Industrie 05.04.2013, 16:59 Uhr

Die Feinarbeit an der Fabrik der Zukunft hat bereits begonnen

Unter dem Begriff „Integrated Industry“, dem Leitthema der Hannover Messe 2013, sollen Produktions- und Informationstechnologie noch enger zusammengeführt werden. Das bedeutet nichts Geringeres als den Umbau der deutschen Industrie.

Die Feinarbeit an der Fabrik der Zukunft hat bereits begonnen.

Die Feinarbeit an der Fabrik der Zukunft hat bereits begonnen.

Foto: Bosch Rexroth

„Knappe Ressourcen, demografischer Wandel, Energiewende und Globalisierung“, vor diesen Herausforderungen steht laut Fraunhofer-Präsident Reimund Neugebauer die Produktion der Zukunft. Künftig gehe es darum, mehr Produkte mit geringerem Ressourcenverbrauch herzustellen und gleichzeitig neue Produkte für eine alternde Gesellschaft zu fertigen. Dabei sei das zunehmende Alter von Mitarbeitern ebenso zu berücksichtigen wie die Senkung von Emissionen, aber auch die effizientere Nutzung von Material und Energie.

Genau diese Ansätze zeigt die Industrieschau vom 8. bis 12. April in Hannover. Unter dem Leitmotto „Integrated Industry“ und den Begriffen Industrie 4.0 sowie Smart Factory werden Unternehmen auf der Messe Lösungen zur zuverlässigen Vernetzung von Industriekomponenten, zum Datenmanagement sowie zur Entwicklung von Maschinen und Planung von Prozessen vorstellen.

Für Protagonisten der Industrie 4.0 wie Dieter Wegener, Vice President Advanced Technologies & Standards von Siemens, vollzieht sich auch diese „industrielle Revolution“ in evolutionären Schritten. Der Prozess habe bereits begonnen. Wichtig sei, dass Automatisierer und IT-Experten an einem Strang ziehen, hatte er bereits beim VDI-Zukunftskongress erklärt.

Die Kernidee ist einfach: Objekte werden durch eingebettete Systeme intelligent und verwandeln Fabrikstraßen zu modularen, flexiblen Systemen, in denen Produkte ihren Fabrikationsprozess sowie ihre eigene Qualitätskontrolle selbst steuern.

„Auf der Hannover Messe wollen wir zeigen, dass die Kernaspekte schon heute umsetzbar sind“, sagt Detlef Zühlke, Vorstandsvorsitzender und Initiator der „SmartFactoryKL“ sowie Forschungsbereichsleiter für Innovative Fabriksysteme am Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kaiserslautern. So soll das Modell der SmartFactoryKL in Hannover verdeutlichen, wie sich künftige Fabriken in Netzen aus teilautonomen Komponenten organisieren, in denen reale und digitale Welt miteinander verschmelzen.

Planern künftiger Fabriken hilft die Virtuelle Realität, in die teilweise komplizierten Zusammenhänge einzutauchen. Bereits am Computer werden dazu Anlagen und Produkte aufeinander abgestimmt. Auch Maschinenbediener profitieren: Animierte Grafiken unterstützen sie bei der Beherrschung solcher Produktionsanlagen. Darauf deuten Erkenntnisse der Studie „Produktionsarbeit der Zukunft“ vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) aus Stuttgart hin. Demnach wollen Mitarbeiter verstärkt Mobilgeräte und andere Kommunikationsmöglichkeiten nutzen.

Allerdings: „Die industrielle Produktion ist noch nicht durchgängig in der digitalen Welt angekommen. Im Gegensatz zu vielen anderen Branchen steht der Maschinen- und Anlagenbau eher noch am Anfang der Digitalisierung“, erklärt Olaf Sauer vom Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB).

Nach der Studie des Fraunhofer-IAO hat nur ein Viertel der Maschinenbauer in Deutschland derzeit eine klare Strategie, welche internetbasierten Dienstleistungen sie auf- und ausbauen werden. Nur ein Fünftel der gleichen Unternehmen verfügt über ein passendes Geschäftsmodell.

Obwohl sich bereits im Vorfeld der Hannover Messe abzeichnet, dass Integrated Industry und Industrie 4.0 viele Präsentationen prägen werden, wird sich für die Praktiker im Alltag zunächst wenig ändern. Es geht auch weiterhin um Sensorik, Aktorik, Automatisierungstechnik und industrielle Kommunikation.

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