Produktion 15.12.2006, 19:25 Uhr

„Es ist durchaus möglich, in Deutschland profitabel zu produzieren“  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 15. 12. 06, rus – Lenkt die bisherige Diskussion über den Standort Deutschland, über Arbeitsrecht und Löhne, von einem ganz zentralen Problem ab? Der Verlust von 500 000 Arbeitsplätzen droht, denn nur 15 % bis 20 % der untersuchten Produzenten erreichen Exzellenz. Überraschende Ergebnisse, die Berater Bernd C. Schmidt nachfolgend kommentiert.

Hohe Lohn- bzw. Lohnnebenkosten, ein unflexibles Arbeitsrecht sowie auch zunehmend Probleme bei der Rekrutierung geeigneter Mitarbeiter – die negativen Stimmen über den „gefährdeten“ Produktions-Standort Deutschland wollen nicht abreißen. Es ist jedoch vor allem auch die fehlende Produktions-Exzellenz, die hierzulande Arbeitsplätze kostet. Denn gerade in einem Hochlohnland wie Deutschland kommt es in den produzierenden Unternehmen auf Leistungskraft, Innovation und Know-how an.

Den Beweis dafür treten Jahr für Jahr die Sieger-Unternehmen des Benchmark-Wettbewerbs „Die Fabrik des Jahres“ an, der bereits 1992 von A.T. Kearney und der Zeitschrift Produktion ins Leben gerufen wurde. Der Wettbewerb zeichnet regelmäßig deutsche Fabriken aus, die mit echten Spitzenleistungen in der Produktion aufwarten können.

Beim diesjährigen Wettbewerb fiel wiederum auf, dass lediglich 15 % bis 20 % aller bewerteten Teilnehmer zu den wirklich führenden deutschen Fabriken gezählt werden können – sprich: Nur hier sind die Voraussetzungen dafür gegeben, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können.

Schlimmer noch: Etwa 10 % aller untersuchten Fabriken haben den Anschluss bereits verloren. Verschwinden diese oder vergleichbare Unternehmen vom Markt, sind nach einer aktuellen A.T. Kearney-Kalkulation mittelfristig etwa 500 000 Industrie-Arbeitsplätze akut bedroht.

Dabei sind – anders als bei strukturbedingten Krisen – Branche und Größe der einzelnen Unternehmen zweitrangig.

Treffen kann es alle Unternehmen, die jenen Fehler begehen, der auch die erwähnten 10 % der Bewerber kennzeichnet: Die Vernachlässigung der Leistungsfähigkeit.

Was im Tagesgeschäft zunächst nicht auffallen mag, zeigt sich bei genauer Betrachtung umso mehr. Wer sich nicht weiter entwickelt, verliert den Anschluss, denn auch der Wettbewerb bleibt nicht stehen, sondern wird durch die fortschreitende Globalisierung immer schärfer.

Diese Arbeitsplätze werden natürlich nicht von heute auf morgen verschwinden – mittel- bis langfristig, das heißt in einem Zeitraum von drei bis fünf Jahren, sind sie jedoch stark gefährdet.

Entscheidend für den Erfolg ist grundsätzlich erst einmal die Kombination aus Markterfolg und Wachstum.

Erfolgreiche Werke legen mit überdurchschnittlichen Leistungen in allen Leistungsdimensionen die Basis für einen außergewöhnlichen Markterfolg und nutzen diese Wachstumsdynamik konsequent zur Steigerung ihrer Produktivität und Innovationsfähigkeit.

In einem solchen Wachstumsumfeld werden Produktivitätssteigerungen von den Mitarbeitern weniger als Bedrohung, sondern vielmehr als Königsweg zum Erfolg angesehen.

Spitzenleistungen in puncto Produktivität und motivierte Mitarbeiter sind zwei Faktoren, die sich nicht ausschließen, sondern sogar gegenseitig fördern können.

Grundlage für motivierte, leistungsbereite Mitarbeiter sind transparente und durchgängige Führungssysteme. Nur wenn Wachstum von allen im Unternehmen als ein Standort sichernder Faktor kommuniziert und verstanden wird, kann Skeptikern der Wind aus den Segeln genommen werden.

Die Top 20% der im Rahmen des Wettbewerbs untersuchten Unternehmen haben trotz Effizienzsteigerungen überdurchschnittlich viele Arbeitsplätze geschaffen. Der Beschäftigungszuwachs dieser Unternehmen betrug über einen Zeitraum von drei Jahren im Schnitt 10 % – während die Beschäftigtenzahl bei allen anderen am Wettbewerb teilnehmenden Unternehmen im Durchschnitt stagnierte.

