Mess- und Prüftechnik 05.04.2002, 17:33 Uhr

Ende der TÜV-Monopole in Sicht

In spätestens fünf Jahren sind die letzten Prüfmonopole der TÜV gefallen. Einer der vier großen hat sich nun – mal wieder – neu aufgestellt.

Die Fusion ist vom Tisch. Kurz, knapp und präzise beantwortet Werner Hlubek die Frage nach einer möglichen Zusammenlegung des TÜV mit Sitz in Essen mit dem TÜV mit Sitz in Köln.

Prof. Dr.-Ing. Werner Hlubek, ehemals Vorstandsmitglied beim Energiekonzern RWE – jetzt Aufsichtsratvorsitzender der RWTÜV AG in Essen, sieht das so: „Eine Fusion setzt gegenseitiges Vertrauen voraus. Dazu gehört auch Einblick in die Bücher. Dann wird geschaut, lassen sich Schwierigkeiten gemeinsam beheben, lässt sich auf den Stärken gemeinsam ein Businessplan aufbauen?“ Kein Einblick, keine Fusion. So einfach ist das, denn, so Hlubek, „der RWTÜV soll wie ein Industrie-Unternehmen geführt werden. Dazu gehört Einblick in die Bücher.“

Doch Fusionen und Wachstum allein bieten keine Garantie, um in dieser Branche erfolgreich zu sein.

Wilhelm Wick, Vorstandsvorsitzender der RWTÜV AG: „Unser Umsatz beruht nicht auf Maschinenleistung, sondern auf Kopf- und Handarbeit, auf Know-how.“ Das ist einer der Gründe, weswegen die Expansion in andere angestammte TÜV-Regionen und ins Ausland nicht nur eine Frage des Geldes ist.

Wilhem Wick: „Firmen fragen nach Dienstleistungen, nach Persönlichkeiten. Das Kunden-Bindungssytem muss ausgebaut werden.“

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Dem Wettbewerb müssen sich die hundertjährigen Organisationen nicht erst seit Jahreswechsel stellen. Doch die „Prüfbehörden“ – so Insider-Gemecker – taten sich zunächst schwer mit der neuen Situation.

Bereits vor zehn Jahren hatte der damalige Vorstandsvorsitzende des damaligen RWTÜV, Prof. Hartmut Griepentrog, mit Blick auf den gemeinsamen EU-Binnemarkt gewarnt: „Einmal in Europa zugelassen, überall zugelassen.“ Die Dekra oder ausländische Prüfer wie die vom französischen Bureau Veritas oder auch kleinere Ingenieurbüros würden Prüfaufgaben übernehmen. In Deutschland würden wohl nur drei bis vier große TÜV übrig bleiben.

Expansionen ins Ausland waren die Folge dieser Einsicht – bei allen TÜV, Aufbau neuer Geschäftsfelder die zweite Folge, Fusionen die dritte. Lediglich die TÜV in Rheinland-Pfalz und im Saarland bilanzieren heute nicht gemeinsam mit einem Partner.

„Wir fühlen uns in der Rolle des Asterix ganz wohl“, kommentiert im saarländischen Sulzbach Prof. Jürgen Althoff, Vorstand des TÜV Saarland, die Situation. Und genau dort, wo andere ihr Restmonopolgeschäft verlieren werden, haben – so Jürgen Althoff, „wir schon vor Jahren das Anlagenprüfgeschäft aufgegeben.“ Der TÜV Saarland will jetzt sogar eine Software auf den Markt bringen, mit der andere Anlagen prüfen können. Die Software weiß, was wo zu beachten ist.

Führerschein-Prüfungen und Prüfung von Druckbehältern sowie Aufzügen sind derzeit die letzten Monopolbastionen.

Mit der Druckgeräte-Richtlinie, in Kraft seit 11/99, verpflichtend ab Mai 2002, und der Aufzugsrichtlinie, verpflichtend seit Juni 99, sind schon zwei der letzten Anlagen-Prüf-Bastionen der TÜV gestürmt. Die letzte ihrer Art könnte bei zügigem Normgebungsverfahren noch in diesem Jahr fallen. Die „Betriebssicherheitsverordnung“ regelt die wiederkehrenden Prüfungen solcher Anlagen. In fünf Jahren dürfen dies dann auch andere als die TÜV.

Werner Hlubek: „In fünf Jahren spätestens werden die letzten Monopole für die TÜV fallen. Das bedeutet, dass kein TÜV mehr auf gesicherte, weil monopolgestützte Aufträge zurückgreifen kann.“ Man habe den Konzern nun neu ausgerichtet. Die neue Strategie habe drei Elemente: neue Konzernstruktur, neuer Marktauftritt und neuer Anspruch an das eigene Unternehmen.

Der Anspruch an sich selbst heißt: modernes, industriell geführtes Dienstleistungsunternehmen mit einer kompletten Dienstleistungspalette nach Kundenwunsch.

Hingegen bereits erprobt ist die Mannschaft im Umgang mit Strukturänderungen. 1993 kamen die Bergbauforscher der Deutschen Montantechnik, DMT, zum damaligen RWTÜV. Fortan wurde das neue Gebilde als Cubis propagiert. 1998 ging die DMT an die RAG, ehemals Ruhrhohle, die Prüfer nannten sich TÜV Mitte AG.

Ende 2000 kam das jetzige Führungsgespann Werner Hlubek, Wilhelm Wick an Bord. Beides ehemalige RWE-Manager. Da die linksrheinische Führung des TÜV Rheinland in Köln offensichtlich nicht mit den rechtsrheinischen Ruhrgebietlern des RWTÜV in Essen umgehen kann – oder umgekehrt, bauten die Essener Manager eigenständig ihren eigenen Konzern um.

Auf vier Säulen ruht das RWTÜV-Geschäft derzeit. Dem klassischen Prüfbereich im Inland, dem Auslandsgeschäft, dem Versicherungsangebot (Van Ameyde, Niederlande) sowie dem IT-Beratungs- und Security-Bereich.

Und das alles soll unter dem Konzerndach RWTÜV profiliert werden.

Der Name TÜV-Mitte habe sich nicht kommunizieren lassen, meint Vorstandschef Wilhem Wick. Anlässlich des 130. Geburtstages der Organisation am 27. März gab er dann bekannt: „Wir haben unseren Konzern umbenannt. Aus der TÜV Mitte AG wird mit dem heutigen Tag die RWTÜV AG.“

Darin, dass gleich vier große Organisationen mit den drei Buchstaben TÜV im Namen auch im Ausland auftreten, sieht Wilhelm Wick keine Verwechselungsgefahr: „Die Kunden wissen zu unterscheiden.“ Denn, so der Vorstandsvorsitzende, „Erfolgsfaktoren sind Kompetenz, schlanke Geschäftsprozesse, vernünftiges Marketing.“

R. SCHULZE

 

Ein Beitrag von:

  • Rudolf Schulze

    Chefredakteur VDI nachrichten. Fachthemen: Elektronik, Politik, IT.

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