Fertigung 17.03.2000, 17:24 Uhr

Strahlend in die Laser-Zukunft

Auf dem Feld der Lasertechnik spielt der Maschinenbau in Deutschland auf Weltniveau. Ein Gespräch mit dem Experten Dr. WolIermann-Windgasse über Technik-Entwicklungen und Berufs-Chancen.

VDI nachrichten: Wo liegt Deutschland auf dem Feld der Lasertechnik im internationalen Vergleich?
Wollermann-Windgasse: Deutschland und Europa spielen die Hauptrolle. Wenn Sie die reinen Laser- oder Strahlquellen nehmen, produziert Deutschland 40 % der Laser für die Fertigungstechnik, wenn Sie die Systeme und Anlagen nehmen, sind es etwa 30 % der Weltproduktion. Das Umsatzvolumen hat sich stärker entwickelt als im Maschinenbau insgesamt. Der Grund: Das Werkzeug „Licht“ kann immer mehr Dinge bewerkstelligen.
VDI nachrichten: Welche Dinge sind das?
Wollermann-Windgasse: Das Schneiden mit Laser, dann, als weitere Aufgabe, das Schweißen. Da stehen wir erst am Anfang der Entwicklung des Marktes. Wir dringen von der Fertigungstechnik auch immer mehr in den Automobilbereich ein. Das Spektrum der Branchen, in denen Laser in der Fertigung eingesetzt werden, ist groß: natürlich der Maschinenbau und die Stahlindustrie, aber auch die Verpackungs-, Druck- und Elektronikindustrie.
VDI nachrichten: Welche technologischen Neuerungen sind zu erwarten?
Wollermann-Windgasse: Die Lasertechnik wird in der Mikrobearbeitung eine entscheidende Schlüsselrolle in der industriellen Fertigung spielen. Zur Diskussion steht auch der Einsatz von Lasertechnik beim Rapid Prototyping, d.h. bei dem Verfahren, flexibel numerisch gesteuert und unterstützt Prototyp-Teile oder kleine Muster herzustellen. Auch Rapid Tooling, die schnelle und flexible Herstellung von Werkzeugen mit Laser, bietet Möglichkeiten. Das spielt im Gesamtvolumen noch eine kleine Rolle, man muss die Entwicklung abwarten.
VDI nachrichten: Erfordert die Lasertechnik eine veränderte Ingenieur-Ausbildung?
Wollermann-Windgasse: Eine klassische Maschinenbauausbildung reicht meist nicht, es sind Kenntnisse auch aus anderen technisch-physikalischen Disziplinen gefragt, wie Elektrotechnik, Steuerungstechnik, Optik oder sonstige Gebiete der angewandten Physik. Wir haben beispielsweise bei Trumpf Mitarbeiter, die Maschinenbau studiert und dann an einem Lasertechnik-Institut ihr Diplom oder ihre Dissertation gemacht haben. Die Kombinationen aus verschiedenen Fachrichtungen sind sehr gefragt.
VDI nachrichten: Wie viele Ingenieure sind in der Lasertechnik beschäftigt?
Wollermann-Windgasse: Wie viele Ingenieure in der Branche arbeiten, ist schwer zu sagen. Die Unternehmen im VDMA beschäftigen in Deutschland insgesamt mehr als 3000 Mitarbeiter, etwa knapp 10 % davon werden Ingenieure oder Naturwissenschaftler sein. Der Bereich der Lasertechnik ist für die Studierenden hochgradig interessant. Wir haben momentan durchaus Möglichkeiten, den Bedarf zu decken.
VDI nachrichten: Welchen Stellenwert hat die Teamarbeit?
Wollermann-Windgasse: Die Arbeit in Entwicklungsteams spielt bei uns eine wesentliche Rolle. Die Absolventen fragen das von sich aus auch an. Sie haben bereits im Studium gemerkt, dass sie nicht alle Details, die im Laufe einer Entwicklungstätigkeit auf sie zukommen, beherrschen und sie sich spezialisieren müssen. CLAUDIA HANTROP Aus der Vogelperspektive: Die Stellfläche des Resonators eines CO2-Hochleistungs-Industrielasers mit 6000 Watt beträgt nur 1 m2.

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