Das alleine reicht natürlich noch nicht. Hinzukommen müssen sowohl wirksame Programme zur Produktivitätssteigerung und Kostensenkung als auch die Fähigkeit zu unkonventionellen Lösungen in den verschiedenen Bereichen und für die verschiedenen Problemstellungen.

Um die eigene Leistungsfähigkeit auf den Prüfstand zu stellen, können für Unternehmen die sechs Leistungsdimensionen als Orientierungshilfe dienen, die auch für die Ermittlung der Finalisten – und später der Gewinner – des „Fabrik des Jahres“-Wettbewerbs maßgeblich waren:

Wertgenerierung, Kundenzufriedenheit, Wirtschaftlichkeit, Qualität, Agilität, Innovation.

Seit Bestehen des Wettbewerbs hat sich dabei immer wieder deutlich gezeigt, dass es eben nicht die typischen Kostenkiller-Unternehmen sind, die zu den leistungsfähigsten gehören. Es sind vielmehr jene Unternehmen, die mit ruhiger Hand und mit Nachhaltigkeit ihre Leistung in allen Bereichen kontinuierlich verbessern.

Mut und Bereitschaft zur Veränderung sind wichtige Voraussetzungen dafür, dass Optimierungspotenziale erkannt, benannt und konsequent realisiert werden – und zwar möglichst zu einem Zeitpunkt, zu dem das Unternehmen noch erfolgreich und handlungsfähig ist.

Der Erfolg am Markt ist zumeist abhängig von innovativen Produkten, die mit einem Höchstmaß an Effizienz zu wettbewerbsfähigen Kosten gefertigt und mit hoher Liefertreue an die Kunden vertrieben werden.

Dreh- und Angelpunkt für wettbewerbsfähige Kosten sind dabei die Steigerungspotenziale im Bereich der Produktivität. Vor allem ihre Realisierung bedarf der ungebrochenen Aufmerksamkeit des gesamten Personals eines Unternehmens – der Führungskräfte genauso wie sämtlicher Mitarbeiter. Darum kommt auch der Mitarbeitermotivation eine herausragende Bedeutung zu.

Für die Produkte selbst gilt: Es muss nicht zwingend immer Hightech sein. Auch Hersteller wesentlich einfacherer, jedoch hochwertiger Produkte haben sich durch entsprechend ausgerichtete Produktionssysteme erfolgreich positionieren können. Die Voraussetzung dafür ist – und hier schließt sich der Kreis – Exzellenz in allen Bereichen der Produktion. Exzellenz ist die einzige Chance, als Produzent in einem Hochlohnland bestehen und zu wettbewerbsfähigen Kosten produzieren zu können. Dazu gehören Top-Qualität, maximale Lieferbereitschaft und Flexibilität – wie es heute schon durch eine Vielzahl von Arbeitszeitvereinbarungen in deutschen Unternehmen ermöglicht wird.

Auf der anderen Seite ist das vermeintliche Allheilmittel „Verlagerung“ durchaus mit Vorsicht zu genießen. Denn nicht immer handelt es sich hierbei tatsächlich um die klar kostengünstigere Variante.

Niedrigere Lohn- und Personalkosten werden allzu oft von einem höheren Koordinationsaufwand nivelliert und auch die zu erwartenden Logistik-Mittel können hier stärker zu Buche schlagen als erwartet. Deshalb verlangt eine Verlagerung, ist sie denn einmal ins Auge gefasst, nach einer genauesten Kalkulation und Analyse. Davor jedoch sind in jedem Fall sämtliche Optimierungsmöglichkeiten vor Ort zu prüfen, bevor ernsthaft an Verlagerung gedacht wird.

Es ist durchaus möglich, in Deutschland profitabel, das heißt wettbewerbsfähig zu produzieren. Von dieser Möglichkeit machen indes viel zu wenige Unternehmen Gebrauch. Nur sehr wenige Werke in Deutschland erreichen wirklich umfassende Exzellenz. Etwa 10 % aller untersuchten Werke haben den Anschluss bereits verloren und leben nur noch von ihrer Substanz. Solche Werke sind nicht nur durch ein deutlich geringeres Leistungsniveau gekennzeichnet, sondern vor allem auch durch eine extrem geringe Verbesserungsdynamik.

Hier – also leider in der Mehrzahl der deutschen Produktionsstandorte – sind einschneidende Änderungen dringend notwendig, um diese Arbeitsplätze am Standort Deutschland halten zu können. BERND C. SCHMIDT

Von Bernd C. Schmidt
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