Produktion 27.01.2006, 18:42 Uhr

„Der deutsche Standort ist besser als sein Ruf“  

VDI nachrichten, Burladingen, 27. 1. 06, sta – „Made in Germany“ ist für Trigema-Chef Wolfgang Grupp ein Symbol für Qualität. Sein Textilkonzern produziert ausschließlich in Deutschland. Finanziert werden die drei Fabriken ganz ohne Kredite. Der 63-Jährige hält nichts von Fremdkapital oder Aktien. Er fordert außerdem, dass Manager stärker für ihre Fehlentscheidungen haften müssen. Die andauernde Sozialisierung von Verlusten führe das Land an den Rand des Kommunismus.

Grupp: Adidas und Puma dürften am meisten von der WM profitieren. Auch uns werden die Titelkämpfe sicherlich einen kleinen Schub geben. Vor allem bei den Deutschland-T-Shirts- und -Trikots dürfte es eine verstärkte Nachfrage geben. Mit der gerade gestarteten Kollektion „Trigema Gold“ setzen wir außerdem auf den Retro-Trend. Die Kollektion besteht aus Trikots und Sportjacken in den Deutschland-Farben oder T-Shirts mit dem Konterfei von Idolen wie Paul Breitner und Karl-Heinz Rummenigge.

VDI nachrichten: Mit kompostierbaren T-Shirts für Allergiker drängen Sie zunehmend in die Öko- und Gesundheitsnische. Welches Zukunftspotenzial bietet sich hier?

Grupp: Das hängt vom Verbraucher ab. Wir garantieren, dass beim Tragen der T-Shirts keine Allergien auftreten. Denn die eingesetzte Baumwolle ist nicht mit Chemikalien behandelt. Solche Innovationen sind in einem Hochlohn-Land wichtig.

VDI nachrichten: Wie lief das Geschäftsjahr 2005? Haben Sie sich gegenüber dem schwierigen Trend in der Textilbranche behaupten können?

Grupp: Ja, mit einem Umsatz von 81,2 Mio. € haben wir in etwa das Vorjahresniveau gehalten. Dies war allerdings nur möglich, weil wir stark investiert und neue Geschäfte eröffnet haben. Um künftig auch ohne solche Investitionen zu wachsen, muss sich in Deutschland endlich wieder die Konsumstimmung verbessern.

VDI nachrichten: Sie produzieren ausschließlich in Deutschland. Ist der Standort besser als sein Ruf?

Grupp: Der deutsche Standort ist im Moment besser als sein Ruf. Er hat sich nicht verschlechtert. Einzelne Firmen haben ihn lediglich ins Zwielicht gebracht. Wenn alle Unternehmen ihre Pflicht getan hätten, würde es besser um den Standort stehen. Schließlich hat Deutschland viele Trümpfe: Hier können wir auf technisch hochwertige Maschinen und eine gute Infrastruktur zurück greifen. Außerdem haben wir gut ausgebildete, fleißige und flexible Mitarbeiter. Das hat natürlich seinen Preis: Die Löhne sind hoch. Als Hochlohn-Land dürfen wir deshalb keine Massenprodukte, sondern spezielle, innovative Produkte fertigen. Doch viele Unternehmen machen den Fehler, nur nach Marktanteilen Ausschau zu halten.

VDI nachrichten: Marktanteile sind doch ein wichtiger Erfolgsmaßstab, auch in Nischensegmenten.

Grupp: Marktanteile sind nicht alles – wir müssen endlich aufhören mit dem Größenwahn.

VDI nachrichten: Ihr Unternehmen arbeitet nur mit Eigenkapital und kommt ganz ohne Kredite aus. Wie schaffen Sie das?

Grupp: Indem wir verantwortlich mit dem Geld umgehen.

VDI nachrichten: Sind die meisten anderen deutschen Unternehmer also verantwortungslos?

Grupp: Die meisten deutschen Unternehmer sind Mittelständler, die ihre Verantwortung ernst nehmen. Doch es gibt ein paar schwarze Schafe, insbesondere in den großen Konzernen. Mit Missmanagement haben sie ihre Unternehmen in den Abgrund gerissen. Schauen Sie sich DaimlerChrysler an. Die Aktionäre müssen heute noch die Folgen des Technologiekonzern-Wahns und der Fusion mit Chrysler ausbaden. Ich kann in diesem Zusammenhang nicht nachvollziehen, warum Unternehmer für ihre Entscheidung nicht haften müssen.

