Start-ups 23.11.2012, 19:56 Uhr

Mikrosystemtechnik: Zwergenreich mit vielen Nischen für Gründer

Mit Wachstumsraten um 15 % ist Mikrosystemtechnik seit Jahren auf Erfolgskurs. Dazu tragen auch Start-ups bei, von denen sich zuletzt viele prächtig entwickelt haben. Noch immer tun sich in der Querschnittstechnologie viele Nischen auf, in die Gründer auch dank zielgenauer Förderangebote und regionaler Netzwerke stoßen.

Mikrosystemtechnik: Wachstumsraten um 15%

Mikrosystemtechnik: Wachstumsraten um 15%

Foto: TU Dresden

„Das Konzept unseres Smart Systems Campus ist voll aufgegangen“, freut sich Jenz Otto, Geschäftsführer der TechnoPark Chemnitz GmbH. Seit 2009 ist der 4,5 ha große Campus ein Kristallisationspunkt der ostdeutschen Mikrosystemtechnik-(MST)-Branche. Vier Institute der TU Chemnitz, das Fraunhofer-Institut ENAS für Elektronische Nanosysteme und diverse neu angesiedelte Betriebe forschen, entwickeln und produzieren hier Tür an Tür mit inzwischen neun jungen Unternehmen im eigens erbauten Start-up-Gebäude.

Mikrosystemtechnik und Mikroelektromechanische Systeme (MEMS) sind heute weder aus Fahr- und Flugzeugen noch aus Unterhaltungselektronik, Medizin- und Sicherheitstechnik, Maschinen, Anlagen, Energiesystemen oder der Logistik wegzudenken. Wo immer gemessen, gesteuert und geregelt wird, wo exakte Dosierung und Diagnose vonnöten sind, übernehmen die miniaturisierten Systeme mit ihren µm-feinen Strukturen nach und nach das Regiment.

Mikrosystemtechnik (MST): Jährliches Wachstum von 15 % sind die Regel

Entsprechend dynamisch entwickelt sich der Markt. Jährliche Wachstumsraten um 15 % sind die Regel. Und laut einer Prognos-Studie dürfte die Zahl der direkt und indirekt Beschäftigten hierzulande bis 2020 auf 963 000 steigen – ein Plus von 25 % gegenüber 2010.

„Unser Start-up-Gebäude auf dem Campus ist ausgelastet“, berichtet Otto. Interessenten müssen vorerst mit anderen Gründerzentren im Umkreis von zehn Fahrminuten vorlieb nehmen. Und das, obwohl es bisher keine Reinräume gibt. „Wegen der hohen Betriebskosten wollen wir Reinräume nur bei tatsächlichem Bedarf der Mieter einrichten“, erklärt er.

Wichtiger seien ohnehin kurze Wege, ist Otto überzeugt. Studierende würden auf dem Campus zwischen TU und Diplomanden- oder Werksstudentenjobs im Gewerbepark pendeln und so zum Wissenstransfer zwischen Forschung und Industrie beitragen. Das Nebeneinander von Grundlagenforschung, anwendungsnaher Fraunhofer-Forschung und Industrieanwendern sei idealer Nährboden für Gründungsideen.

Die Chemnitzer haben sich bei der Planung des MST-Campus von vergleichbaren Projekten inspirieren lassen. „Eines der Vorbilder ist die MST-Factory in Dortmund“, sagt Otto. Dort finden MST-Gründer seit 2002 nicht nur Büro-, Labor- und Reinraumflächen, sondern auch Unterstützung durch Geräte- und Maschineninvestitionen sowie Coachings, Beratung und Netzwerkarbeit. Ähnliche explizit auf MST-Start-ups zugeschnittene Gründerzentren gibt es in einem halben Dutzend deutscher Städte.

Mikrosystemtechnik-Cluster: Mitgliederliste reicht von Branchen-Riesen zu Dutzenden von Start-ups

So auch das Mitte 2011 eröffnete Zentrum für Mikrosysteme und Materialien (ZMM) in Berlin Adlershof. Seine 6500 m² Nutzfläche, darunter 1050 m² teilbare Reinräume, sind laut ZMM-Leiter Jörg Israel schon zu 50 % ausgelastet, wobei die Mieter Optionen auf weitere 20 % der Flächen haben. In unmittelbarer Nachbarschaft gibt es ein weiteres MST-Zentrum und über 50 Unternehmen, die hier ihr eigenes, kleines MST-Cluster bilden.

Von solchen Mikrosystem-Clustern wimmelt es inzwischen. Dazu zählen das MST-Netzwerk Rhein-Main, der Cluster Mikrosystemtechnik Bayern und das Spitzencluster „microTEC“ Baden-Württemberg.

In ihren Mitgliederlisten finden sich neben Branchenriesen wie Bosch, Siemens oder Jenoptik hunderte kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und Dutzende Start-ups.

Einige sind im letzten Jahrzehnt steil aufgestiegen. Etwa der 2001 gegründete Freiburger Entwicklungsdienstleister Embex, der heute 130 Mitarbeiter beschäftigt und seine Expertise 2011 über fünf Branchen hinweg in 10 Mio. € Umsatz ummünzte.

Oder die 1999 gestartete Creative Chips GmbH aus Bingen, deren „System on Chip“-(SOC)-Lösungen die Automobilindustrie in Großserien verbaut. Im selben Jahr wurde die Sensitec GmbH aus Lahnau gegründet. Heute hat sie über 120 Mitarbeiter und liefert über 20 Mio. Sensorelemente jährlich an Industrie-Automatisierer, Automobilhersteller und an die Mobilfunkbranche.

Mikrosystemtechnik: Viele Start-ups mischen in der Branche mit

Die Liste solcher Erfolgsgründungen ist lang. In den regionalen Netzwerken mischen viele Unternehmen mit, die keine fünf Jahre alt sind. Oft sind es Spin-offs von Hochschulen und Forschungsinstituten, die mit hoch spezialisierten Bild-, Bewegungs- und Gassensoren, Laserbearbeitungsverfahren, Mikroreaktoren, mit Test- und Prüfverfahren für oder auf Basis von Mikrosystemen oder mit µm-genauen Komponenten für MEMS ihre Nischen erobern.

Über die Cluster-Vernetzung finden sie schnell Anschluss an Verbundforschungsprojekte. In Bayern kann das den Weg ins „Förderprogramm Mikrosystemtechnik Bayern“ ebnen. Das vom VDI-VDE-IT koordinierte Programm fördert industrielle Verbundforschung mit bis zu 50 % und Entwicklungsprojekte mit hohem unternehmerischen Risiko mit 25 % (KMU 35 %).

Laut Projektleiter Bernhard Ruf finden sich immer wieder sehr junge Unternehmen unter den Antragstellern. Da die Grenzen zwischen MST-Entwicklung und Anwendung fließend sind, gibt es auch bei der Prüfung der Anträge kein starres Schema. Mikrosystemtechnik sei eine Querschnittstechnologie, die den technischen Fortschritt in vielen Branchen antreibe und durch interdisziplinäre Ansätze neue Wege beschreite.

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