Optoelektronik 05.11.2004, 18:34 Uhr

„Wir sehen vier Megatrends“

VDI nachrichten – Um wettbewerbsfähig operieren zu können, brauchen Unternehmer Innovationen, die den Megatrends folgen. Wenn man zusätzlich als Unternehmen einen Mix aus Low-cost- und High-Cost-Standorten intelligent manage, könne Beschäftigung in Deutschland, aber auch an den ausländischen Standorten gesichert werden, so Zeiss-Chef Dieter Kurz.

Welche Herausforderung sehen Sie wirtschaftlich auf sich zukommen?
Dieter Kurz: Der globale Wettbewerbsdruck wird in Zukunft mit Sicherheit noch intensiver. Einer der Gründe dafür liegt in den immer kürzer werdenden Produktzyklen. Gegen die wachsende Konkurrenz können wir als Unternehmen wie als Volkswirtschaft nur mit kontinuierlichen, herausragenden Innovationen bestehen. Wenn uns das gelingt, sehe ich aber auch langfristig durchaus Wachstumsmöglichkeiten. Schließlich steckt in jeder Herausforderung auch eine Chance.

Dieter Kurz
ist Vorstandsvorsitzender der Carl Zeiss AG, zugleich Vorstandsmitglied für Halbleitertechnik, Industrielle Messtechnik, strategische Konzernentwicklung, Konzernkommunikation, Konzern-Personalmanagement, Konzernrevision sowie Recht und Patente.
Dieter Kurz wurde am 4. Februar 1948 in Tübingen geboren, studierte bis 1974 Physik an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen, 1979 Promotion zum Dr. rer. nat. auf dem Gebiet Halbleiter-/ und Elektronenstrahltechnik. 1979 Eintritt bei Carl Zeiss. Leitende Position in Entwicklung/Forschung, Marketing/Verkauf und General Management, darunter für zwei Jahre in Nordamerika. Geschäftsbereichsleiter Halbleiteroptik und Unternehmensbereichsleiter Halbleitertechnik. 1999 Mitglied des Vorstands. 2001 Sprecher des Vorstands. Seit September 2004 Vorstandsvorsitzender.
Das Unternehmen Carl Zeiss
Carl Zeiss ist eine weltweit führende internationale Unternehmensgruppe der optischen und opto-elektronischen Industrie. Der Ursprung des Unternehmens liegt im thüringischen Jena, der Hauptsitz der Carl Zeiss AG ist Oberkochen, Baden-Württemberg.

Die Carl Zeiss Gruppe ist in sechs Unternehmensbereiche gegliedert, die als eigenverantwortliche Einheiten geführt werden. In den drei strategischen Märkten Biowissenschaften und Medizintechnik, Systemlösungen für die Industrie und optische Konsumgüter besetzen die Unternehmensbereiche in der Regel die Position eins oder zwei.

Die Bereiche fokussieren sich mit ihren Produkten und Dienstleistungen auf die biomedizinische Forschung und Medizintechnik, auf Systemlösungen für die Halbleiter- und Automobilindustrie sowie den Maschinenbau, als auch auf hochwertige Konsumgüter wie Brillengläser, Photoobjektive und Ferngläser.
Die Unternehmensgruppe ist in mehr als 30 Ländern direkt vertreten und besitzt Produktionsstätten in Europa, Amerika und Asien.

Firma:Carl Zeiss AG
Sitz: Oberkochen
Umsatz: (2003) rund 2 Mrd. €, davon ca. 80% im Ausland erwirtschaftet
F+E-Ausgaben:(2003) 190 Mio. €
Mitarbeiter:14 000

Welche Herausforderungen sehen Sie im technologisch-wissenschaftlichen Bereich auf sich zukommen?
Wir sehen vier Megatrends: Erstens wird die Bedeutung der modernen Biowissenschaften aufgrund der Fortschritte in der Gentechnik weiter steigen. Außerdem sorgt die steigende Lebenserwartung sowie der höhere Lebensstandard in Schwellenländern für eine deutlich wachsende Nachfrage nach Medizintechnik. Zum Dritten sehen wir in der Nanotechnologie großes Potenzial. Konkret gesagt in der Produktion, Korrektur und Qualitätskontrolle von Strukturen im Mikrometer- und Nanometerbereich. Und last but not least sehen wir bereits heute, dass digitale Kommunikationstechnologien einen starken Aufschwung nehmen. Dieser Trend wird noch zunehmen. Optische Technologien erschließen diese Wachstumsmärkte – nicht von ungefähr sprechen viele Experten deshalb vom 21. Jahrhundert als dem Jahrhundert des Photons.

