Glasklare Sache 23.05.2003, 18:25 Uhr

Schrittmacher für andere Märkte

Der Konzern Carl Zeiss gehört zu den attraktiven Arbeitgebern für Ingenieure und Naturwissenschaftler. In verschiedenen Bereichen der Optischen Technologien spielt er in der Champions-League, in der Halbleitertechnik hat er den ersten Preis gegen die starke asiatische Konkurrenz schon gewonnen.

Das kleine Städtchen Oberkochen zwischen Stuttgart und Ulm in Baden-Württemberg wirkt mit den Ein- und Mehrfamilienhäuschen eher beschaulich. Doch hinter den Mauern des mitten in der Stadt thronenden Carl Zeiss Konzerns stehen alle Zeichen auf Innovationen, die Einfluss auf den Weltmarkt haben. Erst Ende 2001 wurde hier laut Pressesprecher Marc Cyrus Vogel für die 100-prozentige Tochtergesellschaft Carl Zeiss SMT AG („Semiconductor Manufacturing Technologies”) etwas abseits von der City die „modernste Fabrik für Lithographieoptik” errichtet.
Die SMT vereint alle Funktionen und Kapazitäten für Entwicklung und Produktion von optischen Beleuchtungs- und Projektionssystemen für die Chipherstellung. Zusammen mit ASML, einem niederländischen Hersteller von Produktionsmaschinen für Halbleiterchips (Waferstepper), wurden Kassenschlager entwickelt: Lithografiesysteme für 248-Nanometer (nm)-Belichtungswellenlänge, in der Klasse der 193-nm-Systeme für die Chip-Produktion höherer Auflösung hält Carl Zeiss mit Optiken im Geschäftsjahr 01/02 einen Anteil am Weltmarkt von rund 60 %. Ein Rundgang durch die Fabrik verdeutlicht, wie viel Know-how und Hightech nötig sind, um diese Position zu erlangen. „Es gehört sehr viel technologische Kompetenz, Erfahrung und auch Gefühl dazu, um diese Objektive herzustellen”, erklärt auch der Physiker Dr. Siegfried Wahl, Mitarbeiter im Entwicklungslabor bei SMT, dem die Faszination für seinen Beruf deutlich anzumerken ist. In dem neuen Komplex wird auch an der nächsten Lithografiegeneration (157 nm) sowie am Spiegelsystem für die Extreme Ultra Violet (EUV)-Lithografie getüftelt. Zurzeit entsteht ein Sechs-Spiegel-System mit großem Bildfeld. Ein solches System wäre dann für die Serienproduktion von Mikrochips der übernächsten Generation geeignet.
Die EUV-Lithografie wird nach Ansicht von Dr. Dieter Kurz, Sprecher des Carl Zeiss Vorstands sowie Vorstandsmitglied für Personalmanagement, die Rechengeschwindigkeit der Prozessoren und das Speichervolumen revolutionieren und die Halbleiterindustrie vor enorme technologische Herausforderungen stellen. Der Übergang zur EUV-Lithografie mit der Reduzierung der Wellenlänge (von 157 nm auf 13,5 nm) stellt aber eben auch eine Reihe von neuen Anforderungen an das optische System, um Strukturgrößen von 50 nm und weit darunter zu erreichen. Dazu werden sehr komplizierte Oberflächen benötigt, beispielsweise Asphären, also Flächen, die nicht rein kugelförmig sind und die mehrere Krümmungsradien aufweisen – eine Carl Zeiss-Spezialität. Ingenieur Alexander Schick, Leiter der Asphärenherstellung, erklärt, dass die Unebenheiten auf der Oberfläche nicht mehr als 0,2 nm betragen dürfen. Und liefert dann mit einem leicht spitzbübischen Lächeln sofort einen beeindruckenden Vergleich: „Das entspricht einem “Berg“ von 2 mm Höhe auf der Fläche Deutschlands.” Wie Carl Zeiss das schafft? Betriebsgeheimnis natürlich: Spezielle Flüssigkeiten und Lösungen, spezielle Maschinen, spezielle Messtechniken, „spezielle” Menschen.
