Miniaturisierte Mikroelektronik 30.08.2013, 14:54 Uhr

Mit Lisa/S in die Luft

Der kleinste Autopilot der Welt lenkt Drohnen und Modellflugzeuge. Soft- und Hardware sind nicht geschützt. Jeder kann die Pläne kostenlos nutzen.

Der kleinste Autopilot der Welt namens Lisa/S ist vorne an der Drohne angebracht.

Der kleinste Autopilot der Welt namens Lisa/S ist vorne an der Drohne angebracht.

Foto: 1 Bit Squared

Der kleinste Autopilot der Welt ist in Kürze für 230 US-Dollar zu haben. Er ist in der Lage, Modellflugzeuge und hubschrauberähnliche Drohnen völlig selbstständig zu steuern. Bis zu sechs Motoren hören auf das Kommando der Elektronik, die auf einer quadratischen Platine mit der Kantenlänge zwei Zentimeter montiert ist. Die gesamte Anordnung ist gerade mal fünf Millimeter dick und wiegt 2,8 Gramm, weniger als ein Zehntel des Vorgängermodells.

Lisa/S heißt der Autopilot. Er enthält einen Mikroprozessor mit einem Arbeitsspeicher von 16 Kilobytes und einem Flashspeicher von 512 Kilobytes. Außerdem befinden sich auf der Platine mehrere Sensoren: Ein Gyroskop und ein Magnetometer, die gemeinsam als elektronischer Kompass fungieren, ein Beschleunigungsmesser, ein Barometer zur Höhenbestimmung und ein GPS-Empfänger.

Der Lisa/S-Chip.

Der Lisa/S-Chip.

Foto: 1 Bit Squared

Chipdesigner an der Technischen Universität Delft in den Niederlanden haben das Steuergerät entwickelt. Die verwendete Software basiert auf dem Projekt Paparazzi, das an der französischen Hochschule für zivile Luftfahrt entwickelt wurde. Soft- und Hardware sind quelloffen, sind also nicht geschützt. Jeder kann sie kostenlos nutzen. „Wir haben uns für Open Source entschieden, um Lisa/S allen verfügbar zu machen“, sagt Projektleiter Bart Remes. Das US-Unternehmen 1 Bit Squared will die Steuerung Anfang nächsten Jahres auf den Markt bringen, damit auch die, die keine begnadeten Bastler sind, Lisa/S nutzen können.

Eine Drohne für jeden Feuerwehrmann

„Bisher steht diese Technik nur Militärs zur Verfügung“, sagt Remes. „Nach meinen Vorstellungen wird künftig jeder Feuerwehrmann eine Drohne mit Lisa/S in der Tasche haben.“ Diese kleinen Fluggeräte sind dann mit einer Kamera ausgestattet, die Katastrophenhelfern einen Überblick über das Ausmaß verschaffen. Micro Air Vehicles (MAV) lassen sich allerdings auch missbrauchen, etwa zum Ausspionieren von Nachbarn oder von künftigen Einbruchzielen.

Remes, der seit seinem sechsten Lebensjahr Kleinflugzeuge bastelt, hält die Beschäftigung von Studenten mit MAV für extrem wichtig. „Normalerweise haben sie nur mit Computersimulationen zu tun“, sagt er. „Am MAV-Labor der Universität in Delft  lernen sie den Umgang mit realer Technik.“

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