Mikrosystemtechnik 23.11.2001, 17:31 Uhr

Mikro-Experten stehen Firmentüren offen

Die Berliner Mikrotechnologie-Absolventen können sich ihren Arbeitsplatz aussuchen. Die Kunst der Miniaturisierung gilt als eine Schlüsselqualifikation für das 21. Jahrhundert.

Hier ist erstmals ein Facharbeiterberuf rechtzeitig installiert worden, nämlich bereits beim Übergang einer neuen Technologie aus der Forschung und Entwicklung in die Produktion.“ Rudolf Rapp, Leiter des Servicebereichs Ausbildung an der Technischen Universität (TU) Berlin, spricht über die dreijährige Ausbildung zum Mikrotechnologen. Bundesweit rund 500 Schulabgänger und Umschüler haben seit der Einführung des neuen Ausbildungsberufs im Jahr 1998 auf die Mikrotechnologie gesetzt.

Kaum ein anderer der insgesamt 350 anerkannten Ausbildungsberufe führt so sicher in eine gut dotierte Beschäftigung. Als Ausbildungsleiter für mehr als 150 Lehrlinge in 16 verschiedenen Ausbildungsberufen freut Rapp sich: „Unsere Mikrotechnologie-Absolventen können sich den Arbeitsplatz aussuchen.“ Die Industrie sucht Hände ringend qualifizierte Facharbeiter für die Mikrosystemtechnik. Das Know-how zur Miniaturisierung gilt als eine Schlüsselqualifikation für das 21. Jahrhundert. Die Anwendungsbereiche der Mikrosystemtechnik sind breit: Innovations- und Kommunikationstechnik gehören ebenso dazu wie Medizin- und Biotechnik, Automobil- und Verkehrstechnik. Handy, Airbag, Herzschrittmacher oder Hörgeräte wären ohne das Wissen der „Kleinmacher“ nicht möglich – zumindest nicht zu der Größe, dem Preis und der Funktionsvielfalt, die inzwischen üblich sind. Von einer ausreichend großen Zahl qualifizierter Mikrotechnologen wird inzwischen sogar der Aufschwung ganzer Regionen abhängig gemacht.

Die erste Absolventen-Generation an der TU Berlin – zwei junge Frauen und elf junge Männer – hatte ihren Arbeitsvertrag längst in der Tasche, als sie im Juli ihre Abschlussprüfung bei der Industrie- und Handelskammer ablegte. Den bundesweit etwa 150 weiteren frisch gebackenen Mikrotechnikern dürfte es kaum anders ergangen sein. Doch die Hauptstädter sind in einer besonders glücklichen Situation: Berlin gilt als Zentrum für Mikrosystemtechnik. Rund 400 Firmen mit rund 13 000 Mitarbeitern und 24 Forschungseinrichtungen mit etwa 1200 Gehaltsempfängern haben sich an der Spree angesiedelt. Hinzu kommen zahlreiche Universitätseinrichtungen.

„Der Bedarf an Mikrotechnikern wird weiterhin steigen“, bestätigt Katharina Buchholz-Hoffmann vom Bildungswerk der Wirtschaft (bbw) in Berlin und Brandenburg. Ihre größte Aufmerksamkeit gilt dem KMU-Bereich. Gleichwohl beobachtet sie „mit Aufmerksamkeit, was in Frankfurt/Oder passiert“. Dort wird gerade von der Communicant Semiconductor Technologies AG für 3,1 Mrd. DM eine Chipfabrik aufgebaut. Ab Frühjahr 2003 sollen 1500 Mitarbeiter beschäftigt werden. In Berlin setzen seit September letzten Jahres 24 Umschüler auf den Zukunftsberuf. Die Bandbreite an Qualifikationen reicht vom Chemischen Assistenten bis hin zum Elektroniker.

Die bbw-Umschüler im Alter bis zu 40 Jahren mussten hohe Einstiegs-Hürden überwinden. Die angehenden Mikrotechnologen dürfen nicht rauchen und nicht unter Allergien leiden (Arbeit im Reinraum), sie müssen sehr gute Noten in Mathematik, Physik und Chemie mitbringen und die englische Sprache beherrschen. Außerdem brauchen sie ein „sehr gutes räumliches und funktionales Vorstellungsvermögen“.

