Drucken im Zeitalter des E-Business hat Zukunft
Die Digitaltechnologie sichert der Druckbranche den Anschluss an das Internetzeitalter. Ausgerechnet die Akteure des E-Commerce – wie die Dot.com-Companies – bescheren der Druckbranche neue Märkte.
Internet Start-ups sind durch den Börsengang zu Reichtum gekommen und verhelfen der Kommunikation und Werbung zu ungeahnten Höhenflügen. AOL, Yahoo, E-Bay gehören zu den führenden Werbungtreibenden der Welt. Die Druckbranche profitiert kräftig davon. Denn die virtuellen Firmen nutzen und brauchen die Printmedien, um auf sich aufmerksam zu machen.
Auch etablierte Firmen aus dem Finanzwesen, der Telekommunikation, dem Energiesektor und der Informationstechnologie, bescheren mit aktuellen Newslettern, Branchenanalysen oder Quartalsberichten bescheren den Druckern Konjunktur.
Die Öffnung des Energie und Telekommunikationsmarktes und die Börsenkonjunktur brachte 1999 den Druckereien massig Aufträge. Diese neuen Kundenwünsche erfordern eine schnelle Umsetzung – quasi über Nacht – und haben durchweg kleine Auflagen. Sie werden zumeist im Digitaldruck für Schwarzweiß- oder Farbanwendungen hergestellt.
Für die Druckindustrie gilt das neue Motto: „E-Business braucht E-Print“. Entweder perfektionieren dazu die Betriebe der Branche die bestehenden Druckverfahren durch Automatisierung und der Schaffung durchgängiger Arbeitsabläufe – wie etwa Computer-to-plate-Verfahren – oder sie schaffen neues Equipment für digitale Druckverfahren an, die spezialisierten Anwendungen entgegen kommen, etwa auf Basis von Inkjet- oder Lasertechnologie.
Hier bringen Anbieter wie Xerox, Xeikon oder Indigo die traditionellen Anbieter in die Bredouille. Die Druckbetriebe setzen die Hersteller unter einen stark wachsenden Innovationszwang, weil sie mit ihren Druckprodukten schneller am Markt, flexibler und effizienter sein müssen.
Als Reaktion verschaffte sich etwa Heidelberger Druckmaschinen durch ein Abkommen mit Kodak und das Joint Venture Nexpress einen Zutritt zum neuen Geschäftsfeld Digitaldruck. Andere Druckmaschinenhersteller wie MAN Roland und Koenig & Bauer (KBA) folgen dem Trend. „Wir setzen künftig verstärkt auf Kooperationen, die uns ermöglichen, starke Vertriebs- und Serviceorganisationen im für uns neuen Geschäftsfeld Digitaldruck zu erreichen“, betont MAN-Roland-Chef Gerd Finkenbeiner. Er hat gerade von Agfa die Digitaldruck-Sparte übernommen und ist OEM-Partner des Digitaldrucksystem-Anbieters Xeikon geworden. KBA hat Allianzen mit n Scitex und Indigo geschlossen.
„Der grafische Markt ist durch die Digitalisierung der Produktionstechnologien für uns ein Schlüsselmarkt geworden“, urteilt Xerox-CEO Rick Thoman. Er mietete kurzerhand eine ganze Halle am Rande des Messegeländes an. In den üblichen Hallen hätte Xerox nicht genug Platz gefunden. Als nunmehr zweitgrößter Aussteller nach Heidelberg will Thoman persönlich die Ära des „New Business of Printing“ in Düsseldorf verkünden und Generationen neuer Digital-Farbdrucksysteme sowie Scan-, Texterfassungs- und Archivsysteme zeigen.
Lösungen statt Produkte – unter diesem Motto rücken die Aussteller auf der Drupa die Einzelpräsentation von Neuprodukten in den Hintergrund und lassen den durchgehenden Lösungsangeboten den Vorrang. Neue, globale Business-to-Business-Modelle wie zum Beispiel „Printing-on-demand“, „Books-on-demand“ oder „One-to-One-Marketing“ werden propagiert.
Hersteller übergreifend präsentiert sich zum Beispiel in eigenen Ausstellungsbereichen der Hallen 5 und 6 die „Print City“, so der Name einer Gemeinschaftsinitiative unter der Führung von MAN Roland und Agfa, der sich zahlreiche andere Aussteller angeschlossen haben, um komplette Arbeitsabläufe zu zeigen. Die Ausstellung von lösungen hat einen gravierenden Vorteil: Sie zeigt wie eine Einbindung neuer Geräte vor Ort in einer Druckerei aussehen kann.
Eine Schlüsselposition für die Produktion und Entwicklung statischer und dynamischer Medien nehmen neue Datenformate wie PDF oder XML ein. Vorreiter dabei sind Hersteller wie Adobe Systems, Xerox oder Quark. Adobe wird zum Beispiel neue Lösungen für kreative Crossmedia-Produkte auf Basis von XML und PDF präsentieren.
Hinzu kommen Internet-Portale für die Druckindustrie, wie www.printcafe.com, die Angebot und Nachfrage für Druckprodukte makeln oder auch verteilte Print-Produktionsmöglichkeiten bieten sollen. So offerieren Online-Anbieter wie WAM!Net oder VIO durch ihre Produktionsnetzwerke dem Drucker als Mediendienstleister Möglichkeiten zum Entwickeln neuer Geschäftsfelder im Onlinebereich.
Aussteller, wie etwa Apple oder Intergraph ermöglichen die Realisation von Animationen oder auch Video-Projekten auf dem Computer – ohne den Einsatz großer Workstations. Besonders Apple – traditionell die Rechnerplattform in der Werbe- und Medienindustrie – nimmt hierbei mit Produkten wie „iMovie“ und „Quicktime 4.0 Pro“ eine Schlüsselposition ein. Apple-Chef Steve Jobs ließ dieses Jahr sogar die CeBIT sausen, „um alle Kraft und Energie auf die Drupa 2000 zu konzentrieren“.
In USA spricht man längst vom „E“-Zeitalter. Unternehmen der grafischen Industrie können an dem „E“-Boom teilhaben. Denn ihr Kerngeschäft ist es, Inhalt mit Hilfe von Medien und Kommunikationstechnologien zu vervielfältigen. Dabei wurden stets die neuesten Technologien genutzt. Was sich derzeit ändert, ist, dass durch die Digitalisierung neue Anwendungen und innovative Transportwege für die Kommunikation hinzukommen.
Konzerne der Informationstechnik arbeiten an Entwicklungen, die ganz neue Wege beschreiten: Als E-Paper wird ein Material von Xerox bezeichnet, das digital bebildert lösch- und wiederbeschreibbar ist. Die ersten Prototypen existieren und noch in diesem Jahr wird E-Paper an den Start gehen – zumindest in den USA. E-Books ergänzen hingegen das Leseangebot, bei dem schnelle Informationsaufnahme gewährleistet ist. Der im E-Book vorhandene Datenbestand kann hunderte von „Büchern“ umfassen und wird über das Internet aktualisiert und ergänzt. Aber diese Entwicklungen werden dem Druck wohl nicht den Garaus machen, sondern ihn ergänzen. ANDREAS WEBER
Internet- und Börsenboom lässt Zeitungsrotation rundlaufen: Wer mit E-Business Geld verdient, muss für sich werben – besonders die Printmedien profitieren. Die neuen Märkte füllen die Auftragsbücher der Druckbranche.
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