Optoelektronik 28.09.2007, 19:30 Uhr

Endkunden an die Glasfaser  

VDI nachrichten, Berlin, 28. 9. 07, swe – Letzte Woche zog die 33., diesmal vom VDE ausgerichtete „European Conference on Optical Communications“ rund 4000 Teilnehmer und 300 Aussteller nach Berlin. Die ECOC gilt als wichtigstes Forum für optische Komponenten, Systeme und Materialien in Europa. Die nach dem Zusammenbruch des Internetbooms gebeutelte Branche berappelt sich. Höhere Bandbreiten gelten als Ausweg, um die Engpässe beim Datentransport zu beheben. Neue Materialien ermöglichen neue Nutzungsszenarien.

Die moderne Kommunikation ist ohne faseroptische Netze nicht mehr möglich“, stellt Klaus Petermann, Professor an der TU Berlin und Programm-Chair der ECOC 07 klar.

Deutlich wird das an einem Trend, der noch Ende August die Internationalen Funkausstellung IFA 2007 in Berlin beherrschte: neue Breitbanddienste für die Endverbraucher, in der Hoffnung auf neue Abnehmer, etwa für das Internetfernsehen IPTV.

Für die Netzbetreiber neigen sich somit die sieben mageren Jahre dem Ende zu. In der Dotcom-Ära wurde kilometerlange Glasfaser verlegt, die dann als „Dark-Fiber“ nach dem Börsencrash ungenutzt im Boden lag. Jetzt wird wieder in die Infrastruktur investiert.

Daher wittern sogar die Hersteller optischer Komponenten, besonders hart gebeutelt durch die Konsolidierung, eine neue Marktdynamik. Helfen soll der Übergang zur Breitbandkommunikation mit Netzen, die 40 Gbit/s (bisher üblich: 10 Gbit/s)übertragen können sollen.

Optische Transportnetze sind somit das Rückgrat – nicht nur des Weitverkehrs, sondern bald auch der Metro-, Lokal- und Hausnetze. Abgegriffene Floskeln wie „Fiber to the Cabinet“ (Glasfaser bis zum Anschlusskasten an der Straßenecke), „Fiber to the Curb“ (zum Hausanschluss) und „Fiber to the Home“ (zu den Endgeräten) stehen wieder hoch im Kurs.

„Nach dem überwältigenden Erfolg von DSL“, sagt Joachim Grallert, Professor am Berliner Heinrich-Hertz-Institut und Chair der ECOC 07, „ist es nur ein Frage der Zeit, wie nahe die Glasfaser dem Endkunden entgegenkommt.“

Als universeller Übertragungsstandard etabliert sich das aus dem Datenverkehr stammende Ethernet – mit Übertragungsraten von bis zu 100 Gbit/s. Vor allem auf Drängen kommerzieller Nutzer, die sich unter dem Stichwort Konvergenz das Umsetzen ihrer Datenströme ersparen wollen.

Die Netzbetreiber halten den Datenverkehr, wo immer es geht, im optischen, also glasfaserbasierten Netz. Jede Umwandlung an der Grenze zwischen Glasfaser- und Kupfernetz kostet Energie. Auf der elektrischen Ebene ist der Leistungsverbrauch stark mit der wachsenden Bandbreite korreliert.

Den Weitverkehrsnetzen komme in Zukunft ohnehin eine neue Bedeutung zu, sagt Andreas Kirstädter von Nokia-Siemens. „Alles, was heute an Front- end-Diensten per Mobilfunk oder Internet angeboten wird, läuft letztlich über den Breitbandtransport.“ Klaus Petermann stimmt ein: „Der Weg zur Basisstation oder zum Router ist höchstens 30 m bis 100 m. Dann kommt die Breitbandkommunikation.“ Die in Deutschland ansässigen Transportnetz-Anbieter seien auf der Höhe der Zeit, sagte Kirstädter. „Wir sind bei 100 Gbit/s ebenso führend wie Nordamerika – vielleicht sogar voraus.“ Wesentlich sei die geschickte Umsetzung von langjährig geförderten Basis- innovationen. „Diese Innovationen finden jetzt ihren Weg in Produkte.“

In Deutschland besteht mit der frühen weiträumigen Faserverkabelung in den 90ern ein „Altlasten“-Problem: „Diese Fasern müssen verwendet werden, obwohl man für bestimmte Systeme gerne andere hätte.“ Also heißt es, entsprechende Modulationsverfahren einzusetzen und zu adaptieren.

Es wird langsam Zeit, den Begriff „Faseroptik“ ohne die einschränkende Vorsilbe „Glas-“ zu denken. Die „polymer-optischen“ Fasern drängen, so Petermann, aus ihren bisherigen Automobilanwendungen in das industrielle Umfeld hinein. Vor allem das robuste Handling ohne die weiten Glasfaser-Biegeradien macht sie attraktiv.

Die photokristallinen Fasern drängen aus den Labors in weitere Felder. Noch zeigen sie relativ hohe Dämpfungswerte von 0,18 dB/km. Ihr Durchbruch, so das Resümee der ECOC 07, kommt erst bei Kostenvorteilen gegenüber Glas. Richtig spannend, so Petermann, wird die faseroptische Kommunikation, wenn es gelingt, den Faserkern durch eine durchgehende Luftstrecke zu ersetzen. Dann dient die Faser nur mehr als Führung.

Ansätze bestehen in „mikrostrukturierten“ Elementen, also mit Löchern, um die optischen Kabel flexibler zu machen. Das verfolgt auch Corning mit einer kürzlich vorgestellten extrem robusten Faser. Sie lässt sich auch in verwinkelten Gebäuden anstandslos um alle Ecken biegen. WERNER SCHULZ

Es wird langsam Zeit, den Begriff „Faseroptik“ ohne die Vorsilbe „Glas-“ zu denken.

  • Werner Schulz

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