Sensoren für mehr Sicherheit 23.09.2013, 14:08 Uhr

Unfallschwerpunkt Kreuzung soll mit Hightech sicherer werden

„Ich sehe was, was du nicht siehst“, sagt das Auto und warnt vor dem Sprinter, der von rechts kommt, aber noch gar nicht zu sehen ist. Ein großer Forschungsverbund aus 17 beteiligten Partnern hat jetzt die Technik für die „intelligente Kreuzung“ vorgestellt: Eine Kreuzung, die mit den Autos kommuniziert, die sich ihr nähern.

Das die neue Sensortechnik, der derzeit 17 Partner entwickeln, soll vor allem die Verkehrssicherheit an unübersichtlichen Kreuzungen verbessern.

Das die neue Sensortechnik, der derzeit 17 Partner entwickeln, soll vor allem die Verkehrssicherheit an unübersichtlichen Kreuzungen verbessern.

Foto: BMW

Immer wieder kracht es auf Deutschlands Straßen. Und am häufigsten kracht es auf Kreuzungen: Laut Statistischem Bundesamt passieren dort rund ein Drittel aller Verkehrsunfälle. Die wohl sicherste Kreuzung Deutschlands befand sich vor ein paar Tagen in der unterfränkischen Stadt Aschaffenburg. Dort haben Wissenschaftler der Forschungsinitiative „Kooperative Sensorik und kooperative Perzeption für die Sicherheit im Straßenverkehr“ (Ko-FAS) am 18. und 19. September ihre Vision einer wirklich sicheren Kreuzung der Öffentlichkeit präsentiert.

Es handelt sich bei Ko-FAS um eine gemeinsame Forschungsinitiative deutscher Automobilhersteller, Fahrzeugzulieferer, Universitäten, Hochschulen sowie Instituten von Forschungsgesellschaften aus ganz Deutschland. Es sind 17 Partner, die seit September 2009 an einem Ziel arbeiten: Neuartige elektronische Assistenzsysteme auf Basis von kooperativen Technologien sollen es ermöglichen, potenzielle Gefahrensituationen künftig schon so rechtzeitig zu erkennen, dass sie den Fahrer noch warnen können.

Warnung vor Autos, Radler und Fußgängern, die verdeckt sind

Kreuzungen sind Unfallschwerpunkte, weil es oft am freien Blickfeld mangelt: Autos parken, Häuser, Werbetafeln und Straßengrün beeinträchtigen die Sicht. Abhilfe sollen kooperative Technologien schaffen: Zusätzlich zur Sensorausstattung in den Fahrzeugen erhalten auch Kreuzungen Lasersensoren und Kameras, die zum Beispiel an Ampeln und Laternenmasten befestigt werden können. Die aus den verschiedenen Perspektiven aufgenommenen Daten werden an Fahrzeuge übermittelt und an Bord zu einem Gesamtbild zusammengefügt.

Forscher um Prof. Klaus Dietmayer (3.v.l.) haben in Fahrdemonstrationen bewiesen: Die „intelligente Kreuzung“ ist keine ferne Zukunftsvision.

Forscher um Prof. Klaus Dietmayer (3.v.l.) haben in Fahrdemonstrationen bewiesen: Die „intelligente Kreuzung“ ist keine ferne Zukunftsvision.

Foto: Universität Ulm

„So kann der Fahrer vor schwierigen Konstellation gewarnt werden, die er aufgrund von Unaufmerksamkeit oder Sichtbehinderungen noch gar nicht erkennt“, erklärt Professor Klaus Dietmayer, Teilprojektleiter für die Kreuzungsperzeption und Direktor des Instituts für Mess-, Regel- und Miktrotechnik an der Universität Ulm. „Man gewinnt wertvolle Zeit für eine angemessene Reaktion. Gefährliche Situationen, zum Beispiel Notbremsungen, werden vermieden“, schildert Dietmayer. Alle Beteiligten erhalten ein umfassendes Bild der Situation und können entsprechend reagieren. “

Mithilfe der Situationsanalyse, die die Daimler AG beigesteuert hat, werden darüber hinaus die aktuelle Konstellation an der Kreuzung sowie Handlungsoptionen der Verkehrsteilnehmer untersucht und in ihrer Wahrscheinlichkeit bewertet.

Oberstes Prinzip heißt „Sicherheit für Alle“

Ziel der Forschungsanstrengungen ist nicht nur die Vermeidung von Unfällen zweier Kraftfahrzeuge. Auch die Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern soll mittels aktiver Transpondertechnologie verbessert werden. So kann die Technik Fußgänger und Radfahrer eindeutig als solche klassifizieren und deren Bewegungen anonymisiert verfolgen. Damit ermöglicht das System eine optimale Risikoabschätzung und passende Eingriffsstrategien ohne Fehlauslösungen. Auch für kritische Situationen zwischen Fahrzeugen kann diese Technologie eingesetzt werden, indem mit Transpondern versehene Fahrzeuge von Verkehrspartner geortet und deren Position und Bewegungsrichtung berechnet wird.

Das Ganze kann nur dann in der Wirklichkeit funktionieren, wenn die fahrspurgenaue Information zur Position des eigenen Fahrzeugs bekannt ist. Denn nur wenn das eigene Fahrzeug weiß, wann genau es sich wo befindet, kann es die kommunizierte Information dazu nutzen, diese mit der Umfelderfassung zu kombinieren. Auf Basis der jeweils lokal ermittelten Information kann ein Gesamtbild der Verkehrssituation erstellt werden. Damit können dann die Positionen und Bewegungsrichtungen aller erfassten Verkehrsteilnehmen für die unmittelbare Zukunft voraus berechnet werden.

Mögliche Kollisionen können ermittelt und mit Wahrscheinlichkeiten belegt werden. Diese Kombination generiert eine gemeinsame Wahrnehmung der aktuellen Verkehrssituation. Präventive Sicherheitssysteme, die mit dieser gemeinsamen Wahrnehmung ausgestattet sind, können durch Fahrempfehlung oder gar durch aktive Eingriffe viel zur Unfallvermeidung beitragen.

Wissen soll geteilt werden und für alle da sei

Es ist geplant, dieses „Wissen“ zu teilen und allen zur Verfügung zu stellen. Auch Fahrzeuge, die „nur“ über Kommunikationssysteme wie das Internet verfügen, sollen vom Gesamtbild der Verkehrssituation. So sollen auch Fahrzeuge aus dem unteren Preissegment mittels Kommunikation mit der Kreuzung oder anderen Fahrzeugen über kritische Verkehrssituationen informiert werden.

„Zielsetzung ist, dass auch Fahrer anderer Fahrzeughersteller und möglichst alle Baureihen von einer vollständigen Umfelderkennung profitieren“, sagt Dr. Martin Fritzsche, der bei der Daimler AG in Ulm die Projekte zur sensorgestützten Umfelderkennung und Sensorfusion koordiniert und leitet. „Daher arbeiten wir im Rahmen des Projekts KoFAS an Technologien, bei denen die Informationen, die unsere Fahrzeuge bezüglich ihres Umfeld ermitteln, nicht nur uns einen Nutzen liefern, sondern als Beitrag zur Leitvision „Sicherheit für alle“ auch anderen Verkehrsteilnehmern zu Gute kommen.“

Das Forschungsprojekt wird insgesamt mit 23,6 Millionen Euro gefördert. 14,9 Millionen Euro steuert das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie bei, die restlichen Mittel kamen von den Industriepartnern wie BMW, Daimler und Continental. Die Kooperation war eines der größten Kooperationsprojekte zur automobilen Sicherheit.

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