Mikroelektronik 21.05.1999, 17:21 Uhr

Institut fördert Kooperationen und Gründer

Mit Industriekooperationen will das Institut für Halbleiterphysik den Mikroelektronik-Standort Frankfurt/Oder wiederbeleben. In Motorola wurde jetzt ein starker Partner für die Entwicklung von Kommunikations-Chips gefunden.

Motorola und das Institut für Halbleiterphysik (IHP), Frankfurt/Oder, wollen bei der Entwicklung der 0,18-mm-Technologie für die drahtlose Kommunikation zusammenarbeiten. Als Ausgangsbasis für diese neue Chip-Generation dienen der leistungsstarke CMOS-Prozeß des amerikanischen Halbleiterherstellers und die Silizium-Germanium-Kohlenstoff-(SiGeC)Technologie der ostdeutschen Forschungseinrichtung. Motorola will damit die Leistungsfähigkeit dieser Systeme deutlich erhöhen, gleichzeitig aber die Kosten reduzieren. Dieser Kooperationsvertrag ist ein großer Erfolg für das 186 Köpfe starke Team um Institutsdirektor Professor Dr. Abbas Ourmazd.
Eigentlich ist das Institut für Halbleiterphysik (IHP) ein Überbleibsel aus DDR-Zeiten. Eingerichtet 1983, gehörte es einst zur Akademie der Wissenschaften. 1992 wurde das IHP als GmbH wiedergegründet. Das Haus ist Mitglied der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (ehemals Blaue Liste) das Budget von 41,9 Mio. DM (l998) wird vom Bund und dem Land Brandenburg jeweils zur Hälfte finanziert.

Wiederbelebung des Standortes Frankfurt/Oder

Die Landesregierung will damit nicht zuletzt die Wiederbelebung des Standortes vorantreiben. Denn für das Halbleiterwerk Frankfurt/Oder war der Schritt auf den Weltmarkt zu groß. Der Betrieb kam aus den roten Zahlen nicht heraus. Die Übernahme durch die Tongwei-Gruppe, das größte chinesische Privatunternehmen, scheiterte. Investoren – zumal aus Zukunftsbranchen wie der Mikroelektronik – sind im Bundesland Brandenburg gern gesehen, aber sie bleiben ausgesprochen rar.
„Wir haben uns die ehrgeizige Aufgabe gestellt, die Region als High-Tech-Standort zu etablieren und durch Innovation Arbeitsplätze zu schaffen“, erläutert Ourmazd seine Philosophie. „Wir setzen unsere Forschung und Entwicklung dafür ein, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen und der europäischen Industrie zu erhöhen. Wir arbeiten eng mit Bund und Land zusammen, um internationale Firmen in diese Region zu bringen.“ Um den Partnern zu helfen, sich an der Oder anzusiedeln, bietet das IHP Lehrgänge für die künftigen Arbeitskräfte an, damit diese ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten auf das Niveau modernster internationaler Standards bringen können.
Das IHP beschäftigt sich mit Prozeßtechnologie, Schaltkreisentwurf und Systemen – bislang vorzugsweise für den Bereich der drahtlosen Kommunikation, künftig wohl auch für Networking und Multimedia. Die Anwendung von Forschungsergebnissen in der Praxis ist ein wichtiges Ziel des Institutes. Von „klassischen“ Wegen des Austausches zwischen Forschern und Industrie hält Ourmazd allerdings wenig: „Welche Chancen hat ein für sich entwickelter Schlüssel, das Schloß zu finden, zu dem er paßt? Wenn man die Suche nach dem passenden Schloß ,Technologietransfer“ nennt, wird das Verfahren an sich nicht effizienter“, höhnt der Wissenschaftler, der aus seiner Heimat Amerika andere Methoden mitgebracht hat. Ein Drittel seiner Mitarbeiter schickt der Institutschef daher in die Industrie, damit sie mit Kunden an deren Standort für einen längeren Zeitraum arbeiten können. Ein weiteres Drittel befindet sich in der Umschulung. Das IHP kooperiert mit 42 Forschungsinstituten und Universitäten – und mit mehr als 30 Unternehmen allein im vergangenen Jahr konnten 5,2 Mio. DM Drittmittel eingeworben werden.
Haben die Wissenschaftler des IHP eine Geschäftsidee, dann sollen sie auch „ihr“ Unternehmen eröffnen, meint der Institutschef. So haben Mitarbeiter erst vor wenigen Wochen die lesswire AG etabliert. Diese erste Ausgründung aus dem IHP hat inzwischen drei Preise in national ausgeschriebenen Wettbewerben gewonnen, freut sich Ourmazd: „Wir etablieren eine Kultur, die Exzellenz und Risikobereitschaft belohnt. Wir setzen strenge Benchmarkings, Portfolioanalysen und Leistungseinschätzungen ein, um uns mit den Besten der Welt zu messen. Wir fordern interdisziplinäre, kundenorientierte Teamarbeit.“ Illusionen kann sich das IHP nicht leisten: „Unsere wissenschaftlichen Kollegen in aller Welt beurteilen die Qualität unserer Arbeit, aber unser Wert wird von unseren Kunden bestimmt.“
Wer Technologien für die Halbleiterbranche entwickelt, der benötigt aber auch die entsprechende Ausstattung. Für 128 Mio. DM wird eine 0,25-mm-SiGe- und CMOS-Prozeßlinie in einem modernen Reinraum der Staubklasse Eins mit einer industriekompatiblen Infrastruktur eingerichtet. 75 % dieser Summe kommen von der Europäischen Union, den Rest teilen sich Bund und Land. Der Grundstein wurde im August vergangenen Jahres gelegt, im Februar wurde bereits Richtfest gefeiert. Der Zeitplan sieht vor, daß im September in Reinraum die Installation der ersten Maschinen beginnt – und zum Jahresende soll das neue Domizil schon eingeweiht werden: „Bis zum Jahr 2000 werden wir über eine der modernsten Infrastrukturen in Europa verfügen.“
Doch damit dürfte die Bautätigkeit auf dem Campus noch nicht beendet sein: Auch Motorola wird ein Technologiezentrum in Frankfurt/Oder errichten, um eng mit dem IHP zusammenarbeiten zu können, kündigte der Konzern an: Das Center wird Forschung und Entwicklung betreiben und darüber hinaus als europäisches Hauptquartier für Motorolas Embedded Systems Technology Laboratories fungieren. „Die wachsenden Ansprüche der Kunden an die drahtlose Kommunikation erfordern eine immer höhere Leistungsfähigkeit der elektronischen Schaltungen“, sagte Barry Johnson, Chief Technology Officer und Direktor des Embedded Systems Technology Laboratories bei Motorola. „Durch die Partnerschaft mit dem IHP können dessen herausragende Forschungsarbeiten in der SiGe-Technologie mit unseren Kenntnissen auf dem Gebiet der drahtlosen Kommunikation kombiniert werden.“
ANKE MÜLLER
Der Neubau des Reinraumes für das IHP in Frankfurt/Oder im Modell (links). Das Halbleiterwerk aus DDR-Zeiten (oben) hat trotz vieler Anstrengungen nach der Wende den Sprung auf den Weltmarkt bisher verpaßt.

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