Mikroelektronik 27.08.1999, 17:22 Uhr

Sun will Java mit Chip puschen

Heiß diskutierten die Entwickler auf der Hot Chips Conference über Suns neuen Majc-Chip, der die Abläufe bei Java-Programmen optimiert. Aber Details erfuhren sie nicht.

Die „Hot Chips Conference“, hoch akademisch, dazu noch in der Keimzelle des Silicon Valley auf dem Campus der Stanford University, hat wenig gemeinsam mit anderen US-Foren der Mikroelektronik und Computertechnik, die zu PR-reißerischen und theatralisch inszenierten Präsentationen mutieren. Noch kommen richtige Entwickler, Kreative, Spezialisten minutiöser Details in Chinos, Jeans und Sneakers. Sie diskutieren informell und kollegial, aber auch im Bewußtsein, daß jedes Wort ein Verrat wertvoller Firmengeheimnisse sein kann.
Mit der elften Hot Chips Conference, vom 15. bis 17. August, scheint die Wachstumsgrenze erreicht: Mehr als 800 Teilnehmer hatten sich eingefunden, nicht mehr nur aus dem Valley, sondern auch aus Europa und Japan – 20 % mehr als im Jahr zuvor. Einige Technologieanbieter haben sie als zünftige Marketing-Plattform erkannt: AMDs neuer Athlon-Prozessor (K7) wurde behandelt, Intels IA-64-Architektur wurde weiter detailliert, IBM stellte den Power4-PC-Prozessor (mit 500-MHz-Bus) vor. Vom Startup Tensilica kam der konfigurierbare 32-bit „Xtensa“-Prozessor. Und Sony brillierte mit der spektakulären „Emotion Engine“ als Nachfolge-Prozessor für die Videokonsole „PlayStation II“. Sie kommt im September und bricht mit 75 Mio. Polygonen pro Sekunde alle Rekorde der Grafikpräsentation.
Vor allem aber war es Sun Microsystems mit seiner Majc-Vorstellung (Microprocessor Architecture for Java Computing), die den stillen Stanford-Designertreff zur weltweit kommentierten Technologieshow verwandelte. Majc (sehr eingängig gesprochen als „magic“) war durch knappe Andeutungen effektvoll vorbereitet und clever am Ende der Konferenz plaziert.
Genau genommen ist Majc noch kein heißer Chip, sondern Konzept, Architektur, Prinzip: die Ablaufoptimierung für Java-Programme durch spezifische Parallelverarbeitung mit mehreren Prozessoren auf einem Chip mit sogenanntem Multithreading, also pragmatischer Verschachtelung mehrerer Programmschritte oder Verzweigungen („tasks“) über gemeinsame schnelle Zwischenspeicher. Damit wird beim relativ langsamen Zugriff auf (eventuell fehlende) Speicherdaten zeitfressender Leerlauf der Prozessoren vermieden.
Deshalb gibt es noch keine Daten der Majc-Implementation. Erstes „Silizium auf der Hand“ soll erst im Oktober auf dem vom Industrie-Analysten MicroDesign Resources und Cahners Electronics Group aufgezogenen „Microprocessor Forum“ präsentiert werden. Ob als Dual- oder schon als Vierfach-Multiprozessorsystem auf einem Chip, wollte Marc Tremblay, Suns Chefarchitekt für Majc, noch nicht verraten,
Ein Schuß Geheimniskrämerei zählte schon immer zum Sendungsbewußtsein des 1982 gegründeten Unix-Workstation-Herstellers Sun Microsystems („Das Netzwerk ist der Computer“). Vor drei Jahren sollte mit der universellen, auf alle Prozessoren portablen Programmsprache Java die Vorherrschaft des „Wintel-Kartells“ aus Intels Pentium-PC-Platform und Microsofts Betriebssystem Windows enden. Das macht allerdings nur langsame Fortschritte. Jetzt kommt mit der für Java optimierten, eigenen Majc-Architektur das Eingeständnis, daß Java (neben den etablierten, stabilen Sprachen C und C++) noch nicht beherrschend in den PC-Massenmarkt vorgedrungen ist. Zum anderen bringt Majc den geballten Push, eine eigene, schnelle und flexible Prozessor-Plattform für Java zu etablieren und damit dessen eigentliches Element der Portabilität herabzustufen.
Die Majc-Plattform soll neben Suns weithin erfolgreichen Solaris-Systemen breite Anwendungsfelder in Computernetzwerken, high-end bis low-end, abdecken und neue Anwendungen, kommerziell wie consumer-orientiert, eröffnen. Solaris bleibt, so Tremblay, den Unternehmensanwendungen vorbehalten, mit großen Datenmengen und je nach Anwendung skalierbaren Server-Clustern, wobei exisierende Datenbestände nicht nochmals (wie für Majc) rekompiliert werden müssen.
Den Bruch mit „Legacy“-Systemen, also die Inkompatibilität mit bestehenden Plattformen und Datenbeständen, sieht Tremblay geradezu als Plus für Majc, etwa gegenüber Intels seit 20 Jahren aktualisierter X86- oder Pentium-Serie, die immer rückwärts kompatibel zum Vorgängertyp sein mußte und dafür wertvolle Chip-Ressourcen zu opfern hatte.
Der Bruch mit der Vergangenheit ist machbar, sagt Tremblay, weil den Consumern eine neue Generation von Datensystemen für Multimedia und Internet-Konnektivität, mit Streaming Video, Audio und Sprachverarbeitung ins Haus steht. Dafür ist Majc als „das Portal ins Wohnzimmer“ konzipiert.
Majc soll laut Sun die Basis für eine neue Kategorie von Unterhaltungsgeräten sein – vor allem Spielkonsolen mit Echtzeitdarstellung schneller 3D-Grafik, integrierte Kommunikationsgeräte für Video und Audio und Settop-Boxen. Allen gemeinsam ist, daß sie große Mengen an „medienreichen“ Daten verarbeiten.
Die Majc-Architektur stützt sich laut Sun, wie andere „heiße“ Prozessorkonzepte, auf DSP-Elemente (digital signal processing) und auf die VLIW-Verarbeitung (very long instruction word), die auch in Intels IA-64-Architektur zum Tragen kommt. Andererseits soll das Java-Multithreading die Unterschiede der Datentypen (Video, Sprache, etc.) einebnen und die schnelle parallele Verarbeitung von bis zu vier Befehlen ermöglichen. Das soll, zusammen mit der Implementierung mehrerer Prozessoren auf einem Chip, den „Overhead an Silizium“ verringern.
Der Erfolg von Majc, räumte Tremblay in seiner Hot-Chip-Präsentation gelassen ein, hängt davon ab, daß sich Java in künftigen multimedia-orientierten Rechneranwendungen durchsetzt. WERNER SCHULZ
Prototyp eines Java-basierten Handy. Mit Majc hofft Java-Erfinder Sun, nun auch die entsprechende Hardware zum Erfolg zu führen.
Die Dresdner Chip-Fabrik von AMD soll helfen, die zu erwartende Nachfrage nach Athlon-Prozessoren zu befriedigen.
Mit dem Athlon-Chip verweist AMD den Marktführer Intel auf den zweiten Platz.

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