Mikrosystemtechnik 14.04.2006, 18:43 Uhr

Viele kleine Weltmeister  

VDI nachrichten, Dortmund, 13. 4. 06, jdb – Viele kleine Unternehmen sind in Mikro- und Nanotechnologien weltweit wettbewerbsfähig. Erstmals untersucht nun eine intensive Studie Erfolgsfaktoren für High-Tech-Gründer.

Mit Abstand die größte Hürde beim Start eines Unternehmens im Bereich Mikro- und Nanotechnologien ist die Finanzierung. Fast 70 % der Unternehmen hatten Probleme, ihren Start zu finanzieren. Das zeigt der „Gründungsmonitor Mikro-/Nanotechnologie“, der am 24. April auf der Hannover Messe im Rahmen der Sonderschau MicroTechnology vorgestellt wird.

„Keine Studie hat sich bisher so intensiv und umfassend mit den Rahmenbedingungen für Mikro- und Nanotechnikunternehmen in Deutschland befasst“, sagt Uwe Kleinkes, Mitglied der Geschäftsleitung des Dortmunder IVAM Fachverband für Mikrotechnik, der gemeinsam mit dem dortmund-project diese Studie erarbeitet hat. Von 154 identifizierten Gründern aus den Jahren 2000 bis 2005 hatten 48 an der Befragung teilgenommen.

Mit knapp unter 30 % zeigt sich die Anheuerung des geeigneten Personals als zweitgrößte Hürde, gefolgt von mangelnden BWL-Kenntnissen der Gründer. Dagegen sind die komplizierten behördlichen Vorschriften hierzulande kaum ein Gründungshindernis. Kleinkes: „Start-ups in der Mikro- und Nanotechnologie tragen ein besonders hohes finanzielles Risiko.“ So stünden langen Entwicklungszeiten bei komplexen Technologien die hohen Anfangsinvestitionen für die Fertigungstechnik entgegen. „Das erlaubt einen Return-on-Investment oft erst nach einigen Jahren“, erläutert Kleinkes, dessen Verband sich als Schnittstelle zwischen Produzenten, Anwendern und Forschungsinstituten versteht.

Laut Kleinkes hat Deutschland im internationalen Vergleich zwar recht gute Förderbedingungen für Start-ups, das wichtige private Kapital ist jedoch knapp. „Seit der Kapitalmarktkrise von 2001 sind Wagniskapitalinvestitionen in High-Tech-Unternehmen rückläufig. Gründer in den USA oder Großbritannien kommen wesentlich leichter an Geld.“

Trotzdem hat sich fast ein Drittel der befragten Gründer ausschließlich durch privates Kapital finanziert. Kleinkes: „Da aber in der Mikro- und Nanotechnologie oft Investitionen im sechs- oder siebenstelligen Bereich erforderlich sind, um Anlagen und Geräte zu beschaffen, generieren die ausschließlich privat finanzierten Unternehmen mittelfristig nur selten hohe Umsätze und viele Arbeitsplätze.“

Ein Beispiel, hier fördernd einzugreifen, sei die am Standort Dortmund geschaffene MST.factory, die Gründern eine spezifische Infrastruktur zur Verfügung stellt, Investitionsrisiken mindert und deswegen sehr erfolgreich sei.

Dortmund ist auch eines der Beispiele für die Clusterbildung im Bereich vieler Technologiefelder. Wie erfolgreich so etwas sein kann, demonstriert nicht nur das Silicon Valley seit Jahrzehnten, auch in Dresden ist ein europäischer Mikroelektronik-Cluster von weltweiter Bedeutung entstanden.

„Solche Cluster haben wir auch im Bereich der Mikro- und Nanotechnologien in Deutschland“, erläutert Kleinkes, dessen IVAM auch einen deutschen MST-Atlas erstellt hat. Zwanzig Firmenkonzentrationen mit fünf bis 40 Unternehmen hat IVAM identifiziert. Und es zeigte sich bei der Gründerstudie, dass Unternehmen – so sie denn eine Standortanalyse vor Gründung durchführen – sich zu über 90 % in solch einen Cluster hinein gründen.

Allerdings haben nur 42 % der Gründer eine solche Analyse durchgeführt. Viele – vor allem Ausgründungen aus Instituten und Universitäten – verbleiben am alten Studien- oder Arbeitsort.

Übrigens zeigte die Studie auch, dass Ausgründungen aus Forschungsinstituten oder Unternehmen deutlich schneller wachsen als Universitäts-Spin-offs. Hier spielt die stärkere wirtschaftliche Orientierung eine gewichtige Rolle, meint Iris Lehmann von IVAM-Research, die maßgeblich an der Erarbeitung der Studie mitgewirkt hat. „Dies bedeutet nicht, dass Uni-Ausgründungen geringere Erfolgschancen haben. Sie entwickeln sich am Anfang nur langsamer,“ wie Lehmann beim Vergleich zwischen den „Durchstartern“ und den „Spätentwicklern“ feststellt.

Alles in allem ist die Mikro- und Nano-Szene in Deutschland stark mittelständisch geprägt. „Klein, aber fein“ scheint das geeignete Etikett, wenn man vergleicht, wie viele Unternehmen nur aus zehn oder 20 Mitarbeitern bestehen, wie hoch andererseits in den jeweilig adressierten Märkten ihr Exportanteil ist (s. Grafik). Kleinkes: „Diese Unternehmen zeichnen sich oft durch international wettbewerbsfähiges Know-how, Schnelligkeit und Flexibilität aus. Sie bieten daher Chancen für Wachstum und Arbeitsplätze.“ jdb

Die Studien „Gründungsmonitor Mikro-/Nanotechnologie“ und „MST-Atlas Deutschland“ können bei Iris Lehmann. IVAM Research, bestellt werden. Tel.: 0231 9742 149, E-Mail: il@ivam.de

Von Jens D. Billerbeck

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