Welche Herausforderung sehen Sie im gesellschaftlichen Bereich auf sich zukommen?
Es muss in Deutschland gelingen, unsere Sozialsysteme zu reformieren. Auch wenn viele es nicht hören wollen: Wir werden unsere Ansprüche an unsere Versorgungssysteme deutlich reduzieren müssen, wenn Arbeit in Deutschland bezahlbar bleiben bzw. wieder werden soll. Die große Herausforderung dabei ist es, den Menschen dieses nahe zu bringen und sie für die notwendigen Einschnitte zu gewinnen.

Wie beeinflussen die EU-Osterweiterung und die Globalisierung Ihr Geschäft?
Wir begrüßen die EU-Osterweiterung, weil wir durch sie zusätzliches Marktpotenzial sehen. Carl Zeiss hat bereits Anfang der Neunzigerjahre eigene Fertigungsstätten zum Beispiel in Ungarn aufgebaut, um die dortigen Standortvorteile zu nutzen. Die dort gemachten positiven Erfahrungen haben sich auch auf globaler Ebene für uns bestätigt.
Wichtig bei der Standortwahl ist, dass wir die richtige Mischung finden. Lohnkosten, Steuern, Arbeitszeiten, Infrastruktur, Ausbildungsniveau und natürlich auch die Nähe zu den Märkten sind Faktoren, die wir sorgfältig abwägen, um für die Carl Zeiss Gruppe die jeweils beste Lösung zu finden.
Wenn wir die richtige Vernetzung für Low-cost- und High-cost-Standorte haben, können Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung in Deutschland und auch an anderen Standorten gesichert werden.

Haben Sie bereits wegen Fachkräftemangel, wie er von Verbänden immer wieder erwähnt wird, Entwicklungen nicht oder nur verzögert in Deutschland durchführen können?
Dank der hohen Bekanntheit der Marke Zeiss und unserer guten Reputation als Arbeitgeber ist es uns bisher meist gelungen, die erforderlichen qualifizierten Nachwuchskräfte zu gewinnen. Für mittelständische Unternehmen sieht das aber teilweise durchaus anders aus. Hier rächt sich, dass insbesondere die Naturwissenschaften lange Zeit in der Öffentlichkeit zu negativ gesehen wurden. Eine gewisse Trendwende ist aber bereits eingetreten.

Wie wichtig sind Markennamen für einen Produkterfolg?
Die Stärke der Marke ist wichtig. In Zeiten schneller Produktfolgen und härter werdenden Wettbewerbs bedeuten starke Marken einen enormen Wettbewerbsvorteil. Sie geben dem Kunden die notwendige Sicherheit bei seiner Kaufentscheidung.

Kommt es immer weniger darauf an, wie man etwas macht, sondern dass man es vor dem Wettbewerber macht, den Markttrend setzt?
Time is money. Das gilt in unserer von immer kürzeren Produktzyklen geprägten Welt mehr denn je. Im Bereich der Halbleitertechnik gelingt es uns z.B. seit Jahren einen Innovationsvorsprung zu verteidigen. Dabei geht es oft nur um wenige Monate, aber das ist entscheidend. Denn derjenige, der eine neue Produktgeneration als erster auf den Markt bringt, erwirtschaftet auch in der Regel die besten Margen. Natürlich muss dabei trotz hoher Entwicklungsgeschwindigkeit immer auch die Qualität stimmen.

Ist kurzfristiges Share-Holder-Value-Denken das Ende von Traditions- und Technologiefirmen?
Keiner kann anspruchsvolle Technologien entwickeln, wenn er zu kurz springt und nicht immer wieder für den zukünftigen Geschäftserfolg auch langfristig sorgt. Die Balance zwischen kurz- und langfristigem Denken ist also wichtig und macht aus meiner Sicht kluges Unternehmertum aus. Als nicht börsennotiertes Unternehmen haben wir es in diesem Punkt oft leichter.

Würden Sie noch einmal den gleichen Ausbildungsweg gehen wollen?
Ja, denn die Physik ist aus meiner Sicht eine hervorragende Ausgangsbasis für eine spätere Tätigkeit im Management. Sie schult exaktes Arbeiten mit komplexen Themen, verlangt eine schnelle Auffassungsgabe, aber auch die notwendige Kreativität, die man später im Beruf in vielen Situationen braucht.

Fachkenntnisse sind gut für Konstrukteure und Forscher, aber wer ein Unternehmen an die Weltspitze bringen will, braucht mehr Qualifikationen?
Natürlich braucht man zusätzliches Wissen, z.B. aus der Betriebswirtschaft. Man muss verstehen, wie Menschen motiviert und wie Teams mit gemeinsamen Zielen zu Höchstleistungen kommen. Man muss offen für Neues sein, lebenslang dazulernen wollen und bereit sein Verantwortung zu tragen – auch bei unpopulären Entscheidungen.

Serie wird fortgesetzt

 

Ein Beitrag von:

  • Rudolf Schulze

    Chefredakteur VDI nachrichten. Fachthemen: Elektronik, Politik, IT.

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