Dass es jeder Menge heller Köpfe bedarf, um solche Prozesse zu entwickeln, liegt auf der Hand. Und die Carl Zeiss SMT AG ist nur ein Teil der Carl Zeiss Gruppe (siehe Kasten), die eine bewegte Geschichte hinter sich hat: 1846 von Carl Zeiss in Jena gegründet, 1891 macht Ernst Abbe die von ihm ins Leben gerufene Carl-Zeiss-Stiftung zur alleinigen Eigentümerin, dabei ist es geblieben. Mit der Teilung Deutschlands waren zwei Firmen entstanden: VEB Jena und Carl Zeiss in Oberkochen, die häufig Prozesse gegeneinander führten. Nach der Wiedervereinigung gründete Carl Zeiss Oberkochen die Tochtergesellschaft Carl Zeiss Jena GmbH, in die das Kerngeschäft aus dem ehemaligen VEB eingebracht wurde. Zurzeit sind weltweit über 14 500 Mitarbeiter für den Konzern tätig, davon über 10 000 an den Standorten in Deutschland. 1 200 davon sind Ingenieure und es sollen noch mehr werden. „Natürlich spüren aber auch wir die wirtschaftlich schlechte Lage”, sagt Kurz. Noch vor wenigen Monaten lag die Bedarfsprognose für die kommenden Monate bei 200, jetzt werden nur etwa 16 Ingenieure gesucht, vor allem aus den Fachrichtungen Konstruktion und Mechatronik. Wer sich für Carl Zeiss entscheidet, wird nicht mit überdimensionierten Gehaltsangeboten rechnen dürfen. „Wir zahlen branchenüblich, bieten aber ein tolles Gesamtpackage, dazu zählt eine vorbildliche Sozial- und Altersversorgung”, betont Kurz. Zudem stehe Carl Zeiss für Innovationen und hohe Investitionen in dem Bereich Forschung und Entwicklung. „Wir erzielen 42 % unseres Umsatzes mit Produkten, die jünger sind als drei Jahre”, sagt Kurz. Und es hat ja auch etwas Faszinierendes, dass eine „alte” Industrie Schrittmacher für die neuen Zweige ist.
Mitbringen sollten die potenziellen Kandidaten selbstverständlich ein umfangreiches Know-how, betriebswirtschaftliches und unternehmerisches Verständnis inklusive, um den Firmenslogan „We make it visible” umzusetzen. Bei der Carl Zeiss Gruppe gibt es neben der Führungslaufbahn auch die Fachlaufbahn, die es Talenten mit Spezialkenntnissen ermöglicht, ebenfalls auf der Karriereleiter aufzusteigen und auf dem gleichen Gehaltsniveau zu arbeiten. „Manchmal ist es falsch, den Top-Fachmann auf die Führungslaufbahn hinüberbringen zu wollen”, sagt Kurz. Wer als Berufseinsteiger gern schnell einen Auslandsaufenthalt anstrebt, habe bei Carl Zeiss gute Karten, verspricht Kurz. C. HANTROP

Carl Zeiss in Kürze
Fantastische Zeiten für das Photon
Carl Zeiss, da denkt jeder sofort an Brillen, Planetarien und Mikroskope. Der Konzern hat aber noch mehr zu bieten. Im Geschäftsjahr 2001/2002 (30. September 2002) erzielte der Carl-Zeiss-Konzern einen Rekordumsatz in Höhe von 2,257 Mrd. ‹ in den Geschäftsfeldern Halbleitertechnik, optisch elektronische Systeme (beispielsweise Kameraobjektive), Mikroskopie und chirurgische Geräte, Markenoptik sowie augenheilkundliche (ophthalmologische) Geräte sowie im Geschäftsfeld industrielle Messtechnik. 8,2 % des Umsatzes wurde in die Forschung und Entwicklung gesteckt. In den Unternehmensbereichen besetzt der Konzern in den jeweiligen Märkten nach eigenen Angaben die Positionen eins oder zwei. cha

 

Ein Beitrag von:

  • Claudia Burger

    Claudia Burger

    Redakteurin VDI nachrichten
    Fachthemen: Karriere, Management, Arbeitsmarkt, Bildung, Gesellschaft, Arbeitsrecht

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