Fertigung 04.05.2001, 17:29 Uhr

Bald Makrogewinne mit Mikrotechnologie

Die Mikrotechnologie ist im Aufbruch. Was bisher oft nur als wissenschaftlicher Gag bestaunt wurde, offenbart inzwischen immense wirtschaftliche Möglichkeiten. Auf der Hannover Messe präsentierte sich die Branche marktorientiert erstmals in einer eigenen Halle.

Kapitalgeber haben einen neuen Hoffnungsträger entdeckt. Enttäuscht von der längerfristig schwächelnden „New Economy“ beginnen potente Investoren offensichtlich mit der gezielten Förderung des Potentials der Mikrotechnologien: „Wir werden von Banken fast schon belagert“ verrät Dr. Holger Becker, Geschäftsführer der Mildendo Gesellschaft für mikrofluidische Systeme mbH aus Jena. Dieser Schub von Kapital und marktwirtschaftlichem Know-how werde die bisher noch recht wissenschaftslastige Branche mit ihrer Vielzahl kleiner und kleinster, auf meist eng begrenzte Nischenbereiche ausgerichteter Spezialisten schnell fit machen für größere und wirtschaftlich interessante Projekte. Dadurch eröffneten sich neue Perspektiven: Seine auf Fertigungstechnik für Mikrofluidiksysteme aus Kunststoffen spezialisierte Firma habe mit zwei weiteren Partnern unter der Bezeichnung „going micro“ eine Kooperationsvereinbarung geschlossen. Dies ermögliche die Bündelung von Kompetenzen, so dass man Aufgaben im Bereich der Analytik, der Bio- und der Medizintechnik jetzt mit einem breiten Methodenspektrum angehen könne. Bereits nunmehr schwebten einige substantielle Projekte in der Luft, die Mildendo bisher als einzelner Zehn-Mann-Betrieb gar nicht hätte stemmen können. Partner der Kooperation sind die Bartels Mikrotechnik GmbH in Dortmund, die über eine Technologie zur Ultrafeinbearbeitung von Materialien mit Hilfe eines so genannten Excimerlasers verfügt, und die mgt mikroglas technik AG aus Mainz, die sich auf die Erzeugung mikrostrukturierter Systeme aus Glas und Keramik spezialisiert hat.
In der breiten Öffentlichkeit wurde die Bedeutung der Mikrotechnologien bisher nur am Rande wahrgenommen. Wenn in der Presse von spektakulären Durchbrüchen wie DNA-Tests in Großserie zur Überführung von Sexualstraftätern oder dem Nachweis von Drogenmissbrauch bei mehr oder weniger prominenten Sündern die Rede ist, wird kaum jemals erwähnt, dass solche Erfolge ganz wesentlich der Mikrotechnologie zu verdanken sind. „Besonders im Visier haben wir beispielsweise die Bereiche Medizin, Pharma, Labordiagnostik, Umweltanalytik sowie Bio- und Gentechnologie, häufig auch als ,Life Sciences“ bezeichnet“ weiß Dr. Rolf Dahlbeck, Geschäftsführender Vorstand der Interessengemeinschaft zur Verbreitung von Anwendungen der Mikrostrukturtechniken (IVAM) NRW. Darüber hinaus gibt es ein breites Spektrum möglicher Anwendungen in nahezu allen Bereichen der Industrie, z.B. im Automobil, in der Drucktechnik oder in der Elektronik. Fachleute schätzen den Umsatz der Branche im Jahre 2000 auf bereits 50 Mrd. Dollar, und für die nächsten Jahre wird weiteres stürmisches Wachstum prognostiziert.
Ein anschauliches Beispiel dafür, wie Banken bei der gezielten Förderung solcher Technologien vorgehen, liefert die Micro Mechatronic Technologies (MMT) AG aus Siegen, an der eine deutsche Großbank einen Anteil in zweistelliger prozentualer Höhe hält: „Wir beobachten ständig Patente, die Forschungsergebnisse industrienaher Institute und die neuesten Produktentwicklungen der Mikrotechnologie, und zwar ausschließlich mit Blick auf die Verwertbarkeit für die Industrieproduktion“ erläutert MMT-Vorstand Dipl.-Ing. Willi Hempelmann. Das Leistungsspektrum umfasse nicht nur Entwicklungs- und Produktionsleistungen, sondern auch Analysen der Wettbewerbssituation und der Umsatzaussichten. In diesem Zusammenhang unterstütze man auch Erfolg versprechende Firmenneugründungen z.B. durch Erstellung der kompletten Businessplanung.
Umfassende Starthilfen für neue Firmen der Mikrotechnologie soll auch die neu zu errichtende MST Factory in Dortmund bieten. Auf dem Gelände eines ehemaligen Stahlwerks sollen im Rahmen des „dortmund-project“ im Jahr 2002 Räumlichkeiten und Einrichtungen errichtet werden, die vor allem jungen Firmen der Mikrotechnologie zugute kommen. Bereits in diesem Jahr startet der so genannte Inkubator, der den Gründern Unterstützung durch professionelle technische Infrastruktur, kaufmännische Beratung und Vermittlung von Venture-Kapital zukommen lassen soll. Weitere Stufen sind Hilfe bei der industriellen Entwicklung durch den Aufbau eines erstklassigen Equipments auf dem neuesten Stand der Technik und der Aufbau eines Brain-Trusts mit der Bezeichnung Idea-Lab. Das Idea-Lab wird aus erfahrenen Ingenieuren und Managern bestehen, die jungen Firmen ihr Wissen in Form von Machbarkeitsstudien, Technologiebewertungen, Marktrecherchen und Gutachten zur Verfügung stellen. Die MST Factory ist ein privatwirtschaftliches Gemeinschaftsunternehmen der Dopro-Beteiligungs-GmbH und der IVAM NRW.
„Dass wir als Branche inzwischen ernster genommen werden, kann man auch daran ermessen, dass wir im Rahmen der Hannover Messe erstmals eine eigene Halle bekommen haben und nicht mehr wie früher als ,Anhängsel der Wissenschaft“ in Halle 18 untergebracht wurden“ sagt Dr. Frank Bartels von Bartels Mikrotechnik. Die Branche habe mittlerweile eine Reife erreicht, die in großer Breite eine große Zahl neuer Einsatzgebiete eröffne.
Dies betreffe vor allem auch die erforderlichen Entwicklungsaufwendungen. Diese waren bisher oft so hoch, dass sie sich nur dann rechneten, wenn das betreffende Produkt in wirklich sehr großen Stückzahlen gefertigt wurde. Dementsprechend waren Anwendungen oft auf die Großindustrie beschränkt, der einige externe Spezialisten als Dienstleister zuarbeiteten. Inzwischen entwickle sich eine Brancheninfrastruktur, die es mittelständischen Anbietern ermögliche, Applikationen auch für Anwendungen mit mittleren oder gar kleineren Stückzahlen zu attraktiven finanziellen Konditionen zu konzipieren. Dank der Kooperation „going micro“ trete man am Markt jetzt als Verbund mit durchgängiger Kompetenz vom Design bis zur Serienfertigung auf. „Die Botschaft ist klar: In der Branche schließen sich inzwischen die ersten Betriebe zusammen, um die für industrielle Aufgaben erforderliche Leistungsfähigkeit darzustellen“, bekräftigt F. Bartels. KLAUS VOLLRATH

Ein Beitrag von:

  • Klaus Vollrath

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