RFID-Technik 07.05.2010, 19:46 Uhr

RFID-Lösungen: Nichts von der Stange

Kleidungsstücke, Autozubehör oder Baumaschinen – all diese Gegenstände müssen für Unternehmen zähl- bzw. ortbar sein. Grund genug für die Branche rund um automatische Identifikation, auf der Messe Euro ID (4. bis 6. 5.) Lösungen vorzustellen. Experten sind sich sicher: RFID kann dabei helfen. Die Euphorie über die kontaktlose Funktechnik ist nunmehr einem gesunden Realismus gewichen.

Wenn gestandene Geschäftsführer mittelständischer Unternehmen mit Gabelstaplern Päckchen in Regale hieven, sie dann wieder wegnehmen und dabei ständig auf Bildschirmstatistiken deuten, dann kann es sich nur um eine Logistikvorführung auf der Euro ID handeln. Für die rund 100 Aussteller und zirka 3000 Fachbesucher standen während der branchenübergreifenden Messe für automatische Identifikation Netzwerke und die Optimierung von Geschäftsprozesse im Vordergrund.

Päckchen raus, einmal durchs Gate fahren, die verschiedenen Chargen werden auf einen Schlag erfasst. Im Tracking & Tracing Theatre wurde es anschaulich: RFID (Radio Frequency Identification) macht möglich, was dem Barcode versagt bleibt: die zeitgleiche Erfassung mehrerer Stücke im Pulk.

Wenige Meter weiter, dort wo es in Vorträgen um praktische RFID- und Auto-ID-Lösungen für den Mittelstand ging, packte Reinhard Gäbler, Projektleiter RFID der Salt Solutions, diesen Fakt in Zahlen: „Für die Inventur bei einem kleinen Gerry Weber Shop braucht man mit klassischen EANs 20 Minuten, mit RFID 20 Sekunden.“ EAN ist die Europäische Artikelnummer, die aus einem Strich-
code und einer Ziffernfolge besteht. Die Dresdner Salt Solutions hat sich mit ihrem Warenwirtschaftssystem auf die Textilbranche spezialisiert. Gäbler weiß: „RFID inside erleichtert manchmal das Leben.“ Die Technik sei aber nicht immer die Lösung aller Probleme.

Glaubte man noch vor wenigen Jahren an den „Tag“ (Chip und Antenne) auf jedem Joghurtbecher, so zeigt sich hier heute mehr Realitätssinn. Auf Palettenebene gebe es viele Anwendungen, aber eben nicht auf Produkten, erklärte Andreas Duscha vom Institut für Handelsforschung: „Die Wertschöpfungspotenziale fehlen. Es gibt immer noch Techniktücken wie Wasser und Metall.“

Ganz anders dagegen sieht es in Branchen aus, die z. B. mit hochwertigen Produkten arbeiten, wo Fälschungen und Diebstahl zu echten Problemen führen können. „Die Flugzeugindustrie, Firmen wie Airbus oder EADS bestücken mittlerweile all ihre Teile mit RFID-Tags“, erklärte Wolf-Rüdiger Hansen, Geschäftsführer des Industrieverbands AIM-Deutschland (Automatische Identifikation, Datenerfassung und Mobile Datenkommunikation).

In der Ausstellung beschrieben derweil Martin Boll von Daimler und Oelheim Dierk von IBM Interessierten ihr jüngstes gemeinsames Projekt: RFID-gestütztes Management für Motorladungsträger. Dabei werden im Berliner Werk auf die Metallgestelle zum Transport von Maybach- und Mercedes-Motoren größere RFID-Tags genietet. Zwei Gates helfen beim kontaktlosen Registrieren von Ausgängen und Rückläufen. „Jetzt können wir zügig 2500 Ladungsträger lokalisieren“, freut sich Boll. Doch er weiß auch, wie viel Arbeit hinter diesem einfach klingenden Projekt steckt. Wie lässt sich die Leseperformance in einer metallenen Umgebung garantieren? Welcher Tag im UHF-Bereich schafft es seitlich zu funken? Dierk erklärte dazu: „Wir haben an vielen Baustellen gearbeitet.“ Mit Erfolg – zumindest in diesem kleinen Teilbereich.

Vertreter der Automobil- und Zuliefererbranche wollen noch einen Schritt weiter gehen. Am 17. Mai wird RAN, das RFID based Automotive Network, auf einer Konferenz des Bundeswirtschaftsministeriums vorgestellt. BMW, Bosch, Rehau, DHL, eventuell auch Opel werden sich gemeinsam mit IBM und Daimler auf die Suche nach geschlossenen Identifikationsketten in der Automobilbranche machen. Schließlich geht es darum, hochwertige Waren rund um den gesamten Globus zu verschicken und zu begleiten. Audi und VW diskutieren noch, Ford auch, heißt es auf der Euro ID hinter vorgehaltener Hand.

Fest steht: Alle, die mit der Einführung von RFID-Lösungen beschäftigt sind, bestätigen Dierks Einschätzung: „Es gibt keine Out-of the-Box-Lösung bei RFID-Projekten.“ Das zeigen auch die spannenden Projekte des Fraunhofer IMS.

Die Duisburger demonstrierten in Köln mehrere Highlights, darunter einen Bauvibrator mit RFID-Sensorik. Die Problemstellung: Maschinenverleiher Thyssen klagte immer wieder darüber, dass von Bauunternehmen zu kleine Rüttler für zu große Spundwände eingesetzt werden. Die Folge: früher Verschleiß und jede Menge Reparaturen, die den Entleihern mangels Beweisen nicht in Rechnung gestellt werden konnten.

Das neue Sensortransponder-Modul sorgt für Abhilfe, indem es neben der Datenerfassung über RFID u. a. die Schwingungen am Bauvibrator misst. „Jetzt lässt sich mithilfe der Fourrier-Analyse feststellen, ob die Maschinen korrekt betrieben wurden“, erklärte Entwickler Frederic Meyer. Er und sein Vertriebskollege Michael Bollerott wissen genau, wie an dieser Lösung bis ins kleinste Detail gefeilt werden musste. Und sie bestätigen: RFID-Lösungen – erst Recht in Kombination mit Sensorik – gibt es eben nicht von der Stange. REGINE BÖNSCH

Von Regine Bönsch
Von Regine Bönsch

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