Produktion 08.12.2006, 19:25 Uhr

„Der Standort Deutschland erlebt eine Renaissance“  

VDI nachrichten, Frankfurt, 8. 12. 06, has – Der Standort Deutschland habe keineswegs ausgedient, resümiert Peter Fuß von Ernst & Young und Autor des folgenden Artikels, die Ergebnisse einer Befragung unter Zulieferern. Besonders geschätzt werde unter anderem die Qualifikation der Mitarbeiter. Als problematisch gelten die Lohnkosten.

Die deutschen Automobilzulieferer sehen Deutschland als international konkurrenzfähigen Standort für die Automobilindustrie an. 73 % sind der Meinung, dass Deutschlands Attraktivität im internationalen Vergleich hoch ist. Nur 4 % bewerten sie als gering.

Dieses positive Urteil mag angesichts der Negativmeldungen der vergangenen Jahre erstaunen. Lange schien es, als sei Deutschland der Konkurrenz gerade der osteuropäischen Länder und Chinas kaum noch gewachsen, die mit niedrigen Löhnen und niedrigen Steuern locken.

Und tatsächlich zeigen die Befragungsergebnisse auch, dass die Errichtung neuer Standorte gerade in diesen Regionen einen maßgeblichen Bestandteil der Strategie der Mehrheit der deutschen Zulieferer darstellt: 22 % der deutschen Zulieferer planen Investitionen in Osteuropa, 15 % der Unternehmen haben vor, in Asien zu investieren. Dabei stehen China und Indien in der Gunst der Unternehmen ganz oben: Den Auf- oder Ausbau einer Produktion in China oder Indien planen 8 % bzw. 7 % der Unternehmen.

Dennoch hat der Standort Deutschland aus Sicht der Unternehmen keineswegs „ausgedient“. Im Gegenteil: Man kann durchaus davon sprechen, dass der Standort Deutschland derzeit eine Renaissance erlebt. Nachdem jahrelang vor allem die hohen Kosten in Deutschland gesehen wurden, geraten nun verstärkt auch die Vorteile des Standorts Deutschland ins Blickfeld der Unternehmen, insbesondere die gute Infrastruktur und die gute Ausbildung der Mitarbeiter.

Aus Sicht der befragten Unternehmen kann Deutschland insbesondere bei der Qualität von Forschung und Entwicklung punkten: 92 % bezeichnen diesen Punkt als wesentlichsten Vorteil des Standorts Deutschland. Weiterhin stellen die Qualifikation der Mitarbeiter und die Infrastruktur in Deutschland für 84 % bzw. 80 % der Unternehmen wichtige Standortvorteile Deutschlands dar.

Zwar gibt es selbstverständlich auch in den osteuropäischen Ländern und zunehmend auch in China hervorragend ausgebildete Arbeitskräfte, in Deutschland besteht aber ein historisch gewachsener Verbund von Forschung und Fertigung – ein Netz aus Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Herstellern und Zulieferern, dessen Breite und Tiefe weltweit einmalig sind.

Erst der intensive Austausch und die Kooperation innerhalb dieses Technologie- und Fertigungsverbunds stellen sicher, dass zum einen kein Mangel an qualifizierten Nachwuchskräften besteht und die Ausbildung auch den Erfordernissen der Praxis entspricht und zum anderen der Vorsprung Deutschlands bei Forschungs-, Technologie- und Fertigungs-Know-how bestehen bleibt.

Der mit Abstand bedeutendste Nachteil des Standorts Deutschland sind aus Sicht der Unternehmen die hohen Arbeitskosten. Lohnnebenkosten und Lohnkosten (Löhne & Gehälter) sind nach Meinung von 93 % bzw. 66 % der Unternehmen besonders wichtige Standortnachteile.

Relativ wenige Unternehmen (23 %) hingegen sehen in einer mangelnden Flexibilität des Faktors Arbeit ein Problem des Standorts Deutschland. Dies erscheint angesichts der immer wieder zu hörenden Klagen über genau diesen Punkt zunächst überraschend.

Ein Blick auf die Entwicklung gerade in der Automobilindustrie in den vergangenen Jahren zeigt aber, dass sich dort im Bereich der Flexibilisierung des Faktors Arbeit (Flexibilisierung bei den Arbeitsprozessen, Arbeitszeiten und Entgelten) sehr viel getan hat. Tatsächlich wurden bei fast allen Herstellern sowie bei sehr vielen Zulieferern erhebliche Anstrengungen unternommen, um in diesen Bereichen zu modernen und innovativen Lösungen zu kommen. Solche Flexibilisierungen umfassen verschiedene Maßnahmen, darunter:

– flexiblere Arbeitszeiten, etwa durch die Einführung von Arbeitszeitkonten – beispielsweise mit einer Spanne von minus 200 bis plus 200 Stunden jährlich. Dies verringert Mehrarbeitszuschläge und vergrößert den Beschäftigungspuffer

– Ausweitung der Wochenarbeitszeit;

– Samstagsarbeit;

– Einführung befristeter Verträge,

– Verzicht auf einen Teil der künftigen tariflichen Lohnerhöhungen.

Im Gegenzug zu diesen Zugeständnissen erhielten die Beschäftigten oftmals Arbeitsplatzgarantien. In vielen Fällen konnten auf diesem Weg Entlassungen oder gar Werkschließungen verhindert werden.

Flexibilität umfasst aber nicht nur moderne Arbeitszeitmodelle oder betriebliche Bündnisse. Auch wird immer mehr Wert auf Prozessinnovationen und beispielsweise flexible Logistik- und IT-Lösungen gelegt. Das Potenzial, das gerade in der Flexibilisierung der Fertigung liegt, wurde in Deutschland lange unterschätzt. Die Reduzierung von Waste-Zeiten und schnellere Reaktionszeiten bieten zum Teil erhebliche Einsparpotenziale, die bislang von vielen Unternehmen nicht ausgeschöpft wurden. Starre Prozesse und Strukturen verhindern das schnelle Reagieren auf kurzfristige Marktentwicklungen und können im Endeffekt viel Geld kosten. Je flexibler die Betriebsabläufe sind und je besser sie sich auch sehr kurzfristig an die Erfordernisse des Marktes anpassen, desto konkurrenzfähiger ist das Unternehmen. Ein solches Plus an Flexibilität kann den zweifellos bestehenden Lohnkostennachteil des Standorts Deutschland durchaus bis zu einem gewissen Grad ausgleichen.

Deutschland ist ein Premium-Standort. Auch wenn dies in der öffentlichen Wahrnehmung kaum eine Rolle spielt: Deutschland ist immer noch der innovativste Automobilstandort weltweit – und daher nach wie vor absolut wettbewerbsfähig. Aber die Innovationskraft der deutschen Unternehmen ist nicht in Stein gemeißelt. Sie steht und fällt mit der Ausbildung und Motivation der Menschen.

In der Gesamtschau zeigt sich, dass die Stärken Deutschlands – und damit letztlich auch die Perspektive Deutschlands als Automobilstandort – im Bereich von innovativen, zukunftsweisenden Produkten gesehen werden. Die besonders lohnintensiven Bereiche – Teilefertigung und Endmontage – hingegen, bei denen insbesondere die Arbeitskosten und weniger die Qualifikation der Beschäftigten ins Gewicht fallen, werden tendenziell zukünftig eine geringere Rolle spielen. PETER FUSS

Von Peter Fuss
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