Nanotechnologie 30.09.2005, 18:40 Uhr

„Ich wollte wissen, warum Keramik bricht“  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 30. 9. 05 – Um zu zeigen, wie spannend für Frauen die Arbeit im „Nanoversum“ ist und welche beruflichen Perspektiven sich bieten, schildern einige ihre Erfahrungen in Interviews.

Nucci: Die Nanotechnologie ist eine äußerst junge Wissenschaft. Die National Nanotechnology Initiative in den USA gibt es erst seit fünf Jahren, in Europa wurde die Nanotechnologie erstmals 2002 im Rahmen des 6. EU-Forschungsrahmenprogramms als Themenschwerpunkt aufgenommen.

VDI nachrichten: Und was fasziniert Sie an dieser neuen Technologie?

Nucci: Meine berufliche Basis ist die Biomedizin. Ich wechselte aber später in den Bereich der Materialwissenschaft, weil ich wissen wollte, warum sich Metalle biegen lassen und warum Keramik bricht. Voraussetzung hierfür sind Kenntnisse über atomare Strukturen. Das Aufregende der Nanotechnologie ist dabei auch, dass Wissenschaftler vieler Disziplinen eng zusammenarbeiten müssen

VDI nachrichten: Wie beurteilen Sie die beruflichen Perspektiven für junge Wissenschaftler im Nano-Umfeld?

Nucci: Die Chancen für Wissenschaftler und auch Ingenieure sind vielfältig, gerade auch in Europa und speziell in Deutschland. Die EU gibt derzeit rund 740 Mio. € an öffentlichen Fördermitteln für die Nanotechnologie aus. Das ist fast genauso viel wie in den USA. Mit rund 290 Mio. € an öffentlichen Fördermitteln nimmt Deutschland dabei einen Spitzenplatz in Europa ein. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat Projekte, die sich mit dem Nanokosmos beschäftigen, bereits seit Anfang der 90er Jahre gefördert. Seit 1998 wurden allein die im Rahmen der Projektförderung des BMBF bereitgestellten Fördermittel für Nanotechnologie vervierfacht. Die Hälfte aller Nano-Firmen in Europa sind deutsche Unternehmen. Ein echter Zukunftsmarkt.

VDI nachrichten: Auch für Frauen?

Nucci: Natürlich. Wir brauchen neben dem stereotypen, einsamen Forscher, der glücklich an seinem Labortisch arbeitet, vor allem Persönlichkeiten, die Dingen auf den Grund gehen, Menschen mit Visionen, die das Gesamtbild sehen, und die effektiv führen und managen können. Und das können Frauen genau so gut wie Männer.

VDI nachrichten: Wie ist denn die aktuelle Beschäftigungssituation für Frauen?

Nucci: Während meines Studiums habe ich nicht eine Professorin in einem wissenschaftlichen oder technischen Kurs erlebt. Nach von der EU veröffentlichen Zahlen lag der EU 15-Durchschnitt für Wissenschaftlerinnen aus allen Bereichen 2004 bei 27,2 %. Deutschland bildet das Schlusslicht mit 15,5 %. Nur in Japan gibt es weltweit eine schlechtere Quote mit 10,2 %!

VDI nachrichten: Die Frauenförderprogramme in Deutschland bleiben also ohne Wirkung?

Nucci: Trotz dieser Aktivitäten ist es bisher noch nicht gelungen, Stereotype auszuräumen und alte und neue Diskriminierungen abzubauen. Wenn wir unsere Einstellung nicht ändern und Frauen nicht motivieren, dann bleibt ihr Anteil in den Wissenschaften niedrig. Wir können dann sicherlich auch nicht von den Vorteilen profitieren, die uns zum Beispiel Nanowissenschaft und Nanotechnologie bieten. rus/Fr

Mehr zum Thema: Nano-Karrieretag für Studentinnen und junge Wissenschaftlerinnen sowie Nano-Tag für Girls am 18. bzw. 19. 11. in Paderborn, Kontakt: ilka.bickmann@women.de

 

Ein Beitrag von:

  • Gregor Frechen

  • Rudolf Schulze

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