Produktion 11.01.2008, 19:32 Uhr

54-Stunden-Woche prägt Produktion in der Türkei  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 11. 2. 08, ciu – Mitten in der asiatischen Türkei hat die Fahrzeugbranche eine glänzende Perspektive. Auch wenn das Wachstum nicht so wahrgenommen wird wie das in China, so ist eine deutliche Aufbruchstimmung zu spüren. Mercedes-Benz baut dort Lkw und bedient mit dem Werk die drei Kontinente Europa, Asien sowie Afrika.

Etwa 450 km türkische Straße liegen im Rückspiegel seit der Abfahrt vom Flughafen Antalya. Unvermittelt steht irgendwo im Nirgendwo ein großes Schild mit der Aufschrift „Mercedes-Benz“. Dahinter setzt sich die Hochebene von Konya fort. Der Hasan Dagi, ein schon länger inaktiver Vulkan mit 3268 m Gipfelhöhe, taucht auf. Dort, wo einst die Seidenstraße entlang führte, liegt die 200 000-Einwohner-Stadt Aksaray. Mercedes-Benz produziert dort in Sichtweite des „pensionierten Feuerspuckers“ seit 20 Jahren Lkw – bald läuft der 100 000ste vom Band.

Insgesamt 12 300 Lkw und Unimogs fahren mittlerweile jährlich aus den Hallen, vor allem der Axor und der Stadtverteiler Atego, die kleineren Brüder des großen Actros. Die Unimogs gehen unter anderem an das einheimische Militär.

Unter dem türkischen Sichelmond geben sich Orient und Okzident die Hand. Für industrielle Produktionen liegt die Türkei strategisch günstig. Rund die Hälfte der jährlich gefertigten Lkw, etwa 6000, sind für das Gebiet zwischen Kasachstan, Saudi-Arabien, Nordafrika und Westeuropa bestimmt. Insgesamt werden 56 Exportmärkte von dem Werk mitbeliefert.

Das Land selbst fasziniert und polarisiert – sei es mit türkischen Speisen, beeindruckenden Landschaften, sei es die mögliche EU-Aufnahme oder das Verhältnis zu den Kurden. Wirtschaftlich geht es rasant aufwärts. Dennoch: Nahe der Stadt sieht man immer noch viel Handarbeit. Zahlreiche notdürftig gezimmerte Hütten umlagern den Straßenrand. Karren und Pflüge werden mit Muskel- oder Pferdekraft gezogen. Der Stadt hingegen sieht man den durch Mercedes mitgetragenen Fortschritt mittlerweile an.

Die Fahrzeugbauer setzen selbst auf die Aufbruchstimmung in der Türkei. 2007 betrug das reale Wachstum des Bruttoinlandsprodukts 5,3 %. Die Automobilindustrie ist dort inzwischen mit mehr als einer halben Million Arbeitskräften die zweitgrößte Branche. 2004 lag die Türkei in ihrer Wachstumsrate sogar vor China. Doch in den vergangenen 20 Jahren gab es ebenso Einbrüche in der Wachstumskurve.

Auch die Mercedes-Entwicklung bekam das kurzzeitig zu spüren, unter anderem während der großen wirtschaftliche Krise am Bosporus im Jahre 2001. Nichtsdestotrotz steigen nun die wirtschaftlichen Kennzahlen des deutschen Lkw-Produzenten in der Türkei stetig.

Hubertus Troska, verantwortlich für die Marke Mercedes-Benz innerhalb der Daimler Truck Group, spricht von einem Boom. Die Truck Group mit ihren sechs Marken, darunter auch Freightliner, sind die globalen Lkw-Marktführer. In der Türkei wird sie vertreten durch die Mercedes-Benz Türk A. S. in Davutpasa-Istanbul, die neben dem Werk in Aksaray einen weiteren Produktionsstandort für Busse in Hosdere unterhält.

558 117 m² umfasst das Gelände für die Lkw-Produktion, wo die Basis für den Erfolg erwirtschaftet wird. Die beigefarbenen Gebäude liegen inmitten niedrig bewachsener bräunlicher Flächen zwischen der Hochebene von Konya und dem pittoresken Kappadokien. Das Werk bildet eine moderne technische Enklave, Hochtechnologie neben klassischen Pflügen.

Die Fabrik kann in puncto Qualität der Produkte mit ihren deutschen Geschwistern in Wörth und andernorts verglichen werden. Der Automatisierungsgrad hingegen ist viel niedriger, auch aufgrund geringerer Lohnkosten. Wie im Agrarbereich gibt es viel Handarbeit. Obwohl nur rund 10 % des Bruttosozialprodukts dort erarbeitet werden, legen dafür 30 % aller Arbeitskräfte dafür Hand an.

Drei bis vier Tage dauert der Durchlauf eines Lkw. In der Zeit wird an ihm geschweißt, geschraubt, lackiert, getestet, verlegt. Dabei helfen zwei Schweißroboter. Karagöz und Hacivat heißen sie im Werksjargon – von der Belegschaft nach zwei humorvollen Bühnenfiguren getauft.

Insgesamt sind 1350 Mitarbeiter in dem Lkw-Werk beschäftigt. Die Abteilung Qualitätssicherung nimmt eine wichtige Stellung ein. Zurzeit wird sechs Tage die Woche in zwei Schichten mit jeweils 8 h und einer Überstunde gearbeitet, das ergibt eine 54-Stunden-Woche.

Man mag den deutschen Arbeitgeber trotzdem, wahrscheinlich nicht allein aufgrund der sozialen Einrichtungen vor Ort, die Mercedes wichtig sind. Die Ausbildung erfolgt zum Beispiel nach deutschem Standard. Hans-Ulrich Maik, verantwortlich für das Werk, gibt sich zufrieden: „Hoch motiviert und fröhlich“ gehe es im Werk zu.

Die Arbeiterschaft kommt durchwegs weltlich daher. Junge Frauen treten selbstbewusst und modern auf, was man im Zentrum Anatoliens kaum vermutet. An Mohammed und Kopftuch-Fragen erinnert fast ausschließlich der Singsang des Muezzin, der den Sonnenaufgang begleitet, und die unzählbaren Minarette. Eines davon steht unmittelbar neben dem Werk.

BERND-WILFRIED KIEßLER

Ein Beitrag von:

  • Bernd-Wilfried Kießler

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