Nanotechnologie 12.08.2005, 18:39 Uhr

Wie sicher ist Nano?  

VDI nachrichten, Berlin, 12. 8. 05 – Mit zunehmender Nutzung fragt sich die Fachwelt, wie gesundheitsschädlich oder umweltbelastend Nanopartikel sein können. Ihre Auswirkungen sind nicht genügend erforscht, um darauf zufrieden stellend antworten zu können. Versicherer, Arbeitshygieniker, Umweltschützer mahnen Risikoabschätzungen an, Ergebnisse aber lassen auf sich warten.

Knapp formuliert weiß man wenig über die Gesundheitswirkung dieser Stoffe“, gibt Ulrich Petschow vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) in Berlin zu. Im Tierversuch ergab sich immerhin schon für ein paar Substanzen der Verdacht, dass sie womöglich Krebs erzeugen.

Umweltrisiken aber sind noch gar nicht erforscht. „Es gibt eine Reihe von Befunden, doch die müssen erst noch abgesichert werden“, sagt Marike Kolossa vom Umweltbundesamt (UBA).

Man erwartet von Nanoteilchen, dass sie nicht als Feinstaub in der Luft bleiben. Doch die Eigenschaften der ultrafeinen Werkstoffe sind unberechenbar – eine zuverlässige Vorhersage ist nicht möglich.

„Nano“ ist zum Inbegriff von Innovation geworden. Unternehmen der Chemie-, Elektronik-, Optik- oder Medizinbranche erfinden fast täglich neue Möglichkeiten. Neuerdings kommt auch die Lebensmittelbranche auf den Geschmack.

Metalle werden plötzlich zu Halbleitern oder verändern die Farbe und lichtundurchlässige Keramikteilchen werden durchsichtig. Ihre Winzigkeit könnte sie besonders gefährlich machen, meinen auch Fachleute der ehrwürdigen Royal Society in London. Es sei möglich, dass die Partikel in die Nahrungskette gelangen und Pflanzen sowie Tiere beeinträchtigen.

Dass Nanopartikel krank machen könnten, zeigten Forscher der Universität Rochester/USA. Sie ließen Ratten Nanoteilchen inhalieren und stellten fest, dass die Tiere erhebliche Kreislaufschäden davon trugen. Die Ergebnisse sind unter Toxikologen zwar stark umstritten, weil die Konzentration des Nanostaubs sehr hoch war, dass bei geringeren Belastungen auch Effekte auftreten, ist trotzdem nicht ausgeschlossen.

Ebenfalls an der Uni Rochester entdeckte Eva Oberdörster, dass fußballförmige C60-Moleküle bei Fischen Schädigungen im Gehirn und Probleme im Kiemenbereich hervorrufen. Und die amerikanische Forscherin Vicki Colvin fand heraus, dass sich diese Minifußbälle in Fließgewässern ausbreiten.

„Fragen zur Risikobewertung und zu geeigneten Testmethoden, die uns hier beschäftigen, sind auch für die amerikanische Umweltbehörde EPA noch offen“, weiß Kirsten Märkel vom UBA.

„Die Frage ist, wie wir damit umgehen, dass wir wenig darüber wissen. Die Risiken dürfen nachher nicht zu groß werden“, so Petschow vom IÖW.

Greenpeace sieht sich an das böse Erwachen mit den FCKW erinnert und möchte erst mal auf „Nano-light“ setzen. Sie Umweltschützer plädieren für einen Verzicht bei allen Anwendungen, die Nanoteilchen freisetzen könnten. Die Industrie aber wünscht sich die „Turbo-Version“, denn sie sieht in der neuen Technologie deutliche Vorteile.

Das UBA trägt zurzeit alles zu Risiken und Nebenwirkungen der Nanopartikel zusammen. „Wir wollen wissen, welche Risiken den Chancen gegenüberstehen“, erklärt die Toxikologin Kolossa.

Auch beim Bundesforschungsministerium möchte man belastbare Daten. Im Herbst geht dort ein Forschungsprojekt über neue Anwendungen und Gesundheitsrisiken an den Start. Ein Gutachtergremium entscheidet gerade, welche Forschungseinrichtungen den guten Ruf von Nano retten sollen.

Mehr Klarheit wünschen sich auch die Arbeitshygieniker. „So lange der Geist in der Flasche ist, gibt es kein Problem. Aber bei Expositionen muss man Klarheit über die Risiken haben. Und wie hoch die Expositionen am Arbeitsplatz sind, wissen wir noch gar nicht“, meint Bruno Orthen von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz. Betroffen wären etwa Beschäftigte, die nanohaltiges Pulver abfüllen

Um eine Neubewertung der Nanoteilchen wird man langfristig nicht herum kommen, da sind sich viele Experten sicher. Man käme aber in Teufelsküche, jedes einzelne Teilchen in einem Zulassungsverfahren zu prüfen. Eine neue wissenschaftliche Forschungsdisziplin wird gebraucht, um die Stoffe zu charakterisieren.

„Hier sind die Chemiker gefragt. Eine Standardisierung muss her, die mir sagt, wie ich Molekülklassen zusammenfassen kann – auch wenn sich die Eigenschaften mit jedem Nanometer verändern“, meint der Nanoexperte und Philosophieprofessor Alfred Nordmann von der TU Darmstadt. KATHLEEN SPILOK/ber

Welches Risiko bergen extrem kleine Teile?
Die Technik des Einsatzes extrem kleiner Teile wird schon bald Produkte und Verfahren fast aller Technologien entscheidend beeinflussen. Strukturen und maßgeschneiderte Partikel von wenigen Millionstel Millimetern Größe ermöglichen die Herstellung von schnelleren Computerchips, effizienteren Batterien, „Fähren“ für Arzneien oder dünnsten Beschichtungen mit vielfältigen Eigenschaften. Dabei ist momentan Deutschland führend auf diesem Forschungsfeld, so der Chef des Deutschen Museums in München, Prof. Wolfgang Heckl. „Nano“ biete für Deutschland die große Chance, erneut Innovationsführer in einer Zukunftstechnologie zu werden.

Um dies zu gewährleisten, sei es erforderlich, umfassende Informationen über Chancen und Risiken der Nanotechnologie auf allen Ebenen zu sichern, so der Tenor einer Round-Table-Diskussion mit Titel „Chancen und Risiken der Nanotechnologie“ im Deutschen Museum. „Noch weiß die Öffentlichkeit wenig über Nano. Um so dringlicher ist es, dass wir – als Wissenschaftler selbst Akteure – in die Öffentlichkeit gehen: für einen sachlich fundierten Dialog jetzt, bevor diffuse Ängste eine solche Debatte unmöglich machen“, forderte Heckl.

„Die bloße Präsenz der Partikel, auch wenn sie überall auftreten sollten, stellt an sich keine Bedrohung für Mensch und Umwelt dar“, so Wolfgang Luther vom VDI-Technologiezentrum und Nanosafe. Nur wenn sich gewisse Eigenschaften der Partikel als schädlich herausstellen sollten, müsste man von einer Gefahr sprechen. „Da aber entsprechende Studien fehlen, lässt sich heute kaum sagen, ob und inwiefern Nanopartikel oder damit hergestellte Produkte eine konkrete Gefahr darstellen“, sagte Christian Schauer von der SwissRe Group. Folgende Fragen zeichnen sich ab: Wie wirken sich Nanopartikel auf den menschlichen Körper aus, wenn sie in Medikamenten oder Sprays konzentriert angewendet werden? Was passiert mit den akkumulierten Partikeln, die in einigen Organen bereits nachgewiesen wurden? Antworten gibt es noch nicht. ruk

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