Lichtkunst aus Japan 01.09.2014, 08:26 Uhr

Projiziertes Make-Up folgt Bewegungen des Gesichts

Was sich der japanische Künstler Nobumichi Asai hat einfallen lassen, wirkt faszinierend und ein klein wenig unheimlich: Er projiziert ein virtuelles Make-up auf ein Gesicht, das den Bewegungen des Kopfes folgt. Das Gesicht eines Models wird so kurzerhand zum neonfarbenen Roboter.

Das Gesicht dieses Modells ist in Wirklichkeit ungeschminkt. Das Make-up des Künstlers Nobumichi Asai ist projiziert und folgt den Bewegungen des Gesichts.

Das Gesicht dieses Modells ist in Wirklichkeit ungeschminkt. Das Make-up des Künstlers Nobumichi Asai ist projiziert und folgt den Bewegungen des Gesichts.

Foto: Nobumichi Asai

Omote – auf japanisch Oberfläche – ist eine in Japan entwickelte Technik, mit der sich erstmals ein digitales Make-up auf ein menschliches Gesicht projizieren lässt. Es handelt sich um eine Kombination der Techniken Face Tracking und Projection Mapping. Die Projektionen passen sich dabei in Echtzeit den Kopfbewegungen des Modells an. 

Omote ist das Ergebnis einer Kollaboration des Künstlers Nobumichi Asai und japanischen Grafikdesignern und Make-Up-Künstlern. Das Team hat das Projection Mapping, das üblicherweise an Gebäudefassaden eingesetzt wird, mit einem Laserscanner kombiniert. Ein Computer erstellt über ins Gesicht geklebte Tracking-Punkte ein bewegliches 3D-Modell des Gesichts und kann somit die Projektion anpassen. Dreht das Model den Kopf nach links, folgt das Make-up.

Auch unheimliche Projektionen sind möglich

Projizieren lassen sich nicht nur Make-ups, sondern verschiedenste Formen in allen denkbaren Farben. Und das mag auf Zuschauer des Unternehmensvideos unheimlich wirken: So verwandelt sich das Gesicht des Models kurzerhand in einen neonfarbenen Roboter, danach in ein Gesicht aus Chrom. Bislang funktioniert die Projektion allerdings nur, wenn sich das Modell langsam bewegt.

Hier wird es gruselig: Nobumichi projiziert abstrakte Formen auf das Gesicht des Modells und lässt es wie einen Roboter erscheinen.

Hier wird es gruselig: Nobumichi projiziert abstrakte Formen auf das Gesicht des Modells und lässt es wie einen Roboter erscheinen.

Foto: Nobumichi Asai

Asai, der das Ganze als Kunstprojekt sieht, arbeitet schon seit geraumer Zeit mit Projection Mapping. Der Künstler hat mit dem Autohersteller Subaru und anderen Unternehmen in Japan in der Vergangenheit zusammengearbeitet und Projektion auf Autos, Gebäude und Hafenanlagen installiert. Es handelte sich dabei im Wesentlichen um Marketing-Gimmicks, angewandt auf unbewegliche Objekte.

Das System scannt das Gesicht des Models und orientiert sich an aufgeklebten Trackingpunkten. Das projizierte Make-up kann dann den Gesichtsbewegungen folgen.

Das System scannt das Gesicht des Models und orientiert sich an aufgeklebten Trackingpunkten. Das projizierte Make-up kann dann den Gesichtsbewegungen folgen.

Foto: Nobumichi Asai

Der praktische Nutzen der neuen Technik ist bislang unklar und hängt stark von der Weiterentwicklung ab. Ob das System beispielsweise dem Gesicht eines Modells auf einem Catwalk folgen kann, ist bislang ungewiss.

Technik könnte in Kosmetik-Boutiquen zum Einsatz kommen

Zukünftige Einsatzmöglichkeiten werden aber beispielsweise in der Kosmetik gesehen: Omote könnte es beispielsweise dem Kunden erlauben, ein Produkt zu testen, ohne es ins Gesicht auftragen zu müssen. Die Anbieter sparten dabei Make-up-Produkte und der Kunde Zeit. Allerdings ist die Technik noch nicht soweit und bislang vor allem noch zu kostspielig.

Von Peter Odrich

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