Studie 21.10.2011, 12:06 Uhr

Mikrosystemtechnik schafft in Deutschland Arbeitsplätze

Mikrosystemtechnik wird in Deutschland Arbeitsplätze schaffen, ihr Anteil an der Wertschöpfung wachsen, so das Ergebnis einer Studie, die letzte Woche auf dem 4. Mikrosystemtechnik-Kongress in Darmstadt vorgestellt wurde. Zeitgleich forderte in Dresden die Chipindus-trie auf der Semicon Europe eine marktfähige Mikroelektronikfertigung für Europa.

Bis zum Jahr 2020 werde die Zahl der direkt oder indirekt mit der Mikrosystemtechnik verbundenen Arbeitsplätze um mehr als ein Viertel von derzeit 754 000 auf 963 000 steigen. Das besagt eine aktuelle Studie des Marktforschungsunternehmens Prognos, die auf dem 4. Mikrosystemtechnik-Kongress von BMBF und VDE in Darmstadt vorgestellt wurde. Der Marktanteil Deutschlands am weltweiten Gesamtumsatz der Mikrosystemtechnik dürfte demnach von derzeit 19 % auf 21 % wachsen.

„Die Zukunftsprognosen für die Beschäftigtenzahlen in Deutschland und den Umsatz im In- und Ausland sind überdurchschnittlich positiv“, sagte Wolf-Dieter Lukas, Abteilungsleiter für Schlüsseltechnologien im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Die Förderung der Mikrosystemtechnikbranche werde künftig breiter aufgestellt und sich noch stärker an Gesamtlösungen orientieren, so Lukas.

„Die Mikrosystemtechnik ist für unsere Volkswirtschaft von großer Bedeutung“

„Die Mikrosystemtechnik ist für unsere Volkswirtschaft von großer Bedeutung“, ergänzte VDE-Präsident Alf Henryk Wulf. Die weitaus größten Standortimpulse erwartet die Branche gerade in den Bereichen, die besonders stark auf Entwicklungserfolge in der Mikrosystemtechnik angewiesen sind: Energieeffizienz, E-Mobility und Smart Grids. Das zeige eine aktuelle Umfrage unter den 1300 VDE-Mitgliedsfirmen: „Auch in den nächsten zehn Jahren wird Deutschland seine internationale Spitzenposition gerade auf diesen wichtigen Innovationsfeldern behaupten.“

Schwerpunkte des Kongresses waren die Anwendungen der Mikrosystemtechnik, z. B. in der Medizintechnik, Diagnostik, in mikrooptischen Systemen sowie in der Automobiltechnik und Messtechnik. Trotz des fortgeschrittenen Reifegrads der Mikrosystemtechnik beschäftigten sich viele Vorträge mit den technologischen Grundlagen, also Materialien und Mikrofertigungsverfahren. Diese Grundlagen entwickeln sich ständig weiter, auch in Richtung der Mikro-Nano-Integration. Hier befruchten sich die Entwicklungen der Mikrosystemtechnik, der Nanotechnologie und der Mikroelektronik gegenseitig.

Messe Semicon Europa rückt Mikroelektronik in den Mittelpunkt

Fertigungstechniken für Mikroelektronik standen auch im Mittelpunkt der Kongressmesse Semicon Europa, die letzte Woche in Dresden stattfand. Zentrale Aussage von Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich und Heinz Kundert, dem Präsidenten des Halbleiterbranchenverbandes Semi Europe, war die einhellige Forderung nach einer innovativen Mikroelektronikindustrie in Europa. Tillich: „Unser Anliegen ist es, die Produktion von Halbleitern in Europa zu halten und auszubauen. Europa würde andernfalls bei dieser strategischen Ressource abhängig von anderen Regionen dieser Welt.“ In eine solche Abhängigkeit dürfe man nicht geraten. Die sächsische Staatsregierung werde daher alles unternehmen, damit die Mikroelektronikindustrie in Sachsen und Deutschland auch zukünftig international wettbewerbsfähig bleibe.

„Ohne Innovationen in der Chipbranche würde es iPhone und Co. gar nicht geben und das Thema Elektromobilität würde lediglich auf dem Reißbrett existieren“, sagte Semi-Präsident Kundert. Die Branche sei mehr als Design und Produktion von Halbleiterelementen: „Wir sind der Treiber für die neue gesellschaftliche Vernetzung und die Kommunikation des neuen Jahrtausends. Ohne Chips könnte die moderne Welt nicht kommunizieren, ja noch nicht einmal Kaffee kochen.“

  • Jens D. Billerbeck

    Jens D. Billerbeck

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