Nanotechnologie 29.03.2002, 18:33 Uhr

Heilung vom Allerfeinsten

Die junge Branche der Nanomedizin sucht Ingenieure und Naturwissenschaftler, die gern interdisziplinär arbeiten. Sie sollen aus den Visionen der Nanotechnik handfeste Produkte machen – und Zahnärzte wie Forscherkollegen überzeugen.

Mit Zahnärzten kann sie etwas anfangen. Die schwafeln nicht rum, sondern kommen auf den Punkt. Mit Zahnärzten kann sie sich zum Beispiel über nanostrukturierte Titanimplantate unterhalten. „Das macht Spaß“, sagt Christiane Ziegler, da kommen „Ideen rüber“, „da weiß man, wozu Forschung gut ist.“

Die Professorin für Technische Physik an der Universität Kaiserslautern leitet das Kompetenzzentrum für Nanochemie, eine jener Einrichtungen, die für den deutschen Anschluss an die Hightech-Zukunft sorgen sollen. Christiane Ziegler bringt Nanotechnik von den Forschern zu den Anwendern und umgekehrt, erklärt Zahnärzten, Pharmazeuten und Automobilherstellern, warum sie von derselben Technik profitieren können.

Besonders in der Medizin gewinnen Nano- und Mikrotechnik an Bedeutung. Feinste Partikel, nur wenige milliardstel Meter klein, können Medikamente oder Erbgut in kranke Zellen und Gewebe schleusen, Tumoren zerstören oder Krankheitserreger frühzeitig entdecken helfen. Mikromotoren schleppen Katheter durch Adern und feinfühlige Sensoren verleihen Operationsrobotern Tastsinn oder helfen bei der Diagnose.

Von einer „Schlüsseltechnologie des nächsten Jahrhunderts“ schwärmt beispielsweise das Bundesforschungsministerium und hat ein millionenschweres Förderprogramm für Nanotechnik aufgelegt. Es kursieren Wachstumsprognosen von bis zu 20 % im Jahr, der Weltmarkt für die Kleinsttechniken, Nano- und Mikromedizin inklusive, solle schon innerhalb der nächsten zehn Jahre auf ein Volumen von bis zu 40 Mrd. Euro in die Höhe schnellen.

Nanomedizin ist kein Fach für Eigenbrötler. „Da sind Kommunikatoren und Organisationskünstler gefragt, die verschiedene Disziplinen zusammenbringen“, sagt Christiane Ziegler. „Man muss über das eigene Fach hinausblicken und interdisziplinär arbeiten können“. Das stresst, man kann sich leicht verzetteln, ja aufreiben. Wehe, einer forscht dem Mediziner ungebeten ins Revier hinein. Die junge Technik verknüpft Mikro-, Material-, Medizin-, Bio- und Präzisionstechniken und ist deshalb für einen Physiker ebenso interessant wie für einen Ingenieur, Chemiker oder Mediziner.

„Jeder, der bei uns anfängt, muss sich erst einmal die Fachausdrücke abgewöhnen“, erklärt Thomas Grundwald, technischer Leiter der eBiochipSystems GmbH. Die Elektroingenieure, Biochemiker und Physiker des Unternehmens sind bei ihrer Arbeit auf den Rat von Medizinern angewiesen. Da muss man sein Anliegen mit einfachen Worten erklären können. eBiochip-Systems stellt elektrische Biochips her. Die winzigen Chips sind mit Elektroden ausgestattet. Sie sollen beispielsweise Ärzten bei der Diagnose helfen.

Über mangelnde Bewerbungen kann Grunwald nicht klagen. „Viele Leute reizt das Modewort Nanotechnik“, erklärt er. Auch Reiner Götzen, Geschäftsführer von microTEC, Duisburg, hat keine Probleme, qualifizierte Mitarbeiter zu finden.

Seine Firma stellt winzige Kunstoffteilchen und Mikrosysteme her, die in Medizintechnik und Optik eingesetzt werden. „Einmal hatte ich die Unterlagen eines MIT-Forschers auf dem Tisch“, sagt der Elektrotechnikingenieur. Aber den wollte er lieber nicht einstellen, aus Angst, der könne „gleich nach einem Jahr wieder verschwinden und mit ihm das, was er bei uns gelernt hat“.

Berühmt wurde Götzen als Erfinder des „Micro-U-Boots“, das einen Durchmesser von nur einem halben Millimeter hat. Gemeinsam mit Medizinern hat das Unternehmen außerdem Micro-Pillen entwickelt. „Kleine Sensoren sollen feststellen, wann und wo das Medikament abgegeben werden soll“, erklärt Götzen. Das Problem: Nach Ende der Mission im Darm muss die Hightech-Pille aus dem Stuhl herausgefischt werden.

Für die Feinstarbeit beschäftigt Götzen Uhrmacher und Goldschmiede – „die kennen sich aus mit kleinen Dingen“. Zwar ist der „Mikrotechnologe“ ein anerkannter Beruf, doch hat noch niemand die dreijährige Ausbildung beendet – die Ersten werden in diesem Jahr fertig.

„Als Forscher muss man aufpassen, nicht dem Winzigkeits-Hype zu erliegen“, sagt Christiane Ziegler. Sonst findet man sich im Feuilleton wieder und wird von seinen Kollegen nicht ernst genommen wie der Nano-Visionär Eric Drexler. Seit der Computerforscher Bill Joy apokalyptische Szenarien ausbreitet, basierend auf Drexlers Spekulationen, geistern heilende Nanoroboter und ähnliche Wundermaschinen durch die Debatte. Auch Ziegler träumt gern. Doch sie sagt: „Erst träumen, dann mal schauen.“ eb

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