Halbleiter 14.05.1999, 17:21 Uhr

National: kurzer Prozeß mit Prozessoren

National Semiconductor trennt sich nach knapp zwei Jahren wieder vom Prozessor-Spezialisten Cyrix. „Gegen Intel anzugehen, ist wie mit dem Kopf gegen die Wand zu schlagen“, stöhnt Brian Halla, Chef des kalifornischen Chipmachers, „und es fühlt sich verdammt gut an, wenn man damit aufhört.“

National Semiconductor trennt sich von seiner texanischen Chipschmiede Cyrix. Sie hat in den vergangenen 18 Monaten nichts als Verluste gebracht. Und damit trennt sich National auch vom Geschäft mit PC-Prozessoren, nach mehr als 20 Jahren mäßig erfolgreichen Wettlaufs mit den Konkurrenten Intel und AMD. Der Ankauf von Cyrix für 500 Mio. Dollar, eines der wenigen ernstzunehmenden Intel-Herausforderer, war Hallas erste strategische Tat. Damals kursierte das Schlagwort vom Sub-500-Dollar-PC, und da sah er mit Cyrix kompakten M2-Prozessoren seine Chance gegen Intels teure Pentiums. Auch im Rückblick kein Fehler? Nein, meint Halla, das Billiggeschäft mit Prozessoren habe sich eben geändert. Nach knapp zwei Jahren ist der Zeitpunkt zum Ausstieg da.
Das heißt unter anderem: Streichung von 500 Jobs und Schließung der neuen Waferfabrik in South Portland, Maine, die noch in diesem Jahr in der neuesten 180-nm-Technik fertigen sollte. Sie steht zum Verkauf, ebenso wie die Technologie für die Prozessorlinie M2. Einzige Ausnahme: der MediaGX. Halla will ihn für seine weiteren Pläne mit Internet-Appliances verwenden.
Der Preiskampf kam unerwartet von oben, von Intel, wo Halla nur Technologie-Dominanz vermutet hatte. Mit zahllosen preislich abgestimmten Prozessortypen, vom ersten noch leicht daneben gezielten „Celeron“ bis zum Hochleistungs-„Xeon“ holte Intel die gefährlichen Billiganbieter unerwartet schnell und gründlich ein.
Das hat die Herausforderer AMD, National Semiconductor, IDT/Centauer und Rise Technology in noch tiefere und engere Preisnischen gezwungen. Selbst AMD konnte seine anfänglichen Erfolge im unteren Segment nur kurze Zeit nutzen, bis Fertigungsprobleme und radikale Preisschnitte seitens Intel diesen Vorsprung im Laufe des letzten Jahres wieder wettgemacht haben.
Nun ist also der andere Silicon-Valley-Pionier, gegründet vom fanatischen Fertigungsspezialisten Charles Sporck, mit fundamentaler Umstrukturierung dran: weg von der eigenen Fertigung, hin zum Outsourcing im „Fabless“-Modell. Auch das ist nicht ohne Risiko – nämlich dann, wenn der Halbleitermarkt scharf anzieht und jede Kapazitätslücke gesucht ist. Da kann mangelnde Fertigungskapazität, eigene oder angemietete, rasch zum gefährlichen Engpaß werden.
Und der Halbleitermarkt scheint in diesem Jahr, nach der allgemeinen Trauerrunde 1998, wieder anzuziehen. Am selben Tag, als National die Aufgabe des PC-Geschäfts verkündete, meldete der US-Halbleiterverband SIA (Semiconductor Industry Association) einen mehr als 11 %igen Anstieg der weltweiten Chipumsätze im März 1999 gegenüber dem März 1998. Andere Beobachter sehen noch in diesem Jahr einen „Spurt“ der Märkte zwischen 8 % und 12 % und im nächsten Jahr einen kräftigen Aufschwung von 20 %. Die Lager der Distributoren sind mehr oder weniger leer – das verspricht eine Festigung der gesunkenen Preise, insbesondere für die stark zyklischen Dram-Speicherchips.

Boom der Info-Appliances ist noch nicht in Sicht

Daß die Preise für Billig-PC in einer permanenten Spirale trudeln, ist mittlerweile ein akzeptierter „fact of life“. Der große Boom mit digitalen Kameras und Videoplayern, drahtlosen Internet-Terminals und Web-vernetzten Haushaltsgeräten ist dagegen noch nicht in Sicht. Die Marktaussichten in Asia-Pacific, insbesondere in China, sind im Moment eher trübe bis gedämpft.
Deshalb ist Halla den ständigen Preisverfall der PC-Prozessoren leid. Nationals Marktanteil lag ohnehin bei nur 5,4 % – gegenüber Intels 80,3 % und AMDs 13,6 %. Noch anämischer stolpern nur die Nachwuchswettbewerber IDT/Centaur und Rise Technology mit weniger als 1 % auf ihrem steinigen Weg des ewigen Unterbietens.
Halla am 5. Mai: „Wir werden ab sofort mit dem Preiskampf im PC-Prozessormarkt aufhören.“ Der Aktienmarkt honorierte den kurzfristigen Ausstieg mit einem sofortigen, enthusiastischen Plus von 20 %.
Natürlich kostet auch der Ausstieg Geld: an die 250 Mio. Dollar. Die neue Waferfabrik in South Portland, Maine, erst vor Jahresfrist eingeweiht, muß dran glauben. Wie das M2-Portfolio von Cyrix steht sie zum baldigen Verkauf. Bei Bedarf will Halla sie jedoch flexibel als „Foundry“ wieder anmieten. Die Rückkehr zur analogen Technik, vor dem Anbruch der Mikroprozessor-Ära die eigentliche Stärke von National Semiconducor, könnte da helfen. Sie fährt immer noch 70 % des Umsatzes ein. Neben den bewährten Analog-Chips will sich Halla nun seiner Vision der miniaturisierten Webterminals und intelligenten Haushaltsgeräte widmen. Sie erfordern speziell ausgelegte, preislich scharf getrimmte Prozessoren. Da will er in Zukunft mithalten.
Ein klarer strategischer Fehler Hallas war, so urteilt der renommierte Branchenkenner Michael Slater (MicroDesign Resources), die Aufkündigung des Fertigungs- und Vertriebspaktes mit IBM zugunsten der Eigenfertigung in Maine. Der Verlust von IBMs aggressiven Vertriebskanälen drückte, so Slater, im 4. Quartal 1998 den Absatz von 3 Mio. auf 1,4 Mio. Stück.
Über die potentiellen Käufer für Cyrix und die Waferfab gehen die Meinungen auseinander. Anfangs kreisten die Gerüchte um die Chip-Foundry TSMC, doch die ließ schnell dementieren. Dann kamen andere Käufer ins Gespräch, auch IBM.
Das wäre im Hinblick auf die Patentlage mit Intel eine elegante Lösung. Doch auch da rührt sich nichts. „Ich nehme an, man hat das durchdiskutiert“, meint Michael Slater, „und die Sache ist durchgefallen.“ Bliebe ein finanzstarker europäischer Wettbewerber auf der Suche nach Silicon-Valley-Technologiekompetenz. ST Microelectronics wäre ein geeigneter Kandidat. Aber auch hier: Schweigen.
WERNER SCHULZ
Auf Information Appliances mit Cyrix MediaGX-Prozessoren setzt National auch in Zukunft.
National-CEO Brian Halla zieht die Konsequenzen aus dem verlustbringenden Rennen mit Intel: Lieber ein Ende mit Schrecken…

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