Mikroelektronik 17.11.2006, 19:25 Uhr

In Dresden schlägt das Hightech-Herz  

VDI nachrichten, Dresden, 17. 11. 06, ws – Aufbauend auf der historisch gewachsenen Infrastruktur zogen westdeutsche Unternehmen nach der Wende in den Osten, um mit alteingesessenen Firmen die Mikroelektronik-Metropole Dresden zu errichten. Ein Unternehmen, das von Erfolg gekrönt war.

Ohne Motor läuft die Pumpe nicht. Das gilt für Maschinen sowie – im übertragenen Sinne – für Menschen und Wirtschaftsstandorte. Für den Branchenverband VDE ist klar, wo die Hightech-Maschine ihr Zentrum hat: „Die Bundesrepublik ist Mikroelektronik-Standort Nummer 1 in Europa. Mehr als jeder zweite Halbleiter aus Europa trägt das Label ,Made in Germany¿.“ Das Herz der Mikroelektronik schlage in Dresden.

Mehr als 200 Unternehmen der Mikroelektronik und Informationstechnologie mit rund 20 000 Beschäftigten halten den Dresdner Motor in Schwung, dazu diverse Hochschulen, angeführt von der Technischen Universität, sowie fünf Leibniz-, drei Max-Planck- und elf Fraunhofer-Institute, zahlreiche Netzwerke und Kompetenzzentren. Warum hat die Branche aber ausgerechnet die „Stadt der Wissenschaft 2006“ zum Knotenpunkt deutscher Mikroelektronik erkoren?

Der Erklärungsversuch von Landesvater Georg Milbradt trifft ins Schwarze: „Qualifizierte Fachkräfte, die bereits angesiedelten Elektronikunternehmen, eine schnell funktionierende Verwaltung und die gute Zusammenarbeit mit den Forschern an der TU Dresden.“

Hector Ruiz, Chef von AMD, des auch in Dresden ansässigen und expandierenden Herstellers von Mikroprozessoren, kann das nur bestätigen: Neben der großen Kunden- und Institutsnähe schätzt der Amerikaner besonders Engagement und exzellente Ausbildung der Mitarbeiter.

Auch andere Leuchttürme bei der Entwicklung und Fertigung integrierter Schaltkreise fühlen sich in der Nachbarschaft wissenschaftlicher Exzellenz wohl. Dass Infineon und Qimonda in Dresden beheimatet sind, verdanken sie vor allem ihrem Mutterunternehmen Siemens. Der Konzern besann sich 1993 auf die hervorragende Infrastruktur des bereits zu DDR-Zeiten hoch geschätzten Technologiestandortes und nutzte auch die Erfahrungswerte älteter Ingenieure.

Die Entscheidung des Münchner Konzerns hatte Sogwirkung. Auch kleine und mittelständische Unternehmen zog es in den Osten, wo sich heute 225 Mitglieder mit 17 000 Mitarbeitern im Netzwerk „Silicon Saxony“ zusammenfinden. Das Center Nanoelektronische Technologien (CNT) und das Advanced Mask Technology Center (AMTC), führend im Bereich der Lithographie, sind zwei populäre Beispiele für erfolgreiche Forschungskooperationen.

In Planung befindet sich ein Joint Venture zwischen der TU Dresden und Qimonda unter dem Namen „Nanoelectronics Materials Lab“ (Namlab). Damit wagen die Partner den Schritt von der Mikro- zur Nanoelektronik. Quimonda unterstützt das Joint Venture mit Forschungsausrüstung und beteiligt sich wesentlich an der Finanzierung, die TU bindet Namlab in ihre Forschungsstrukturen ein und verspricht sich eine intensivere Praxisnähe in der Ausbildung.

Basis der Dresdner Erfolge ist eine breit angelegte und tief gehende Ausbildung, die nicht nur auf akademischer Spitze beruht. An der „Dresden Chip academy“ (dca) werden Mechatroniker, Elektroniker für Automatisierungstechnik, Mikrotechnologen und Industriekaufleute ausgebildet. In Kooperation mit zwei Hochschulen bietet die dca die dualen Studiengänge Mikroelektronik und Mechatronik sowie das berufsbegleitende Studium Mikrotechnologie an.

Die großen Unternehmen am Ort lassen kaum eine Gelegenheit ungenutzt, den Nachwuchs für sich und die Mikroelektronik zu gewinnen. Qimonda etwa beschäftigt rund 100 Werkstudenten, Diplomanden, Doktoranden und Praktikanten. „An der TU Dresden ist es nicht selten, dass sich Studierende bereits im zweiten Studienjahr mit Verträgen an ein Unternehmen binden“, weiß Birgit Monßen vom Amt für Wirtschaftsförderung Dresden.

Die enge Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft sowie die guten Karrierechancen für Ingenieure und Informatiker seien ein mächtiges Plus, mit dem man dem Westen, dessen Hightech-Metropolen besser zahlen, durchaus trotzen könne.

Das ausgeprägte Gemeinschaftsgefühl am Hightech-Standort Dresden hat für Birgit Monßen nicht allein in übergreifenden Zielsetzungen und räumlicher Nähe („Man kennt sich“) seinen Ursprung, sondern auch in der Historie. „Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung hatten Anfang der 90er Jahre ähnlich unter den widrigen Bedingungen der Wende zu leiden, so dass alle schnell den Weg zueinander fanden.“

Was für Birgit Monßen nichts an der Zurückhaltung vielversprechender Talente beim Schritt in die Selbstständigkeit ändert: „Die Scheu, aus der Hochschule heraus eine Firmengründung zu wagen, hat sicherlich auch mit der Mentalität von Ingenieuren zu tun, lieber im geschützten Raum zu arbeiten.“ Dennoch seien auch Hochschulen, Institute und die Politik gefordert, hier weitere Anreize zu schaffen, um darüber hinaus auch auf den demografischen Wandel eine Antwort zu geben.

Einen Standortvorteil könne man Dresden aber nicht nehmen, meint Birgit Monßen: „In kaum einer anderen Stadt vermischen sich Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur und Kunst so sehr wie in Dresden“ – was Hendrikje Heinrich nur unterschreiben kann: „Die Stadt bietet so viel. Es ist einfach toll, hier zu leben und zu arbeiten“, meint die Leiterin Factory Integration Coordination bei Qimonda. W. SCHMITZ

Von W. Schmitz
Von W. Schmitz

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