Produktion 03.10.2008, 19:37 Uhr

„Am Material sparen und nicht beim Personal“  

VDI nachrichten. Berlin, 2. 10. 08, rus – Um ihre Kosten zu senken, drücken viele Unternehmen zuallererst ihre Personalausgaben. „Effizienter Umgang mit Material zahlt sich für Firmen jedoch stärker aus“, rät BMWi-Staatssekretär Hartmut Schauerte. Mit zusätzlichen Fördermitteln unterstützt das Wirtschaftsministerium deshalb mittelständische Firmen ab 2009 noch mehr beim Aufspüren von Einsparpotenzialen.

Schauerte: Weil das Thema für den Standort Deutschland und für deutsche Unternehmen immens wichtig ist. In Deutschland werden jährlich Materialien im Wert von circa 500 Mrd. € verarbeitet. Davon können Unternehmen Studien zufolge durch effizientere Abläufe und Verfahren etwa 20 % einsparen – also 100 Mrd. € pro Jahr. Materi-aleffizienz ist – wie auch Energieeffizienz und mehr Effizienz bei Produktionsabläufen – zudem Teil eines umfangreichen Effizienzsteigerungsprogrammes des Bundeswirtschaftsministers.

VDI nachrichten: Materialkosten waren für viele Unternehmen schon immer ein hoher Kostenfaktor. Warum plädieren Sie gerade jetzt für mehr Materialeffizienz?

Schauerte: Damit erhöhen Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit – vor allem im internationalen Vergleich.

Ganz besonders am Herzen liegen mir als Mittelstandsbeauftragten der Bundesregierung dabei kleine und mittlere Unternehmen. Von steigenden Rohstoffkosten sind zunächst nämlich weltweit alle Unternehmen betroffen. Wer in dieser Situation am effizientesten mit Materialien umgeht, d. h. aus der geringsten Menge von Rohstoffen die größte Produktmenge erzeugt, erzielt schon allein dadurch einen erheblichen Wettbewerbsvorteil.

VDI nachrichten: Die meisten Unternehmen klagen indes mehr über zu hohe Personalkosten …

Schauerte: Die Diskussion kenne ich aus vielen Gesprächen mit Unternehmern und Verbänden. Sie setzen jedoch aus zwei Gründen an der falschen Stelle an. Erstens belaufen sich die Personalkosten im produzierenden Gewerbe gerade einmal auf durchschnittlich 20 % der Gesamtkosten – auf den Posten Material entfallen jedoch 40 % bis 50 % der Kosten.

Ein zweiter Punkt ist mir aber mindestens genauso wichtig: Wer die Personalkosten reduzieren will, demotiviert damit auch immer seine Mitarbeiter. Mit dem Versuch hingegen, über eine Effizienzsteigerung Geld einzusparen, spornt eine Unternehmerin oder ein Unternehmer seine Mannschaft an, solche Einsparmöglichkeiten zu entdecken. Deswegen ist ein gesparter Effizienz-Euro für die Entwicklung des Unternehmens wichtiger. Er bringt den höheren Ertrag.

VDI nachrichten: Das hört sich wie aus einem betriebswirtschaftlichen Lehrbuch an.

Schauerte: Ich weiß, wovon ich rede, weil ich auch konkrete unternehmerische Erfahrungen sowohl in der Produktion wie auch im Handel mitbringe. Diese Art der Schwerpunktbildung war in jedem Fall sehr erfolgreich.

VDI nachrichten: Wie unterstützen Sie kleine und mittlere Unternehmen dabei, Material einzusparen?

Schauerte: Seit 2006 laufen vom Bundeswirtschaftsministerium zwei Förderprogramme speziell in diesem Bereich. Wir unterstützen über das Programm NeMat finanziell die Gründung von Netzwerken zur Verbesserung der Materialeffizienz. Darin können sich Unternehmen einer Branche, einer Region oder entlang einer Wertschöpfungskette zusammenschließen und gemeinsam neue Einsparmöglichkeiten erkunden.

Wir fördern zudem mit dem Programm VerMat die einzelbetriebliche Beratung. Mit Zuschüssen vom BMWi können Unternehmen über eine Potenzialanalyse ihre Möglichkeiten zum Materialeinsparen erkunden, sich hinsichtlich ihrer Einsparpotenziale bewerten lassen und bekommen Vorschläge für Abhilfemaßnahmen.

