Halbleiter 22.12.2006, 19:25 Uhr

Pro-Kopf-Verbrauch an Chips wächst kräftig  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 22. 12. 06, jdb – Weltweit wuchs der Halbleitermarkt dieses Jahr um 9 % auf jetzt 258,53 Mrd. $. Zwar schrumpfte der hiesige Markt im gleichen Zeitraum um 3 %, doch zeigt sich bei langfristiger Betrachtung, dass Deutschland im globalen Vergleich gar nicht so schlecht dasteht.

Nimmt man den Pro-Kopf-Verbrauch an Halbleitern in einem Land als Maßstab für die Stärke der Elektronikindustrie, dann steht Deutschland im weltweiten Vergleich recht gut da. Mit rund 180 $ Pro-Kopf-Verbrauch liegt die Bundesrepublik 2005 bereits deutlich vor den USA, die wegen Produktionsverlagerungen ins Ausland nur noch auf knapp 120 $ kommen. „Bis 2010 wird sich Deutschland aufgrund der starken Automobilelektronik voraussichtlich noch weiter vom Mittelfeld absetzen,“ sagte Wolfgang Hofmann, Marktexperte des ZVEI-Fachverbandes Electronic Components and Systems bei der Vorstellung der neuesten Mikroelektronik-Trendanalyse in München. Mit 240 $ Pro-Kopf-Verbrauch wird dann auch Westeuropa um mehr als den Faktor zwei überflügelt.

Laut Hofmann, der den Trendbericht gemeinsam mit seinem Kollegen Ulrich Schäfer erstellte, ist auch Deutschland offenbar kaum von den Produktionsverlagerungen nach Osteuropa oder Asien betroffen: Noch 2000 hatte der deutsche Absatzmarkt für Halbleiter mit 11,4 Mrd. $ einen Anteil von 5,6 % am Weltmarkt. „Bis 2005 stieg dieser Anteil deutlich auf 6,4 % an. Am europäischen Markt haben wir unseren Anteil sogar von 27,1 % auf 36,9 % erhöhen können.“

Und es kommt noch besser. Unter den zehn Ländern mit den größten Mikroelektronikmärkten war Deutschland das einzige Land der westlichen Hemisphäre, das überhaupt Wachstum in den letzten fünf Jahren verzeichnen konnte: um durchschnittlich 4,9 %. Nur vier Länder konnten laut Hofmann stärker wachsen: China, Taiwan, Korea und Singapur. Auch hier ist es vor allem die Automobilelektronik, die eine Stärke des deutschen Marktes ist: „Der Automobil-Mikroelektronikmarkt in Deutschland macht rund 22 % des weltweiten Marktes aus“, erläutert Schäfer.

Insgesamt ist der Halbleitermarkt in 2006 laut iSuppli um 9 % auf 258,5 Mrd. $ gewachsen, wobei der Umsatz mit Mikroprozessoren aufgrund der Preiskämpfe zwischen AMD und Intel um 6,6 % zurückging. Der Umsatz mit Halbleitern in Deutschland war im November erneut höher als im Vormonat. Der Umsatz blieb laut ZVEI allerdings um 4 % hinter dem gleichen Monat des Vorjahres zurück. Der ZVEI erwartet daher auch für das Gesamtjahr weiterhin ein Minus von 3 % gegenüber 2005.

Der Preisverfall bei Mikroprozessoren ist ein Grund für diesen Rückgang. Doch Hofmann sieht noch einen weiteren Effekt: „Der Trend hin zu Notebooks führt dazu, dass die Prozessoren nicht mehr – wie bei den Desktops – erst hier in Deutschland aufgesteckt werden.“ Vielmehr würden sie bei mobilen Rechnern gleich bei der Bestückung der Motherboards aufgelötet, was zu einem dauerhaften Verlust in diesem Marktsegment führen könnte.

Für das Jahr 2007 erwarten alle Auguren einen Zuwachs, wobei dieser derzeit zwischen 4,8 % und 10 % prognostiziert wird. Da laut Hofmann das langjährige mittlere Wachstum der Mikroelektronik mittlerweile von historischen 15 % auf 7 % bis 8 % geschrumpft ist, könnte es also ein durchschnittliches Jahr werden.

Die Rangfolge der Top-Halbleiterunternehmen ist übrigens 2006 erneut durcheinandergewürfelt worden: AMD konnte durch Übernahme von ATI kräftig zulegen (90 % !), und Infineon rutschte durch Abspaltung des Speicherherstellers Qimonda auf Position 14, Qimonda erreichte Platz 12. Gemeinsam wären die beiden auf Platz vier der Rangliste gelandet. jdb

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  • Jens D. Billerbeck

    Jens D. Billerbeck

    Leiter Content Management im VDI Verlag. Studierte Elektrotechnik in Duisburg und arbeitet seit seiner Schulzeit jounalistisch. Nach Volontariat und Studienabschluss Redakteur der VDI nachrichten u. a. für Mikroelektronik, Hard- und Software, digitale Medien und mehr.

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