VDI und VDE, ZVEI, IG Metall, Bundesinstitut für Berufsbildung (bibb), Berliner Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM sowie der Servicebereich Ausbildung der TU Berlin waren nicht nur an der Entwicklung des Ausbildungsberufs maßgeblich beteiligt, sondern hoben für die Hauptstadtregion auch einen Ausbildungsverbund aus der Taufe. Für Rudolf Rapp ein wichtiger Grund, „dass die Bundesrepublik weltweit Vorreiter bei der Ausbildung im Bereich Mikrosystemtechnik ist“. Angehende Mikrotechnologen lernen durch das Förderkonzept „Mikrosystemtechnik 2000+“ alle Facetten ihres Berufsbildes kennen. Wer die Ausbildung in einer Forschungseinrichtung wie dem Fraunhofer IZM macht, kann für einige Zeit in den Alltag eines Produktionsbetriebes hineinschnuppern.

Beispielsweise bei Gerhard Spickermann, Betriebsleiter des mittelständischen Unternehmens OECA im brandenburgischen Dahlwitz-Hoppegarten. Der Betrieb, dessen Name für „optoelektronische Componenten und Applikations GmbH“ steht, hat zwei TU-Auszubildenden die praktische Vorbereitung auf die IHK-Prüfung erleichtert. Dass dieses Engagement nicht von allen Absolventen mit einem unterschriebenen Arbeitsvertrag gedankt wird, ficht Spickermann nicht an. Als Mitglied des Ausbildungsverbundes weiß der Mittelständler, dass für Mikrotechnologie-Facharbeiter eine Karriere lockt, für die eine weitere Hochschul- oder Universitätsqualifizierung unerlässlich ist. Doch deshalb gibt Spickermann die Hoffnung auf einen hoch qualifizierten Mikrotechnologen nicht auf. Er stellt auch jetzt wieder zwei Ausbildungsplätze sowie zwei Praktikumsplätze bereit. REGINA-C. HENKEL

Mikrotechnologen

Beruf der Zukunft

Kontakt über den Servicebereich Ausbildung der TU Berlin, Rudolf Rapp, Tel. 030/314-24488.
– Ausbildungsvoraussetzungen: Vorzugsweise Realschulabschluss oder Abitur. Für die Umschulung: In einer Erstausbildung (Ausbildung oder Hochschulstudium) nachgewiesene naturwissenschaftliche Grundkenntnisse und technisches Verständnis, Höchstalter 40 Jahre.

– Zusatzmöglichkeit: Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker für Umweltschutz, Richtung Verfahrenstechnik oder Labortechnik. Ingenieurstudium an einer Fachhochschule, Richtung Mikrosystemtechnik, oder an einer Universität. An der TU Dresden wird demnächst ein Bachelor und ein Master-Studiengang in Mikrosystemtechnik angeboten. rch

Stellenangebote im Bereich Forschung & Entwicklung

OneSubsea GmbH-Firmenlogo
OneSubsea GmbH Elektrotechnikingenieur (m/w/d) Fachrichtung Instrumentierung Celle
MED-EL Medical Electronics-Firmenlogo
MED-EL Medical Electronics Electronics Engineer for Medical Devices (m/f) Innsbruck (Österreich)
ifm prover gmbh-Firmenlogo
ifm prover gmbh Elektronikingenieur (m/w/d) Sensortechnik Tettnang
ifm electronic gmbh-Firmenlogo
ifm electronic gmbh Ingenieur (m/w/d) Funktionale Sicherheit Tettnang-Bechlingen
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V (DLR)-Firmenlogo
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V (DLR) Universitätsprofessur (W3) Verbrennungstechnik der Luft- und Raumfahrtantriebe und Direktorin / Direktor des DLR-Instituts für Verbrennungstechnik Stuttgart
Völkl Sports GmbH-Firmenlogo
Völkl Sports GmbH Entwicklungsingenieur Ski (m/w/d) Straubing
Laserline GmbH-Firmenlogo
Laserline GmbH Entwicklungsingenieur Halbleiter-Laser (m/w/d) Mülheim-Kärlich
Collins Aerospace HS Elektronik Systeme GmbH-Firmenlogo
Collins Aerospace HS Elektronik Systeme GmbH Prüf- und Testingenieur (m/w/d) Elektronik Nördlingen
NORD-MICRO GmbH & Co. OHG-Firmenlogo
NORD-MICRO GmbH & Co. OHG Ingenieur als Projektleiter (m/w/d) Entwicklung Frankfurt am Main
Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme IWES-Firmenlogo
Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme IWES Entwicklungsingenieurin / Entwicklungsingenieur (m/w/d) Erosion Rotorblatt Bremerhaven

Alle Forschung & Entwicklung Jobs

Top 5 Nanotechno…

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.