Produktion 20.01.2006, 18:42 Uhr

Als Standort ein Glücksfall  

VDI nachrichten, Laupheim, 20. 1. 06, moc – Der Ort Laupheim im Landkreis Biberach, nicht weit von Ulm, hat sich in den letzten Jahren zu einem heimlichen Star der Region gewandelt. Durch ein zähe Ansiedlungspolitik konnten fast 2000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden – ein enormer Aufschwung für die 19 000-Seelen-Gemeinde. Weltmarktführer wie Uhlmann und Kässbohrer haben hier ihren Sitz.

Kein Skiurlauber, der ihnen nicht schon begegnet wäre: Sie tauchen auf den Pisten auf, wenn abends die Skilifte abgestellt werden, wie riesige Insekten brummen sie die Hänge hinauf – die PistenBullys. Sie verteilen den Schnee, glätten die Pisten, und wenn es über Nacht geschneit hat, kann man ihr Brummen schon am frühen Morgen hören, lange bevor die Lifte wieder öffnen.

Und während er das hört, wird der eine oder andere Skiurlauber, der sich auf den eisigen Hängen oder beim extensiven Aprés-Ski erkältet hat, eine Halsschmerztablette aus ihrer Blisterpackung drücken.

Was er wohl nicht weiß: PistenBully und die Maschine, die die Tablettenpackung hergestellt hat, stammen mit großer Wahrscheinlichkeit aus Laupheim, einem kleinen Ort, keine 30 km südlich von Ulm.

„Gut 30 % aller Blisterverpackungsmaschinen“, schätzt Rainer-Bernd Köppel, Prokurist von Uhlmann Pac-Systeme GmbH in Laupheim, „sind von Uhlmann. Damit sind wir Weltmarktführer.“

Das ist auch die Kässbohrer Geländefahrzeug AG. „Wir haben“, so Rolf Glessing, Vorstandsmitglied von Kässbohrer, „gut 65 % des Marktes für Pistenfahrzeuge in Europa und über 55 % weltweit.“

Uhlmann verkauft seine Tablettenverpackungsanlagen in alle Welt, sowohl an Pharma-Hersteller, die ihre Tabletten selbst verpacken, wie an Dienstleister, die für Pharmahersteller verpacken und machte mit gut 920 Mitarbeitern im Geschäftsjahr 2004/05 einen Umsatz von 142,8 Mio. €. Der Exportanteil liegt über 88 %.

Für nahezu alles, was sich an Pharmaprodukten in Blisterpackungen verpacken lässt, stellt Uhlmann die Verpackungsmaschinen her. Blisterpackungen sind flache Plastikverpackungen, aus denen jede Pille einzeln herausgedrückt wird. Auch die kleine blaue Pille für den Mann, Viagra, wird seit Beginn ihrer Erfolgsgeschichte mit Maschinen von Uhlmann verpackt.

Auch Kässbohrer verkauft seine PistenBullys in die ganze Welt, sie räumen die Hänge in den Skiorten der amerikanischen Rockies ebenso wie in Japan oder in den Alpen und Pyrenäen. 300 Mitarbeiter hat das Werk in Laupheim, mitsamt seinen Niederlassungen machte das börsennotierte Unternehmen im letzten Geschäftsjahr einen Umsatz von fast 165 Mio. €.

„Das sind schon zwei Vorzeigeunternehmen für unsere Stadt, auf die wir stolz sind“, sagt Hans-Jürgen Fischer, Baudezernent der 19 000-Seelen-Gemeinde Laupheim.

Uhlmann ist schon seit seiner Gründung in den 60er Jahren am Ort, Kässbohrer erst seit 2001. Fischer und Rudolf Schlumberger, für die Wirtschaftsförderung und die Liegenschaften der Stadt verantwortlich, haben Kässbohrer nach zähem Ringen gegen 30 weitere Standortvorschläge nach Laupheim holen können.

Doch Kässbohrer und Uhlmann sind nicht die einzigen Hightech-Unternehmen am Ort. Das größte ist Airbus, das von 1995 bis heute von 650 auf gut 1200 Mitarbeiter angewachsen ist. Airbus fertigt in Laupheim das Interieur von Flugzeugkabinen, darunter auch die Kabinen des neuen Airbus A380.

