Mikrosystemtechnik 18.04.2003, 18:24 Uhr

„Wir spüren Aufwind auf dem Markt“

Wenn Firmen den Dienstleister microTEC um Hilfe bei der Fertigung ihrer Produkte bitten, dann verlangt das von den Ingenieuren des Duisburger Dienstleisters größte Flexibilität und Kreativität. Routinearbeiten sind die große Ausnahme.

Das kleinste U-Boot der Welt fährt immer noch. Mit diesem Demonstrationsobjekt machten Reiner Götzen und seine microTEC GmbH vor fünf Jahren die breite Öffentlichkeit mit den Potenzialen der Mikrosystemtechnik bekannt. Und beharrlich arbeitet der 49-jährige Duisburger mit seinem Team daran, die werkzeuglose Serienfertigung von mikrostrukturierten Produkten auf dem Markt durchzusetzen.
Das Jahr hat vielversprechend angefangen. „Wir spüren Aufwind auf dem Markt. So viele Angebote wie im Februar und März gab es noch nie“, berichtet Götzen. Dabei wäre es noch im Herbst schwierig gewesen, denn viele kleine Biotechnologie-Firmen, darunter Kunden der Mikrosystem-Spezialisten, hatten aufgeben müssen.
Die Geschäftsführer Andrea Reinhardt und Reiner Götzen sind überzeugt, dass ihre Firma in den nächsten fünf Jahren wesentlich mehr als den jetzt 22 Mitarbeitern in Duisburg und Bad Dürkheim Arbeit bietet. Aktuell werden in Duisburg Ingenieure in Vertrieb, Mikro- und Nanotechnik, Elektrotechnik, Polymerchemie, Biochemie, Verfahrenstechnik sowie Maschinen- und Gerätebau gesucht.
Und das müssen nicht unbedingt Absolventen des MIT oder der University of California in Berkeley sein, die schon ihre Bewerbungsunterlagen ins Ruhrgebiet schickten. „Wir brauchen keine Mitarbeiter, die zwei, drei Jahre Know-how sammeln und dann wieder woanders hingehen. Wir erwarten echtes Engagement und Flexibilität, denn bei uns gibt es nur wenig Routine“, erklärt Götzen.
Das Team mit mehreren Nationalitäten – die jüngste Mitarbeiterin ist 20 Jahre alt, der älteste 58 – versteht sich als Dienstleister für Auftragsfertigung. Götzen: „Firmen fragen nach, wie sie mit Hilfe unserer Verfahren Produkte schneller entwickeln und produzieren können. Wir stellen die Produkttypen bis zur Serienfertigung her. Materialengineering, Konstruktion, Simulation, die Entwicklung des Prototypen, die Fertigung von Vor- und Großserien: Das sind unsere Aufgaben.“
Beim Start, 1996, galten Bio- und Medizintechnik als besonders wichtige Anwendungsbereiche für das Rapid Micro Product Development (RMPD). Diese Annahme bestätigte sich. Aber mittlerweile werden in der Duisburger Bismarckstraße auch Sensoren verpackt, kleine Schalter und Stecker sowie Mikroelektronik in einzelne Bauteile integriert und mit Nanotechnik intelligente Polymere für Lab-on-Chip-Systeme entwickelt. „RMPD ist immer noch eine neue Technologiefamilie. Wir machen werkzeuglose Produktion. In der Regel ergibt sich für unsere Kunden ein deutlicher Zeitvorteil, weil sie nicht auf die Werkzeugerstellung warten müssen“, konstatiert Reiner Götzen. Die Universitäten würden bezweifeln, dass ein kleines Unternehmen so eine Innovation hervorbringen kann. In den USA und Asien habe man die Vorteile des Verfahrens schneller erkannt.
„Und es ist doch mit allen neuen Technologien so, dass man abwartet, beobachtet und sich nach Jahren fragt: Gibt’s die immer noch“, erklärt der gelernte Elektroingenieur. So hatten Andrea Reinhard und Reiner Götzen bereits 1997 auf der Hannover Messe Unternehmen kontaktiert, die nun erste größere Aufträge vergeben. Trotz dieser mühsamen Aufbauphase mit hohen Investitionen in F&E sei microTEC nie ins Schlingern geraten.
Reiner Götzen bedauert allerdings, vor zwei, drei Jahren noch nicht für den Börsengang bereit gewesen zu sein, denn der inzwischen erfolgte Crash mache es nun sehr schwer, notwendiges Kapital für ein schnelleres Wachstum zu akquirieren. „Eigentlich ist die Börse dazu da, um neuen Technologien einen Push zu geben. Aber das ist jetzt quasi abgeschnitten, so dass wir langsam, Schritt für Schritt, aufbauen müssen.“
Überzeugt vom microTEC-Erfolg ist auch Prokurist Helge Bohlmann. Als ehemaliger Mitarbeiter der „Interessengemeinschaft zur Verbreitung von Anwendungen der Mikrostrukturtechniken“ (IVAM-NRW e.V. ) hat Bohlmann inzwischen die Seiten gewechselt. Sein umfassendes Wissen über den Gesamtmarkt bringt er nun in seine Arbeit als Projektmanager sowie im Marketing und Vertrieb ein. Als spezielle Domäne für seinen neuen Arbeitgeber sieht Bohlmann weiterhin die Medizintechnik, denn dort spiele die Funktionalität der Bauteile eine große Rolle.
„Die Mikrotechnologie wird sich in den nächsten Jahren weiter etablieren, und es wird weitere Mitbewerber geben“, sieht Bohlmann für die Firma und die gesamte Branche gute Wachstumschancen. M. BURAZEROVIC
www.microtec-d.com

microTEC
„Schicht“-Arbeit
Ausgangspunkt für die Gründung von microTEC war das von Reiner Götzen entwickelte Rapid Micro Product Development (RMPD). Bei diesem Verfahren wird die Oberfläche des Werkstoffes nicht abgetragen, bis die gewünschte Form erreicht ist, sondern fluides Material aufgetragen und gezielt Schicht für Schicht mittels UV-Lichts ausgehärtet. Durch schrittweises Überlagern mehrerer ausgehärteter Schichten können dreidimensionale Bauteile beliebiger Komplexität generiert werden. Der große Vorteil ist die somit möglich gewordene werkzeuglose Serienproduktion in einem Schritt, denn mechanische, elektronische und optische Funktionen können ohne Verbindungselemente in einem einzigen Bauteil enthalten sein. Inzwischen sind breit gefächerte Anwendungen Teil innovativer Produkte in den Bereichen Optoelektronik, Sensorik und Medizintechnik. Über 250 Kunststoffe kommen mittlerweile bei microTEC zum Einsatz, falls nötig wird für jede Aufgabe ein neuer Kunststoff entwickelt. M.B.

Von M. Burazerovic

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