Frühwarnsystem im Armband 30.10.2014, 14:45 Uhr

Google will mit Nanopartikeln Krebs und drohende Herzattacken im Menschen aufspüren

Google will rein in den Menschen. Das neueste futuristische Spezialprojekt des US-Internetgiganten: Eine Technik, die eine Art Frühwarnsystem für Krebs und andere Krankheiten werden soll. Dazu sollen winzige Nanopartikel in die Blutlaufbahn eingeschleust werden. Und ein Armband zeigt, wie es um die Gesundheit steht.

Krebszelle: Google arbeitet an einer Technik, die frühzeitig im Körper krankhafte Veränderungen aufspüren soll. Dazu sollen winzige Nanopartikel in die Blutlaufbahn eingeschleust werden. Informationen über den Gesundheitszustand sollen über ein Armband abrufbar sein. 

Krebszelle: Google arbeitet an einer Technik, die frühzeitig im Körper krankhafte Veränderungen aufspüren soll. Dazu sollen winzige Nanopartikel in die Blutlaufbahn eingeschleust werden. Informationen über den Gesundheitszustand sollen über ein Armband abrufbar sein. 

Foto: dpa/Lutz Langbein

Die geplante Methode soll zunächst eine Art Frühwarnsystem sein. Google will damit kranke Körperzellen aufspüren und beispielsweise die Heilungschancen bei Krebs erhöhen oder drohende Herzattacken verhindern. „Jeder Test, für den sie einen Arzt aufsuchen, soll durch dieses System ersetzt werden“, erklärte Andrew Conrad auf einer Technikkonferenz der amerikanischen Zeitung The Wall Street Journal. Conrad leitet das Team für Lebenswissenschaften im Labor Google X. Die Forscher dort, so wurde im Juli bekannt, wollen alle medizinischen Daten über Menschen sammeln. Am Anfang sollen es knapp 200 Personen sein, später Tausende.

Magnetische Nanopartikel als Tablette schlucken

Für das Frühwarnsystem will das Forscherteam in Googles Geheimlabor magnetische Nanopartikel in den menschlichen Blutkreislauf einschleusen: Der Patient schluckt einfach eine Tablette. Die Nanopartikel darin sind nur so groß wie ein Tausendstel eines roten Blutkörperchens. Dessen mittlerer Durchmesser liegt übrigens bei sechs bis acht Mikrometern. Solange sich die Partikel frei bewegen, ist alles im grünen Bereich. Doch sobald sie an eine Zelle andocken, geht der Alarm los: Die Informationen werden dann nach außen transportiert – an ein Armband, das der Patient trägt und das mit Sensoren ausgestattet ist.

Auch dauerhafte Kontrolle vorstellbar

Abgesehen vom Vorsorgetest könnte dieses System dauerhaft den Gesundheitszustand kontrollieren. Das ist das erklärte Fernziel von Google. Die  winzigen Nanoteilchen würden dann dauerhaft im Körper bleiben und verdächtige Zellen, Proteine und andere Moleküle ausspähen. Kleinste Veränderungen könnten dann sogar in Echtzeit über das Armband gemeldet werden.

Google streitet kommerzielle Interessen ab

Google-Forscher Conrad machte allerdings klar, dass diese futuristische Nanopartikel-Technik absolut in den Kinderschuhen steckt. Bis sie durchdacht  und das spezielle Armband fertig ist, werde es mindestens noch mindestens fünf Jahre dauern. Bis zur Marktreife würden weitere Jahre vergehen. Die Endprodukte will Google nicht selbst verkaufen. Zurzeit sucht der Konzern nach Investoren. Geplant ist die Technik an Unternehmen zu lizenzieren. Die Geräte sollen dann als Medizinprodukte verschrieben werden. Google selbst werde daher keine medizinischen Daten von Menschen sammeln und keinen Kommerz machen, betonte Conrad.

Kommerzielle Interessen spielen angeblich bei Googles medizinischen Ambinationen keine Rolle.

Kommerzielle Interessen spielen angeblich bei Googles medizinischen Ambinationen keine Rolle.

Foto: dpa/Ole Spata

Schon als Anfang des Jahres bekannt wurde, dass an einer Kontaktlinse für Diabetiker gearbeitet, hatte das Unternehmen jegliche kommerziellen Interessen abgestritten: „Wir haben immer gesagt, dass wir Projekte erforschen, die bahnbrechend sind oder vielleicht auch ein wenig merkwürdig erscheinen.“ Mit der Diabetiker-Kontaktlinse sollen die Betroffenen künftig ganz schmerzfrei ihren Blutzucker beobachten können.

Skepsis bei Krebsexperten

Die Reaktionen auf Googles aktuellen Vorstoß fallen verhalten aus. So sagte Otmar Wiestler, der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg gegenüber faz.net: Prinzipiell seien Nanopartikel eine interessante Perspektive für die Diagnose und auch Behandlung von Krebserkrankungen. Aber: „Bevor eine solche Technik routinemäßig zur Früherkennung von Krebs eingesetzt werden kann, wird es nach meiner Überzeugung noch viele Jahre dauern.“

Auch Forscher in Deutschland experimentieren mit den winzigen Teilchen. So etwa das Fraunhofer Institut für Angewandte Polymerforschung in Potsdam. Dort wurden Nanopartikel als Transportvehikel eingesetzt, um Krebsmedikamente zu Tumoren zu bringen. Im vergangenen Jahr wiesen die Forscher in Labortests nach, dass mit der Technik weniger Krebszellen überleben. 

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