Kamera-Technologie N-Visage 27.01.2015, 09:54 Uhr

Ein Roboter kartographiert die Strahlung in Fukushima

Der von einem britischen Start-Up-Unternehmen entwickelte Roboter kann nicht nur schädliche Strahlung orten sondern zeichnet zugleich auch eine 3D-Karte der kontaminierten Standorte.

Eine 3D-Karte im Atomkraftwerk in Fukushima zeigt kontaminierte Standorte. Mit der von Createc entwickelten Kamera-Technologie namens N-Visage sind in dem havarierten Kernkraftwerk bislang in drei Reaktoren damit ausgerüstete Roboter unterwegs.

Eine 3D-Karte im Atomkraftwerk in Fukushima zeigt kontaminierte Standorte. Mit der von Createc entwickelten Kamera-Technologie namens N-Visage sind in dem havarierten Kernkraftwerk bislang in drei Reaktoren damit ausgerüstete Roboter unterwegs.

Foto: Nuclear Decommissioning Authority

Createc, ein kleines auf die elektronische Bildbearbeitung spezialisiertes Unternehmen aus Cumbria, das seine Kamera-Technologie, genannt N-Visage, für Roboter bisher in drei Reaktoren des havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima einsetzt, will diese Technik nun zu einem Hauptsystem zur Identifizierung von Radioaktivität in Fukushima machen. Gemeinsam mit der japanischen Regierung soll zugleich eine Kamera entwickelt werden, die tief in den Reaktorkern vordringen kann. 

Die Roboter liefern dreidimensionale Karten

Tepco, der Betreiber der Reaktoren in Fukushima nutzt derzeit die N-Visage-Technik um die Strahlung innerhalb des besonders schwer beschädigten Reaktors zu orten und auf der Grundlage dessen konkrete Säuberungsaktionen zu planen.

Das Verfahren basiert auf moderner Sensor-Technik und 3D-Computer-Modellierung. Hitachi-GE Nuclear Energy, ein Gemeinschaftsunternehmen von Hitachi und General Electric, das verantwortlich ist für die Aufräumarbeiten in Fukushima, setzt die N-Visage Kameratechnologie in treppensteigenden Robotern und am Boden ein. Dabei wird die Technik in einen Roboterarm integriert, um auf diese Weise schwer zugängliche und derzeit für Menschen nicht begehbare Bereiche tief in den Reaktorgebäuden zu erreichen.

„Bisher wusste man in Fukushima nur sehr wenig darüber was im Inneren der Reaktorgebäude stattfindet. Die ausgesprochen akkuraten 3D-Aufnahmen, die die Strahlungsdichte messen, geben nun besseren Aufschluss darüber, was im Reaktorgebäude vorgeht. Diese Kenntnisse sind ausschlaggebend für die weiteren Aufräumarbeiten“, erklärt Matt Mellor, Managing Director von Createc.  

Einsatz auch in anderen Kernkraftwerken geplant

Bei der N-Visage-Technik von Createc soll es sich nach Angaben der International Nuclear Services (INS) Japan derzeit um die einzige Technik handeln, die aufgrund des Gewichts, der Schnelligkeit und Wendigkeit in einem Umfeld hoher Strahlung unbegrenzt agieren kann. „N-Visage wird nicht nur in Fukushima sondern auch in vielen anderen japanischen Kernkraftwerken Einsatz finden“, erklärt ein Sprecher der INS Japan.

Gemeinsam haben Hitachi und Hitachi-GE Nuclear Energy einen Roboter entwickelt, der selbst durch enge Rohre passt, weil er seine Form verändern kann. 

Gemeinsam haben Hitachi und Hitachi-GE Nuclear Energy einen Roboter entwickelt, der selbst durch enge Rohre passt, weil er seine Form verändern kann. 

Foto: Hitachi

N-Visage wurde erstmals in der britischen Atommüll- und Wiederaufbereitungsanlage Sellafield an der englischen Nordwestküste eingesetzt. Das Unternehmen Sellafield Ltd., weltgrößter Rückbau-Spezialist für Kernanlagen,  gilt als ein Pionier in Bezug auf den Einsatz von Robotern bei der Stilllegung von Nuklearanlagen. Anfang dieses Jahres hat Sellafield auch mit dem Einsatz des fliegenden Roboters „Riser“ begonnen.

Roboter helfen bei Stilllegung von Atomkraftwerken

Die Kerntechnikunternehmen interessieren sich weltweit immer mehr für Roboter auf der Suche nach sicheren, schnellen und kostengünstigen Lösungen bei der Stilllegung von Atomkraftwerken. Bis 2030 soll es sich bei diesen Abbauvorhaben nach jüngsten Schätzungen um ein Geschäft im Wert von rund 326 Milliarden Euro handeln. 

Während Menschen bei der Stilllegung von Atomkraftwerken weiterhin eine wichtige Rolle spielen werden, wird Experten zufolge an den Einsatz einer ganzen Armee von Robotern gedacht, die spezielle Aufgaben erfüllen und die die Risiken für menschliche Arbeitskräfte  reduzieren. Die größte Herausforderung ist dabei, die Menschen vor möglichen extrem hohen Strahlungen zu schützen.

Auf der Suche nach undichten Stellen

Bei den Aufräumarbeiten in Fukushima spielen Roboter eine unentbehrliche Rolle, weil die Arbeiten im Herzen des Kraftwerks wegen der starken Strahlung besonders riskant sind. Mehr als ein Dutzend verschiedener Roboter, die Schutt entfernen, Böden säubern und Videos aufnehmen, sind bereits im Einsatz. In diesem Jahr soll ein winziger von Hitachi entwickelter Roboter seine Arbeit aufnehmen, der sich wie eine Schlange bewegt und zwischen Röhren mit einem Durchmesser von nur zehn Zentimetern klettern kann, um auch kleinste Lecks ausfindig zu machen.

Von Peter Odrich Tags:

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