Mikroelektronik 10.10.2003, 18:26 Uhr

Im Land des Drachens boomt die Elektronik

kaum ein Unternehmen, das sich von Investitionen dort nicht kräftige Umsatzschübe erhofft. Eine Studie im Auftrag der Messe München belegt jetzt: Vor allem die Elektronikindustrie kann auf Chinas Märkte bauen.

Viele Jahrzehnte lang stand es im Schatten des globalen Elektronikgeschehens, das Riesenreich China – doch mittlerweile ist der Gelbe Drache erwacht. Und immer mehr elektronische Bauelemente, Baugruppen und Endprodukte werden dort sowohl konsumiert als auch produziert. Allein der Halbleitermarkt Chinas machte im vergangenen Kalenderjahr rund 7 % des gesamten Weltmarkts von insgesamt rund 155 Mrd. $ aus. Und dass dieser Trend anhält, illustriert eine Gartner-Dataquest-Analyse, nach der besagter Anteil bis 2006 auf 9 % anwachsen soll – was binnen vier Jahren praktisch einer Verdopplung von 11 Mrd. $ auf dann 22 Mrd. $ Marktvolumen entsprechen würde.
Mit welcher Marktdynamik der deutsche Chiphersteller Infineon in China rechnet, verdeutlichte kürzlich der Chefstratege des Unternehmens, Dieter May: Das durchschnittliche jährliche Marktwachstum der Jahre 2002 bis 2008 wird in China 14 % betragen. Das ist Weltspitze, denn nur der Rest Asiens wird mit 12 % eine ähnliche Dynamik aufweisen. Japan und die USA müssen sich mit 8 % Wachstum begnügen und den Europäern samt dem Mittleren Osten kommt die undankbare Schlussposition mit 6 % Zuwachs zu. Die Folge: Spätestens 2005 dürften mehr Halbleiter in China abgesetzt werden als in Europa.
Besonders detailliert hat jetzt das Marktforschungsunternehmen iSuppli das fernöstliche Elektronikgeschehen unter die Lupe genommen und im Auftrag der Münchner Messegesellschaft herausgefunden, dass jene im kommenden Jahr beim Veranstalten ihrer chinesischen Fachmesse vor allem die folgenden drei Boomsektoren ins Visier nehmen sollte: Leistungselektronik, Mobilkommunikation und Displays aller Art.
In diesem Zusammenhang, betont Klaus Dittrich als Geschäftsführer der Messe München International, werde man „im März 2004 eine Messe mit zwei exakt auf die Bedürfnisse der Zielgruppen ausgerichteten Schwerpunktbereichen durchführen“ die ElectronicaChina für die Bauelemente und die ProductronicaChina für die Herstellung elektronischer Produkte.
Chinas Elektronikindustrie hat laut iSuppli in den letzten zehn Jahren ihre Produktion pro Jahr um rund 30 % ausweiten können und ist damit rund dreimal so stark gewachsen wie Chinas Industrie als Ganzes. 2002 hat die Elektronikproduktion einen Umfang von 143 Mrd. $ erreicht, was 13,3 % des einschlägigen Weltproduktionsvolumens entspricht und in 2007 dürfte diese Produktion mit knapp 290 Mrd. $ Gegenwert die 20-Prozent-Weltmarktanteils-Marke überschreiten.
Immer in Gegenüberstellung des Fünfjahreszeitraums von 2002 bis 2007 soll die Produktion elektronischer Konsumgüter in China von 32,6 Mrd. $ auf 53,7 Mrd. $ Wert steigen, die der EDV-Geräte von 42,4 Mrd. $ auf 86,3 Mrd. $ und die der mobilen Kommunikationselektronik von 28,6 Mrd. $ auf 69,8 Mrd. $. Bei der Autoelektronik wachsen die Werte von 669 Mio. $ auf 3,03 Mrd. $ und bei der Industrieelektronik von 31,4 Mrd. $ auf 62,5 Mrd. $.
