Jeder sein eigener Kameramann 05.08.2013, 08:24 Uhr

Neue Panoramakamera: Sport und Musik aus mehreren Perspektiven

Eine in Berlin entwickelte Fernsehkamera fängt gleichzeitig Bilder aus zehn Blickwinkeln ein. Sollte sie demnächst in Fußballstadien und Konzertsälen Einzug halten, können die Zuschauer den Blick auf Siegtreffer und Gitarrensolo selbst wählen. Denn die Kamera ist mit einer App oder per PC von jedermann ansteuerbar.

Mit einer neuen Kameratechnik können künftig auch Stadionbesucher per App oder Internetzuschauer am PC solche Szenen aus mehreren Perspektiven anschauen. Dafür hat das Heinrich-Hertz-Institut in Berlin eine neue Kamera mit Rundumperspektive entwickelt.

Mit einer neuen Kameratechnik können künftig auch Stadionbesucher per App oder Internetzuschauer am PC solche Szenen aus mehreren Perspektiven anschauen. Dafür hat das Heinrich-Hertz-Institut in Berlin eine neue Kamera mit Rundumperspektive entwickelt.

Foto: Bayer 04 Leverkusen

Wie das geht, wollen im September die Berliner Philharmoniker demonstrieren. Sie konzertieren unter der neuen OmniCam 360 und übertragen Bild und Ton per  Breitband. Für die Zuschauer und -hörer ist das eine Weltpremiere, denn sie können das Orchester mit Hilfe ihres Smartphones, eines Tablet-PC oder eines Laptops sowie einer speziellen App während des Konzerts aus jedem beliebigen Winkel betrachten und sich visuell auf den Paukisten konzentrieren, wenn der loslegt, oder auf den Ersten Geiger. Sie sind ihre eigenen Kameramänner.

Schwenk von 360 Grad durch Stadion oder den Konzertsaal

Das besondere Erlebnis beschert ihnen eine neuartige Kamera mit der Bezeichnung OmniCam360, die Wissenschaftler des zur Fraunhofer-Gesellschaft gehörenden Heinrich-Hertz-Instituts in Berlin entwickelt haben. Sie ermöglicht einen perfekten Rundumblick, weil sie aus zehn Kameras besteht. Die Zuschauer können die Bilder jeder einzelnen Kamera auswählen und zu einer anderen wechseln, wenn ihnen der Sinn danach steht.

Die neue Panorama-Kamera wiegt nur 15 Kilogramm. Sie kalibriert sich selbst und ist damit unkompliziert einsetzbar.

Die neue Panorama-Kamera wiegt nur 15 Kilogramm. Sie kalibriert sich selbst und ist damit unkompliziert einsetzbar.

Foto: Fraunhofer HHI

Die Bilder der zehn Kameras sind so abgestimmt, dass sie sich um einige Pixel überschneiden. Damit fließen sie nahtlos ineinander, sodass selbst ein Schwenk über 360 Grad möglich ist.

„Wir haben ein Spiegelsystem entwickelt, das die Eintrittspupillen der Kameras in ein gemeinsames Zentrum verlegt«, erklärt Christian Weißig, Projektleiter am Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik. Das leichte Überlappen der Bilder verarbeitet die Software so, dass ein komplettes, lückenloses Komplettbild entsteht.

Neue Kameratechnik: 15 statt 80 Kilogramm

Die OmniCam360 ist Nachfolger einer ähnlichen Kamera, die die Berliner vor einer ganzen Weile fertiggestellt haben. Die wog stolze 80 Kilogramm und benötigte Fachpersonal, das sie aufstellte und von Hand einrichtete, damit sie die Bilder genau so einfing und weiterleitete, wie es erwünscht war. Jedes einzelne Kameraobjektiv musste ausgerichtet und mit den anderen Kameras abgestimmt werden.

Das Nachfolgemodell wiegt nur noch 15 Kilogramm, kann also auch von einem Kameramann mobil eingesetzt werden. Zudem muss das Kamerasystem nur noch hingestellt und mit der Stromversorgung sowie einem Datennetz verbunden  werden. Sie richtet sich selbstständig ein, Experten nennen das kalibrieren. „Durch den optimierten Aufbau ist es uns gelungen, sowohl auf eine aufwändige Kalibrierung verzichten zu können als auch die Baugröße drastisch zu verringern”, sagt Weißig. Während der Vorgänger mehr als kühlschrankgroß war, hat die OmniCam360 das Format einer normalen Fernsehkamera.

Individuelle Ansteuerung jeder einzelnen Kameraperspektive

Die Berliner denken vor allem an den Einsatz bei Fußballspielen und anderen Sportveranstaltungen. Gelungene und fast gelungene Torschüsse, Sprünge oder Überholmanöver zeigt die Regie bei Fernsehübertragungen meist aus unterschiedlichen Perspektiven. Mit der OmniCam360 wird jeder Zuschauer zum Kameramann, der für ihn interessante Passagen aus Perspektiven anschauen kann, auf die die Regie nicht kommt.

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