Mikroelektronik 05.10.2012, 19:54 Uhr

Kompetenz in der Mikroelektronik treibt Innovationen im Mittelstand

Deutschland und Europa haben in den 1980er- und 90er-Jahren eine erfolgreiche Aufholjagd gegenüber der seinerzeit japanischen Konkurrenz geleistet. Doch jetzt sieht sich die Industrie von asiatischen Wettbewerbern bedroht und fürchtet vor allem um die Produktionskompetenz in Europa.

Mikroelektronik: Harter Wettbewerb um die Zukunft.

Mikroelektronik: Harter Wettbewerb um die Zukunft.

Foto: Bosch

Ohne leistungsfähige Mikroelektronik gibt es keine Energiewende, keine spritsparenden und vernetzten Autos, keine Smartphones und keine moderne medizinische Diagnostik. So lautet zugespitzt das Fazit eines parlamentarischen Abends im Vorfeld des 3. VDE-Symposiums Mikroelektronik in der sächsischen Landesvertretung in Berlin.

Der Ort, den die Veranstalter VDE, Silicon Saxony und der Branchenverband Bitkom gewählt hatten, war Programm: In Sachsen hat sich rund um die Chipfabriken von Infineon und Globalfoundries eine lebhafte Industrie- und Forschungsszene rund um Mikro- und Nanoelektronik angesiedelt: 300 Unternehmen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen mit insgesamt 25 000 Beschäftigten erwirtschaften einen Umsatz von 6 Mrd. €, so das Sächsische Wirtschaftsministerium.

Für Sachsens Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer ist dieser Cluster von Exzellenz in Forschung und Produktion das Ergebnis kluger Industrie- und Forschungspolitik. Getragen von der Aufholjagd der deutschen und europäischen Chipindustrie in den späten 1980er-Jahren und dem Einheitsboom nach 1990, sind sowohl Forschung als auch Fertigung in Sachsen mittlerweile Weltspitze. Doch die Industrie fürchtet, im Zuge des Wettbewerbs, vor allem mit Asien, an Boden zu verlieren.

Mikroelektronik: In Asien wird die Ansiedlung von Chipfabriken massiv mit hohen Beträgen gefördert

Zwar gehört die Mikroelektronik zu einer von sechs „Key Enabling Technologies“ (KET), die von der EU für das neue, voraussichtlich 80 Mrd. € umfassende Forschungsrahmenprogramm Horizon 2020 als besonders förderungswürdig angesehen werden, doch für Ministerin von Schorlemer bleiben Fragen: „Es bleibt zu klären, welches die finanziellen Mittel sind und unter welchen beihilferechtlichen Rahmenbedingungen Mittel für Forschung, Entwicklung und Produktion zur Verfügung stehen. Und wie diese gegebenenfalls auch miteinander kombiniert werden können.“

Der scheidende Infineon-Chef Peter Bauer brachte es auf den Punkt: „Mikroelektronikfertigung ist extrem kapitalintensiv.“ Vor allem in Asien hätten viele Länder die Mikroelektronik als strategische Technologie identifiziert. In diesen Ländern, so sein Vorwurf, werde entgegen den Regeln der WTO mit massiven Fördergeldern agiert, um die Zukunftstechnologie Mikroelektronik ins Land zu bekommen.

Investitionsbeihilfen sind in Europa und vor allem Deutschland politisch nicht gerne gesehen. Wenn aber die Fragen der Beihilfen nicht befriedigend gelöst werden, sieht von Schorlemer Probleme: „Wenn wir dies nicht angehen, dann werden wir die komplette Wertschöpfungskette nicht halten können und dann entstehen Abhängigkeiten.“

Da besteht Handlungsbedarf, wie auch der sächsische CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Lämmel konstatierte: „Der Beihilferahmen wird in den nächsten Monaten entschieden und ist dann fest.“ Gerade in der Mikroelektronik rede man schnell über Investitionsvolumina von 4 Mrd. $ und mehr. Aber eigentlich nur in einer Handvoll Länder, in denen es in nennenswertem Umfang Mikroelektronikproduktion gebe. Kein Wunder also, so Lämmel, dass andere EU-Partner großen finanziellen Engagements in diesem Bereich skeptisch gegenüberstünden.

Ministerin Schorlemer: Mikroelektronik braucht mehr Lobbyarbeit

Das hielten er und andere Diskussionsteilnehmer für zu kurz gesprungen, denn die Mikroelektronik sei ja Grundlage für praktisch alle technischen Produkte und somit von strategischer Bedeutung für alle EU-Mitgliedsländer. Für Infineon-Mann Bauer basiert besonders die Stärke der mittelständischen Industrie auf der in Europa noch vorhandenen durchgängigen Wertschöpfungskette vom Chip bis zum fertigen System. Man könne Standardchips natürlich auch auf dem Weltmarkt kaufen, aber darunter leide dann die Innovationskraft und damit die Wettbewerbsfähigkeit.

Ministerin von Schorlemer richtete ihren Appel deshalb an die Anwenderindustrien der Mikroelektronik: Sie müssten in Berlin und Brüssel viel stärker präsent sein und Lobbyarbeit für eine europäische Mikroelektronikindustrie leisten. Ein Beispiel: Elmar Frickenstein, Bereichsleiter Elektronik bei BMW, sagte: „90 % aller Innovationen in der Automobilindustrie hängen heute an der Mikroelektronik.“

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