VDI nachrichten: Haben Sie Verständnis für die öffentliche Kritik an Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann?

Grupp: Ich kann an der Leistung von Herrn Ackermann nichts aussetzen. Wer aber in seinem eigenen Strafprozess das Siegeszeichen setzt, ist in der Position als Chef der größten deutschen Bank fragwürdig. Und wer Milliardengewinne verkündet und gleichzeitig ein paar Tausend Arbeitsplätze abbaut, tut dies nur, um dem Shareholder-Value zu dienen. Seine Mitarbeiter hat er aus den Augen verloren.

VDI nachrichten: Ist das Shareholder-Value-Prinzip so schlecht? Die meisten angelsächsischen Firmen orientieren sich daran.

Grupp: Shareholder-Value ist die kurzfristige Ausbeutung von Unternehmen. Das hat mit einer gesunden Unternehmerphilosophie nichts zu tun.

VDI nachrichten: Teilen Sie die Kapitalismus-Kritik vom Ex-SPD-Generalsekretär Franz Müntefering?

Grupp: Wenn „Heuschrecken“ oder Investoren nach Unternehmen greifen, ist das oft eine Folge von vorangegangenem Missmanagement. Man darf einer „Heuschrecke“ daher keinen Vorwurf machen. Die Verantwortung liegt bei den Unternehmern. Sie müssen die Firma in die nächste Generation weiterbringen. Doch steuerlich fehlen dazu die Anreize. Wenn Arbeitgeberverbände bisher duldeten, dass in der Regel ein halber Steuersatz bei einem Firmenverkauf gewährt wird, dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn zunehmend „Heuschrecken“ eine Plattform bekommen.

VDI nachrichten: Warum verlagern die meisten deutschen Unternehmen ihre Produktion ins Ausland?

Grupp: Weil sie versagt haben und die Kosten-Probleme nicht in den Griff bekommen haben. Das Outsourcing ins Ausland bringt jedoch nichts. Ich kenne keinen Textilunternehmer, der durch die Produktionsverlagerung reicher geworden ist. Viele sind ärmer geworden.

VDI nachrichten: Wie lässt sich Produktpiraterie verhindern?

Grupp: Die Produktpiraterie wird verursacht durch die Tatsache, dass Marken überall in der Welt produziert werden. Wenn die Produktion nach China ausgelagert wird, um den Markt dort zu bedienen, muss darauf geachtet werden, dass das Know-how nicht kopiert wird. Am besten macht man die Produktion hier in Europa und baut die Teile in China zusammen.

VDI nachrichten: Was halten Sie vom derzeitigen Credo, ständig die Kosten senken zu müssen?

Grupp: Kostensenkungen sind unerlässlich. Wenn freilich ein Unternehmer in schwierigen Zeiten Kosten abbauen muss, gibt er zu, dass er in guten Zeiten unnötige Kosten hatte.

VDI nachrichten: Was bedeutet für Sie heute „Made in Germany“?

Grupp: „Made in Germany“ steht noch immer für Qualität. Das ist vergleichbar mit französischem Champagner.

VDI nachrichten: Sie haben einmal gesagt: „Wir sind dem Kommunismus näher als der Marktwirtschaft.“ Stimmt das noch?

Grupp: Ja, Verluste werden immer mehr sozialisiert. Das neue deutsche Insolvenzrecht unterstützt dies. Es ist ein Verbrechen, dass Unternehmen in die Insolvenzen geführt und dann wie die Deutsche BA für 1 € verkauft werden, um danach wieder neu ausgerichtet zu werden.

VDI nachrichten: Was halten Sie von der Börse?

Grupp: Ich halte von der Börse nichts. Das sind alles hochjonglierte Daten. Viele Kurse sind übertrieben. Als Mannesmann von Vodafone übernommen wurde, war der Kurs von Mannesmann binnen kurzer Zeit plötzlich das Vierfache wert. Früher wurden Firmen noch mit eigenen Geldern aufgebaut, heute geht es über die Börse. NOTKER BLECHNER

Von Notker Blechner

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