Beleuchtung 09.04.2010, 18:34 Uhr

Erste LED-Lampen für den Glühbirnen-Austausch  

Für die klassische Glühbirne hat der Ausverkauf bereits angefangen, Energiesparlampen sind zur Zeit das Maß der Dinge. Doch die Zukunft gehört der LED-Lampe, sind sich die Experten einig, die gegenüber den Energiesparlampen noch einmal 35 % weniger Energie verbraucht. Jetzt muss sich allerdings noch der Verbraucher an den höheren Preis gewöhnen. VDI nachrichten, Hamburg, 9. 4. 10, rok

Der Siebzehnjährige, der sich heute eine neue Lampe für die Deckenleuchte seines Jugendzimmers kauft, wird mit dieser Lichtquelle Abitur machen, mit ihr umziehen in seine Studentenwohngemeinschaft und dann in eine Jungfamilienwohnung, in ihrem Schein seinen ersten Arbeitsvertrag lesen und sein erstes Kind auf dem Arm schaukeln. Erst dann, wenn er 42 Jahre alt ist, muss er die Lampe gegen eine neue tauschen. Die hält dann bis zur Verrentung.

Voraussetzung dafür ist allerdings, dass er – je nach Ausführung – zwischen 20 € und 60 € ausgibt und zu einer LED-Lampe greift, die nach Herstellerangabe tatsächlich 25 Jahre halten soll. Er erwirbt damit nicht nur ein besonders haltbares und energieeffizientes Produkt, sondern nimmt auch teil an dem, was die Beleuchtungsindustrie einen „epochalen Sprung“ oder gleich eine „Revolution“ nennt. Dabei soll die LED-Technik nicht nur endgültig den beliebten Glühbirnen, sondern mittelfristig auch den heute gängigen Energiesparlampen den Garaus machen. Manche Experten aus der Beleuchtungsbranche sprechen von den Energiesparlampen schon als eine Art Brückentechnologie, die allenfalls bis 2015 aktuell bleibt. „LED ist die Zukunft, nicht die Energiesparlampe“, sagt beispielsweise der Lichtdesigner Tobias Grau.

Noch ist es aber nicht so weit. Wenn LED die Lichtquelle der Zukunft sein soll, muss sie zuerst einmal hinaus aus den Nischenanwendungen und hinein in die Allgemeinbeleuchtung. Auch Lichtkünstler wie Grau erwarten den Durchbruch der LED im privaten Bereich, denken dabei aber wohl eher an designorientierte Lichtlösungen, die noch stark in der Akzentbeleuchtung verankert sind.

Die Industrie hat aber mittlerweile den Weg zum Volumenmarkt der Allgemeinbeleuchtung beschritten. Einer der größten Chiphersteller für LED, die Zumtobel AG, bietet über die neue Tochter Ledon erste Lampen an – die Platzhirsche in der Beleuchtungsindustrie wie Osram und Philips sowieso. Das sind birnenförmige Leuchtkörper mit Standardsockeln wie E27 oder B22, die bis auf geringe Abweichungen aussehen wie die vertrauten Glühbirnen.

Von diesen sind sie aber rund 130 Jahre Technikgeschichte entfernt. Das Prinzip der Glühbirne ist einfach, die Umsetzung billig: In einem Vakuum erhitzt der Strom einen Wolframfaden bis zum alles erhellenden Glühen. LED ist sozusagen die digitale Schwester: Die Abkürzung steht für Light Emitting Diode, also eine Leuchtdiode. Sie besteht aus einem Halbleiterkristall, der Photonen aussendet, wenn eine Spannung angelegt wird – quasi eine Solarzelle mit umgedrehter Funktion. Geglüht wird nichts mehr, somit wird auch der größte Anteil des Stroms nicht mehr in Wärme verwandelt wie bei der Glühbirne.

Das heißt nicht, dass eine LED nicht heiß wird. Im hinteren Teil der Lampe entstehen Temperaturen zwischen 60o C und 100o C, die die Lebensdauer der LED deutlich begrenzen und darum schnell abgeführt werden müssen. Die Kühlung der Lampe war lange Zeit ein Problem, das den allgemeinen Einsatz behinderte. Designlampen für Akzentbeleuchtungen können die passive oder sogar die aktive Kühlung des Leuchtkörpers im Design verstecken. LED-Lampen, die mit Schraubfassung die 60-Watt-Küchenlampe ersetzen sollen, können das nicht. Für sie mussten andere Lösungen gefunden werden, die von außen als Lüftungsschlitze über dem Fassungsgewinde zu erkennen ist.

Die Farbe des erzeugten Lichts war das zweite Problem. Sie lässt sich über die Dotierung des Halbleiters steuern, leider konnten aber LED lange Zeit nicht alle Farben des sichtbaren Spektrums darstellen. Auch dieses Problem haben die Entwicklungsingenieure mittlerweile gelöst. Die auf dem Markt befindlichen LED-Lampen für die Allgemeinbeleuchtung senden ein warmweißes Licht mit der Farbtemperatur um 3000 K. „Wir haben das erreicht, indem wir den Chip mit einer bestimmten Phosphormischung beschichten“, sagt Zumtobels-Unternehmenssprecherin Kerstin Schitthelm – Stand der Technik, der Wettbewerb macht es genauso.

Noch in diesem Frühjahr wollen die Hersteller ihr Portfolio an Lampen deutlich erweitern. Kerzen-, Tropfen- und Globusform sollen dazukommen, darüber hinaus die Sockel E 14 und B 15. An dem Erfolg der LED-Lampen im privaten Austauschmarkt mag man kaum zweifeln, weil die Vorteile bestechen. LED-Lampen arbeiten mit 100 % Lichtstrom sofort nach dem Anschalten und halten noch einmal 60 % länger als herkömmliche Energiesparlampen. Schnelle Schaltzyklen mögen weder Glühbirnen noch Energiesparlampen, den LED-Lampen hingegen ist das völlig gleichgültig. 25 Jahre Lebensdauer, gerechnet bei täglich 2,7 h Betrieb, sind ein weiteres Argument. Schließlich sparen die LED-Lampen gegenüber den Energiesparlampen noch einmal 33 % Strom ein.

Es gibt auch Nachteile: So nimmt der Lichtstrom der LED-Lampen mit der Zeit ab. Ein Kaufhemmnis ist immer noch der hohe Preis. Standardglühbirnen waren und sind Cent-Artikel, daran hat sich der Verbraucher gewöhnt. Dass LED-Lampen sich allein über vermiedene Stromkosten relativ schnell amortisieren, muss sich im Verbraucherbewusstsein erst einmal verankern. Die Branche rechnet damit, dass sich innerhalb der nächsten fünf Jahre die Preise für LED-Lampen im Austauschmarkt halbieren. Der Gedanke ist faszinierend: Drei Lampen reichen für ein ganzes Leben. JÖRN IKEN

Von Jörn Iken
Von Jörn Iken

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