Für fachliche Unterstützung bei der Umsetzung der Maßnahmen können die Unternehmen wiederum Zuschüsse erhalten. Für diese Programme haben wir in den vergangenen zwei Jahren jährlich 8 Mio. € zur Verfügung gestellt.

VDI nachrichten: Welche Erfolge wurden durch diese Förderprogramme bereits erzielt?

Schauerte: 350 Erst- und Vertiefungsberatungen bei mittelständischen Unternehmen wurden bereits bezuschusst. Alle Firmen konnten davon stark profitieren.

Ihr durchschnittliches Einsparpotenzial liegt bei 4000 € pro Mitarbeiter und Jahr. Das addiert sich auf jährlich 270 000 € oder – anders gerechnet – auf etwa 2,7 % des Umsatzes.

Die Firmen konnten von den Einsparvorschlägen zudem außergewöhnlich schnell profitieren: 50 % der vorgeschlagenen Maßnahmen ließen sich praktisch ohne Investitionen realisieren. In den vielen anderen Fällen erreichen Unternehmen mit einem Aufwand von nur 50 000 € das Materialeffizienz-Maximum.

VDI nachrichten: Wie zufrieden sind Sie persönlich mit dem Ergebnis?

Schauerte: Ich bin rundum zufrieden damit. Mit jedem von uns eingesetzten Euro wurde in den Unternehmen eine Effizienzsteigerung von durchschnittlich 27 € erzielt. Das ist ein enormer Vorteilsansatz, den wir kaum in einem anderen Förderbereich haben.

VDI nachrichten: Wie geht es weiter?

Schauerte: Das VerMat-Programm war zunächst bis Ende 2008 terminiert. Weil das Programm so gut läuft, führen wir es nicht nur weiter, sondern verbreitern und vertiefen es sogar ab 2009. Wir wollen noch mehr Geld in die Hand nehmen, weil wir kaum an anderer Stelle einen so hohen volkswirtschaftlichen Ertrag sehen. Derzeit sind die entsprechenden Richtlinien in Vorbereitung. Das neue Programm ist dann für fünf Jahre festgelegt.

So planen wir, den Zuschuss bei der Erstberatung von derzeit 10 000 € auf 30 000 € zu erhöhen. Und wir verlängern die geförderte Bearbeitungszeit für die Potenzialanalyse von derzeit vier Wochen auf bis zu zwei Monate. Damit erreichen wir mit diesem Förderprogramm auch die größeren mittelständischen Unternehmen, bei denen eine Analyse oftmals mehrere Hundert Abhilfemaßnahmen umfasst.

VDI nachrichten: Andere Ministerien sind in Sachen Materialeffizienz ebenfalls aktiv – zum Beispiel das Bundesforschungsministerium oder das Bundesumweltministerium. Warum bündeln Sie die verschiedenen Maßnahmen nicht zu einem Gesamtpaket?

Schauerte: In einer Bündelung liegen sicherlich große Vorteile. Wir haben uns jedoch – auch um die Begeisterung in allen Häusern für diese Frage zu wecken und zu erhalten – dafür entschieden, dass jedes Ministerium in seinem Bereich das Effizienzpotenzial hebt. Jeder Minister kümmert sich darum, dass in seinen Förderprogrammen auch das Thema Effizienz einen hohen Stellenwert hat.

VDI nachrichten: Für Unternehmen geht damit aber die Übersichtlichkeit verloren. Sie sehen nicht, dass sie nicht nur Beratung bekommen, sondern auch über ein anderes Förderprogramm neue Technologien zum Materialeinsparen entwickeln können?

Schauerte: Diese unbedingt notwendige Beratungsleistung erbringen wir seit Mitte 2008 in Form einer gemeinsamen Anlaufstelle, der „Förderberatung Forschung und Innovation“. Sie ist im Internet erreichbar. Über einen speziellen Lotsendienst für Unternehmen kommen Firmenchefs zudem unter einer kostenfreien Telefonnummer sofort an Informationen zu allen Förderprogrammen, natürlich auch zur Materialeffizienz. Daneben steht die Deutsche Materialeffizienzagentur den Unternehmen jederzeit mit Rat und Tat zur Seite.

Unternehmerinnen und Unternehmer können sich aber auch persönlich informieren: Wir veranstalten am 16. Oktober 2008 im Konferenzzentrum des Wirtschaftsministeriums eine Effizienzkonferenz, an der auch ich teilnehme. Ziel dieser Konferenz soll sein, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Ende des Tages sagen: „Morgen fange ich an.“ ALFRED PREUSS

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  • Alfred Preuss

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