Nanotechnologie 01.10.2004, 18:33 Uhr

Auf diesem Lack wird es bald keine Kratzer mehr geben

Wer einen interdisziplinären Arbeitsplatz mit höchstem Innovationspotenzial sucht, ist in der Nanotechnik genau richtig aufgehoben. Nicht nur das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert die Nanotechnik als eine der Zukunftstechnologien des 21. Jahrhunderts, auch Industrie und Wirtschaft haben längst das enorme Innovationspotenzial der Nanotechnik entdeckt.

Die großen Katalysatoren für interdisziplinäre Zusammenarbeit der Nanotechnik sind die Nanobiotechnik, die Nanomedizin, und die Nanoelektronik. Dadurch sind die industriellen Anwendungsfelder, in denen Nanotechnik eingesetzt werden kann, sehr vielfältig. Beispielsweise forscht die Textilindustrie bereits seit einiger Zeit an Nano-Oberflächenbeschichtungen, um nicht nur wasserfeste, sondern auch schmutzresistente Kleidung herzustellen. Die perfekte Oberfläche dank Nanotechnik hat etwa Schoeller entwickelt. Für namhafte Textilunternehmen stellen sie eine wasser- und schmutzabweisende Ausrüstungstechnologie her. Dabei werden Nanopartikel fest in der Matrix der Oberfläche eingebunden. Bekleidungshersteller auf der ganzen Welt nutzen bereits diese patentierte Oberflächenbeschichtung. Das Wichtigste sei das Wohlbefinden des Menschen, das mit Hilfe der Nanotechnik unterstützt werden kann, erklärt Hübner.

„Wir denken etwa an Bekleidung, die mit Vitaminen oder homöopathischen Substanzen aufgeladen wird und so den Menschen beim Sport unterstützen kann. Diese Substanzen könnten dann einfach in der Waschmaschine ans Textil gedockt werden, “ so Hübner.

Bei diesem visionären Ausblick könnte man meinen, die Nanotechnik sei die Entdeckung des 21. Jahrhunderts. Neu ist der Einsatz von Nanopartikeln allerdings keineswegs. Bereits im 17. Jahrhundert leuchteten die Kirchenfenster dank Nanopartikeln rot. Flüssiges Gold, das in die Kirchengläser eingeschmolzen wurde, liegt im festen Zustand nanoskalig vor. Aufgrund des hohen Oberflächenanteils der Nanopartikel kommt es zu Änderungen der elektronischen Struktur der Partikel, die das Gold in der Glasstruktur rot leuchten lassen.

Neu ist der kommerzielle Einsatz der Nanotechnik. Viele Unternehmen, etwa Beiersdorf und DaimlerChrysler, forschen bereits seit mehr als zehn Jahren in der Nanotechnik. Sicher ist, dass die Nanotechnik nicht nur autovernarrten Männern ein Leben im Einklang mit Frau und Auto beschert. Beruflich gesehen birgt die „Welt der Zwerge“ ein immenses Potenzial – ob in Forschung und Entwicklung, Anwendung oder Vermarktung.

JULIA SCHLINGMANN

Studium

Wer in Sachen Nanotechnik eine Hochschulkarriere anstrebt, wird im Nanoforum über alle derzeitigen nationalen und internationalen Studienangebote informiert. Von der Homepage geht es mit Klick auf den Link „Education/Career“ direkt zu der Liste, die sowohl Nanotechnik-Studiengänge als auch Studienschwerpunkte anbietet.

Anforderungen

Ingenieure und Physiker in einem Boot

Die Unternehmenschefs aller Branchen sind sich einig: Die Nanotechnik bietet beste berufliche Perspektiven. Aufgrund der Interdisziplinarität sind unterschiedlichste Qualifikationen gefragt. Chemiker, Physiker, Ingenieure, Informatiker, Elektrotechniker,

Systemtechniker und Materialwissenschaftler arbeiten heute und in Zukunft gemeinsam an der Entwicklung, Anwendung und Vermarktung der Nanotechnik. „Wenn es in zwei bis drei Jahren die ersten Absolventen im Bereich der Nanotechnik geben wird, dann sind diese besonders gefragt“, so Dr. Andreas Gutsch, Managing Director bei der Degussa AG, Creavis Technologies and Innovation. Doch die Querschnittstechnologie werde stets die Mitarbeit nahezu aller naturwissenschaftlichen Disziplinen verlangen.

Einzigartig ist die vertikale Integration von Forschungsgesellschaften, Hochschulen, Industrie und Wirtschaft. Die deutsche Forschungsgesellschaft, die EU und das BMBF fördern diese Kooperation, die eine völlig neue Forschungsstruktur in Deutschland schafft. „Dank dieser engen Kooperation wird der Weg von Forschung und Entwicklung bis hin zur konkreten Produktumsetzung immer kürzer“, weiß Gutsch. JS

 

Von Julia Schlingmann

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