Produktion 25.03.2005, 18:37 Uhr

Drucklufttechnik expandiert rund um den Globus  

In diesem „Outfit“ präsentieren sich die deutschen Hersteller von Drucklufttechnik fast schon traditionell auf der Hannover Messe. Und: Herausforderungen wie auch Marktchancen steigen weiter – das werden die Exponate in Halle 27 belegen. Denn Computerintegration optimiert zunehmend die Druckluftversorgung. Zudem wollen Pharmazie, Chemische Industrie und Biotechnologie immer höherwertige, ölfreie Druckluft.

Slogan mit Substanz: „Ohne Druckluft läuft fast nichts“ – so lautet das Motto des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) für die Drucklufttechnik auf der diesjährigen Hannover Messe vom 11. bis zu 15. April. Auf der ComVac in Halle 27, der internationalen Leitmesse der Druckluft- und Vakuumtechnik, welche für die deutschen Hersteller ein Heimspiel ist, präsentieren 165 Aussteller aus über 20 Nationen auf 10 000 m2 Ausstellungsfläche ihre Neuentwicklungen der modernen Druckluft- und Vakuumtechnologie. „Wir erwarten, dass die gesamte Branche 2005 eine leichte Belebung erfährt,“ gibt sich Thomas Kaeser optimistisch. Er ist Vorsitzender des Fachverbands Kompressoren, Druckluft- und Vakuumtechnik im VDMA und Chef von Kaeser Kompressoren in Coburg. „Die deutschen Hersteller konnten ihren Umsatz von 2,6 Mrd. € in 2003 auf 2,9 Mrd. € im vergangenen Jahr steigern“, ergänzt dazu Christoph Singrün, Geschäftsführer des VDMA-Fachverbandes.

Auch der Markt mit Prozessluft, bei dem das Produkt direkt mit dem Prozess in Berührung kommt, wächst, weiß Luc Hendrickx, Leiter Kompressortechnik beim Hersteller Atlas Copco. Der Grund: Vor allem in Asien errichten viele Hersteller neue Fabriken.

Fast kein produzierendes Unternehmen kommt heute ohne Druckluft aus, schildert Wolf D. Meier-Scheuven, Geschäftsführer von Boge in Bielefeld. Mit ständigen Innovationen versucht der Kompressorspezialist diesem Erfordernis der Industrie Rechnung zu tragen. So konzipierte Boge kürzlich für die Produktionsstätte des Automobilzulieferers Borbet in Medebach/Sauerland, wo 1,4 Mio. Aluminiumfelgen pro Jahr produziert werden, eine Druckluftversorgung, mit welcher der Guss von Alufelgen vorangetrieben wird: Die Räder werden nach dem Niederdruck-Gussverfahren hergestellt, bei dem flüssiges Aluminium gleichmäßig und verwirbelungsfrei per Druckluft in eine Gussform gedrückt wird. Die sieben Verdichter mit einer Gesamt-Antriebsleistung von knapp 1200 kW können stets exakt am Bedarfsprofil entlang gefahren werden. Für die Spitzenlastversorgung sorgen Schraubenverdichter der SL-Baureihe mit frequenzgeregeltem Antrieb, wie sie auch auf der Hannover Messe zu sehen sind. Teure Leerlaufzeiten können so vermieden werden und das Druckband kann mit +/- 0,1 bar sehr viel geringer ausgelegt werden. „Durch diese Konzeption haben wir immer anderthalb bis zwei Verdichter in Reserve“, freut sich Walter Anton, Technischer Leiter von Borbet. Gleichzeitig installierte Boge auch eine zentrale Steuerung für alle sieben Verdichter und ein Visualisierungssystem, das die gesamte Druckluftstation transparent macht. Dazu genügt ein konventioneller PC: Das System sammelt die Daten, die in der Station aufgenommen werden – angefangen bei der Anzahl von Betriebsstunden, über Qualitätswerte bis hin zu Betriebszuständen und Steuerungsparametern. Gleichzeitig erscheinen Störmeldungen, Wartungshinweise und Warnanzeigen als Pop-up-Fenster auf dem Display.

Bei der Druckluftversorgung geht die Tendenz zu Turbokompressoren für die Grundlast und komfortabel regelbaren Schraubenkompressoren für die Spitzenlast. Stationen mit Frequenzregelung, Trockner und Kondensatmanagement entwickeln sich bei den Coburgern nach eigenen Angaben zum Verkaufshit. Zu den Zukunftstrends zählen vor allem aber auch ölfreie Kompressoren, so genannte Trockenläufer, die saubere Druckluft, etwa für Pharmazie, Chemische Industrie und Chipfertigung produzieren. Auch beim Wettbewerber Atlas Copco gehören ölfrei verdichtende Niederdruckmaschinen der ZB-Baureihe, bei der dank magnetischer Lager keinerlei Reibung auftritt, zu den Messe-Highlights. Besonders für viele Verpackungshersteller – vor allem, wenn sie Lebensmittelverpackungen herstellen oder auf die PET-Blasformtechnik umsteigen, ist ölfreie Druckluft unabdingbar.

So hat auch der Verpackungshersteller Weener Plastik im ostfriesischen Weener seine Druckluftversorgung komplett auf Trockenläufer umgestellt, nachdem man dort lange Jahre den ölfreien Steuerluftbedarf ausschließlich durch Filtration gedeckt hatte. „Doch damit hatten wir viel Ärger“, schildert Andreas Baumann, der bei Weener Plastik für die Druckluftversorgung verantwortlich ist. Inzwischen sorgt ein neues, von Atlas Copco speziell zum PET-Blasformen entwickeltes Kompressorpaket für einen reibungslosen Betrieb. Die absolut ölfreie Drucklufterzeugung sei der richtige Weg gewesen, ist Andreas Baumann heute überzeugt: „Wir sind nicht enttäuscht worden.“ Schließlich müsse man nicht mehr ständig die Filter überwachen und Kondensatentsorgung sei jetzt kein Thema mehr. „Wenn ölfreie Drucklufterzeugung genauso viel wie die konventionelle Technik kosten würde, gäbe es längst nur noch ölfrei arbeitende Anlagen,“ weiß auch Atlas Copco-Mann Hendrickx. Der Mehrpreis rühre zur Zeit noch vom Zwischenkühler und den aufwendigeren Dichtungssystemen her. Weil aber bei Prozessluft in zunehmendem Maße ölfrei verdichtende Kompressoren zum Zuge kommen, macht langfristig „oil free“ das Rennen, ist Hendrickx überzeugt.

EDGAR LANGE/KIP

Immer mehr Kunden wollen ölfreie Druckluft

Von Edgar Lange/Dietmar Kippels
Von Edgar Lange/Dietmar Kippels

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