Fertigung 19.10.2012, 19:55 Uhr

Energieeffizienz muss sich für Maschinenbauer auch rechnen

Schlüsselbegriffe wie „Energieeffizienz“ sollten keinesfalls zu viel benutzten Mode-Slogans absteigen. Zudem dürfen sie nicht nur einseitig ökologisch diskutiert werden, sondern brauchen Bezug zum ökonomischen Erfolg. So lautet ein wichtiges Fazit des Info-Tages „Automation schafft Nachhaltigkeit“ beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) im September in Frankfurt.

Der Maschinenbau steht durch die Energiewende vor einer großen Herausforderung.

Der Maschinenbau steht durch die Energiewende vor einer großen Herausforderung.

Foto: Werkfoto

„Wir denken nicht darüber nach, Maschinen unter energetischen Aspekten während der Produktion ein- und auszuschalten“, betonte Frank Knafla von Phoenix Contact Electronics in Bad Pyrmont. Vielmehr gehe es darum, Maschinenprozesse während der Phasen zwischen den Fertigungsschichten in den Stand-by-Modus zu schalten. Dadurch wolle man möglichst wenig Energie verbrauchen und dennoch rechtzeitig wieder produktionsbereit sein. Entsprechend müssten alle Maßnahmen, die in der Produktion zur Steigerung der Energieeffizienz ergriffen werden, so ausgelegt sein, dass es keinen negativen Einfluss auf die Produktivität gibt.

Damit die Produktion – wie auch die Instandhaltung in der Fertigung – nachhaltig sein können, muss auch der gesamte Fertigungsprozess transparent sein: „Dazu gehören die Ermittlung von Kennzahlen zur Erfassung der Energie im Unternehmen sowie die Auswertung dieser Messwerte“, berichtete Christoph Schneider von Ifm Consulting, Appenweier. Das Condition Monitoring sei dabei der Schlüssel zur Energieeffizienz in Industrieanlagen. Denn man müsse die Anlagenzustände kennen, um gegebenenfalls Instandhaltungsmaßnahmen einleiten zu können, und man brauche Produktionskennzahlen, um zu beurteilen, wann der optimale Zeitpunkt für die kurzfristige Abschaltung einer Anlage zwecks Wartung gegeben ist.

Leider, so Schneider, habe er im Zuge seiner Beratungstätigkeit feststellen müssen, dass letztendlich die Unternehmen sehr oft keine Ressourcen haben, um ein Energiemanagement oder zumindest ein Condition Monitoring sowie Kennzahlensysteme einzuführen.

Was intelligente Sensorikprodukte dazu beitragen können, die Fertigung unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit zu automatisieren, erläuterte Jerome Stocker von der Balluff GmbH, Neuhausen. Die Herausforderung, die sich dabei für Unternehmen stellt, formulierte er so: „Wie können wir Produkt-Features etablieren, damit das Produkt an sich schon die Nachhaltigkeit unterstützt?“ Als Beispiel nannte er ein System, das angewandt wird, um in der Solarindustrie die Nachhaltigkeit durch größere Energieeffizienz zu steigern. Es handelt sich um ein Magnetbandsystem, das man bei Heliostaten in zwei Achsen einsetzt. Durch seine Fähigkeit, über die Entfernung von einer Meile einen Lichtstrahl auf Handbreite genau zu positionieren, sei laut Stocker die Genauigkeit der Sonnenlichtreflexion um mehr als 10 % verbessert worden. Das wiederum führe zu einer beachtlichen Optimierung des Wirkungsgrades von Solaranlagen.

Dass der Maschinenbau auch durch die politisch gewollte Energiewende vor einer großen Herausforderung steht und zur Sicherung seiner Produktion auf Nachhaltigkeit setzen muss, betonte Judith Herzog-Kuballa, Referentin für die Nachhaltigkeitsinitiative „Blue Competence“ beim VDMA. Dabei präsentierte sie ein klares Kriterium für einen oft verwaschenen Begriff: „Nachhaltigkeit kann nicht nur den ökologischen Zielen dienen, sondern sie muss einhergehen mit sozialer Verantwortung und mit dem ökonomischen Erfolg.“ Wenn sich eine Maschine am Markt nicht verkaufe, dann sei es unwesentlich, wie nachhaltig oder ergonomisch sie sei.

Deshalb gehe es darum, die Innovations- und Technologieführerschaft des Maschinen- und Anlagenbaus zu erhalten und künftig unter besonderer Beachtung der Nachhaltigkeit weiter auszubauen. Schließlich stünden die deutschen Hersteller in einem heftigen internationalen Konkurrenzkampf – nicht zuletzt mit China. Diesen Wettbewerb könne man mit Alleinstellungsmerkmalen wie der Optimierung des Verhältnisses von Produktivität und Energieeffizienz erfolgreich bestehen.

Wege zu einer solchen Optimierung zeigt das Forschungsprojekt „Effizienzfabrik im Maschinen- und Anlagenbau“ auf. Projektleiterin Claudia Rainfurth unterstrich: „Es gab bereits 2008 die Bekanntmachung einer 50-Mio.-€-Förderung zum Thema Ressourceneffizienz in der Produktion.“ Was damit erreicht werden konnte, zeige beispielhaft das Effizienzfabrik-Projekt „NCplus“, welches sich mit der effizienten Steuerung von Werkzeugmaschinen befasste. Eine neuartige Strategie zum Energiesparen im Werkzeugmaschinenbau, die hier verfolgt wurde, sei die bedarfsgerechte Ansteuerung und Abschaltung von Maschinenkomponenten. 

                                     U. W. SCHAMARI

  • Ulrich W. Schamari

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