unabhängige deutsche TV-Hersteller auf dem Weg zurück in die Gewinnzone. Fragen an den Vorstandsvorsitzenden des Unternehmens, Rainer Hecker.

Hecker: Wir sind wieder in etwas ruhigerem Fahrwasser. Wir haben die Umstellung von der Bildröhren- zur LCD-Technologie geschafft. Nun geht es darum, für die bevorstehende Hauptsaison die Weichen richtig zu stellen. Das Weihnachtsgeschäft, die Winterolympiade in Turin und die Fußball-WM 2006 werden uns wichtige Impulse geben. Einen weiteren Schub dürfte das hochauflösende Fernsehen HDTV bringen.

VDI nachrichten: 94 % der Bundesbürger haben ein Fernsehgerät. Was macht Sie so sicher, dass nun massenweise neue Fernseher gekauft werden?

Hecker: Schon heute sind rund 80 % der verkauften Geräte Ersatzbeschaffung. Zudem schreitet die Umstellung auf die Digitalisierung voran. Viele Verbraucher mit einem herkömmlichen TV-Gerät überlegen sich, vorgezogen ein neues hochwertiges Gerätanzuschaffen – und zwar einen Flachbildschirm.

Das lassen sich die Leute einiges kosten. Gerade im TV-Bereich gilt: Das neue TV-Gerät soll eine größere Bilddiagonale haben und besser ausgestattet sein.

VDI nachrichten: Sie haben erst spät den Flachbildschirm-Trend erkannt. Nun holen Sie kräftig auf in diesem Segment und gewinnen kontinuierlich Marktanteile. Wie haben Sie dies geschafft?

Hecker: Es stimmt nicht, dass wir die Flachbildschirm-Technologie verschlafen haben. Wir haben sehr früh mit der Entwicklung von Flachdisplaygeräten begonnen. 1998 konzipierten wir das erste Plasmagerät. Seit 2000 kooperieren wir mit Sharp bei LCD. Was uns überrascht hat, war der rasante Wandel der Nachfrage im Jahr 2003. Die Verbraucher erkannten, dass der Fernseher der Zukunft flach sein muss. Das traf Loewe besonders hart, weil bis 85 % des Umsatzes mit Röhrengeräten erzielt wurden.

Inzwischen haben wir aufgeholt und jüngst auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin unsere Produkt-Offensive fortgesetzt. LCD ist bei Loewe mittlerweile die dominierende Bildschirmtechnologie. Im nächsten Jahr werden wir voraussichtlich das letzte Bildröhren-Fernsehgerät fertigen.

VDI nachrichten: Wie stark leiden Sie unter dem aktuellen Preisverfall bei Flachbildschirmen?

Hecker: Durch den Preisverfall steigt der Kostendruck. Das drückt die Marge. Andererseits entsteht durch die Preissenkungen ein Massenmarkt, in dem es mehr Möglichkeiten zur Differenzierung von Angeboten gibt. Hier haben wir mehr Spielraum für Mehrwert-Produkte. Wir sehen also den Preisverfall mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

VDI nachrichten: Sie haben mit dem Möbelhersteller Interlübke jüngst eine Partnerschaft angekündigt. Wie soll die aussehen?

Hecker: Wir werden künftig bei der Produktentwicklung im Vertrieb und beim Marketing kooperieren. Die Loewe-Geräte sollen auf die Möbel von Interlübke abgestimmt werden – zum Beispiel beim Design, den Farben oder auch den Materialien. Möglicherweise kann auch der Fuß des TV-Geräts in das entsprechende Möbelstück von Interlübke integriert werden. Mehrere Protoypen haben wir bereits entwickelt und auf der IFA 2005 vorgestellt. Auf der Internationalen Möbelmesse sollen weitere Lösungen präsentiert werden.

Beim Vertrieb werden künftig Fachhändler auf regionaler Ebene zusammenarbeiten. Und natürlich versprechen wir uns durch die Partnerschaft mit Interlübke auch zusätzlichen Umsatz.

VDI nachrichten: Ende 2004 hat Sharp seine Beteiligung an Loewe deutlich aufgestockt und gemeinsame Projekte angekündigt. Was tut sich da konkret?

Hecker: Die Partnerschaft kommt gut voran. Jeder bringt seine Stärken ein. Wir bringen die Kernkompetenz von digitaler Signalverarbeitung mit – vom Antennensignal bis zum Bild. Sharp liefert bestes Display-Know-how. Seit Januar diesen Jahres arbeitet unser gemeinsames Entwicklungszentrum in Kronach. Wir entwickeln dort vor allem neue Plattformen für digitales und hochauflösendes Fernsehen.

VDI nachrichten: Hat es noch Sinn, in Deutschland zu produzieren?

Hecker: Wir haben nur eine Zukunft, wenn wir uns auf unsere eigenen Stärken konzentrieren, nämlich die Herstellung technisch innovativer Premiumprodukte. Mit hoher Automation und gut ausgebildeten, flexiblen Mitarbeitern haben wir am Standort Deutschland eine sehr gute Chance. Premiumprodukte werden zudem zunehmend individueller, da ist es ein großer Vorteil, aus dem Markt für den Markt produzieren zu können.

VDI nachrichten: Zuletzt stieg die Aktie kräftig an. Waren die Kurssteigerungen nur ein Strohfeuer?

Hecker: Es gab eine Vielzahl von positiven Meldungen. Zum einen verzeichnete Loewe gute Halbjahresergebnisse. Hinzu kam der Ausstieg der britischen Wagniskapitalgesellschaft 3i. Dadurch erhöhte sich der Streubesitz. Und schließlich hat die IFA für neue Fantasie gesorgt. Die Stimmung ist gut. Viele Bürger haben wieder Shopping-Lust auf neue Elektronikgeräte.

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