Doch nun in schlaglichtartiger Auswahl ein paar besonders interessante Details aus der 57 Seiten starken Studie. Im besonders dynamischen Bereich der Leistungselektronik soll z.?B. der Markt für Spannungsregler von 2002 rund 540 Mio. $ bis 2007 auf rund 2,2 Mrd. $ expandieren, wobei die Zuwachsraten allerdings von rund 44 % in 2002 auf 15 % in 2007 sinken sollen. Den größten Bereich der Leistungs-Halbleiter stellen allerdings die diskreten Bauelemente – z.?B. einzelne Transistoren und Thyristoren – dar. Der Gesamtmarkt dieser Komponenten soll von 2002 rund 1,34 Mrd. $ bis 2007 auf knapp 2,6 Mrd. $ zulegen.
Zum Schwerpunkt Mobilkommunikation vermerkt iSuppli, dass in China schon mehr als 40 Unternehmen Handys aller Art herstellen. Während sie in 2002 rund 31,5 Mio. analoge Mobiltelefone auslieferten (deren Zahl bis 2007 auf knapp 27 Mio. sinken dürfte), produzierten sie immerhin schon gut 21,1 Mio. Digitalgeräte. In 2004 sollen dann 33,6 Mio., in 2007 sogar knapp 50 Mio. digitale Handys von den Bändern im Reich der Mitte laufen.
Und diese gehen keineswegs nur in den Export in die Industriestaaten Europas und Amerikas: Bereits 200 Mio. der rund 1,3 Mrd. Chinesen besaßen Ende 2002 ein Handy und der Bedarf, der beim Ausbau der entsprechenden Infrastruktur entsteht, soll bis 2007 pro Jahr um rund 5 % zulegen, was einem Gegenwert von dann 4,5 Mrd. $ entspricht. Das sind auch gute Aussichten für die Chiphersteller: Allein der Sektor der drahtlosen Kommunikation soll in China in 2007 Halbleiter im Wert von knapp 2,38 Mrd. $ aufnehmen, was im Vergleich zum Wert des Jahres 2002 – da waren es 1,14 Mrd $ – einem durchschnittlichen Plus von 15,8 % jährlich entsprechen würde.
Displays und Bildröhren als dritter Schwerpunktsektor profitieren schon alleine von der Tatsache, dass sich Chinas Produktion an digitalen Fernsehgeräten von 1 Mio. Stück in 2002 bis 2006 auf knapp 9,1 Mio. Stück fast verzehnfachen soll. Es ist also kein Wunder, dass allein der Halbleiterbedarf dieser Geräte von 2002 gut 160 Mio. $ bis 2006 auf gut 1,7 Mrd. $ klettern soll, also pro Jahr im Schnitt um 61 %.
Die wachsende Bedeutung Chinas als Elektronikproduzent zeigt sich natürlich auch an der steigenden Nachfrage nach entsprechenden Fertigungsmaschinen und -geräten. Hier soll der Markt zwischen 2002 und 2007 von 1,6 Mrd. $ auf knapp 4,8 Mrd. $ anwachsen. Bei diesen überwiegend importierten Geräten sind besonders Maschinen zur SMT-Produktion (der Oberflächenmontage von elektronischen Bauelementen auf Platinen) von Interesse. Wurden 2002 Geräte im Wert von 680 Mio. $ in Chinas Fabriken installiert, sollen bis 2007 diese Investitionen auf knapp 2,4 Mrd. $ anwachsen die Jahres-Zuwachsraten sollen dabei aber von anfangs 50 % auf unter 30 % sinken. Und noch eine Zahl verdeutlicht die Bedeutung Chinas: Laut iSuppli wird das Reich der Mitte gut die Hälfte (52 %) des zusätzlichen Halbleiterbedarfs der Welt ausmachen. Kurz gesagt: ohne China kein neuer Chip-Boom. EGON SCHMIDT/jdb

Von Egon Schmidt/Jens D. Billerbeck

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