Auch, um Airbus am Standort Laupheim zu halten, „mussten wir schon über einige Schatten springen“, so Fischer. Selbst Straßen wurden umgeleitet, um für neue Airbus-Fertigungshallen Platz zu gewinnen.

Ein anderer großer Hersteller am Ort ist der Medikamenten-Hersteller Rentschler mit 450 Mitarbeitern. Bisweilen werden in Laupheim aber auch schon mal Konvois mit orientalisch anmutenden Gästen gesichtet oder größere Gruppen von Russen. Denn im Ort ist einer der heißesten Auto-Tuner der Republik: Hamann. Der macht aus jedem stinknormalen Lamborghini, Ferrari oder was sonst noch schnell fährt und laut röhrt, ein hunderttausende Euro teures Einzelstück.

So viel Hightech an einem so kleinen Ort – schafft das nicht einen harten Wettbewerb um Ingenieure und Facharbeiter? Immerhin hat der Spezialmaschinenbauer Uhlmann unter seinen 920 Mitarbeitern fast 25 % Ingenieure. „Eigentlich nicht“, sagt Köppel, „die Unternehmen am Ort sind so unterschiedlich aufgestellt, dass wir uns kaum in die Quere kommen.“ Nur in Einzelfällen, etwa bei Service-Spezialisten oder hoch spezialisierten Konstruktionsingenieuren, ergänzt Gert Jaudas, bei Uhlmann für den Firmen-Nachwuchs zuständig, treten schon mal Engpässe auf.

Deshalb pflegen die meisten Unternehmen in Laupheim ihre Kontakte zu dem umliegenden Berufsakademien und Hochschulen, die FH in Ulm und Neu-Ulm, Sigmaringen und Ravensburg-Weingarten. „Dort suchen wir“, so Jaudas, „auch gezielt unseren Nachwuchs.“ Uhlmann und Kässbohrer rekrutieren einen überwiegenden Teil ihrer Mitarbeiter aus dem regionalen Umfeld.

Außerdem bilden die meisten Unternehmen in Laupheim selbst aus, oft kooperieren sie dabei mit anderen Unternehmen am Ort.

Die enge regionale Anbindung hat auch noch andere Vorteile: Die „Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen ist enorm“, sagt Glessing, „die Mitarbeiter sind extrem flexibel.“

Für Kässbohrer ist das überlebenswichtig: Während die Monate Januar bis April eher ruhig sind, wird zwischen Oktober und Dezember schon mal bis zu 50 Stunden in der Woche gearbeitet. Zumal, wenn in den Skiregionen Schnee angesagt ist, brummt bei Kässbohrer das Geschäft.

All die Unternehmen am Ort zu halten oder neue nach Laupheim zu ziehen, war of ein „extremer Kraftakt“, so Fischer. Aber er hat sich gelohnt: In den Jahren von 1999 bis heute wurden in Laupheim knapp 2000 neue Arbeitsplätze geschaffen, 9000 hat die Stadt derzeit insgesamt.

Und alle größeren Unternehmen am Ort wie Uhlmann, Airbus oder Kässbohrer haben in den letzten Jahren bei Umsatz und Mitarbeitern deutlich zugelegt. „Als Stadt“, so Fischer, „haben wir kaum eine andere Chance, als zu versuchen, immer neue Unternehmen nach Laupheim zu ziehen. Dafür tun wir alles.“

Im Gegenzug engagieren sich die Unternehmen auch in der Stadt. Der Laupheimer Unternehmerkreis finanziert eine Logopädin für die Schulen, Airbus will zwei Stellen in der geplanten Kindertagesstätte übernehmen, Uhlmann hat für das lokale Planetarium gespendet, alle sponsern sie das Heimatfest im Sommer.

Das hat seinen Grund. „Der Standort“, so Glessing, „ist für uns ein Glücksfall.“ WOLFGANG MOCK

Von Wolfgang Mock
Von Wolfgang Mock

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