Halbleiter 29.01.2010, 19:44 Uhr

Halbleiterindustrie peilt 2010 wieder Wachstum an  

Für Intel-Chef Paul Otellini ist das Halbleitergeschäft wieder im Aufschwung – und immer noch aufregend wie vor 30 Jahren: „Verglichen mit den 70ern“, äußerte er sich vorletzte Woche in der New York Times mit Stolz auf sein Ergebnis im Schlussquartal des Krisenjahres 2009, „sind wir wendiger, wettbewerbsfähiger und flexibler denn je.“ VDI nachrichten, Düsseldorf, 29. 1. 10, jdb

Wendig, wettbewerbsfähig und flexibel – das sind die Attribute, die die Industrie mehr denn je braucht, um den Anschluss an den innovativen Schwung ihrer glorreichen vierzigjährigen Geschichte zu finden. Da hat der „Branchenprimus“ Intel mit 10,6 Mrd. $ Umsatz und einer Bruttomarge von 65 % im 4. Quartal 2009 (abzüglich milliardenschwerer Kartellstrafen) ein Finish hingelegt, das die Stimmung der Industrie schlagartig aufgehellt hat und von der Finanzwelt geradezu euphorisch als Befreiungsschlag empfunden wird.

Daneben verblasst, dass 2009 alle Chipmacher – auch Intel – Federn lassen mussten. Überdies bahnt sich ein kostspieliger, für viele kaum zu schaffender technologischer Übergang zu Strukturgrößen von 45 nm und 28 nm an. Parallel geht die durch die Krise beschleunigte Konsolidierung der Industrie weiter: hin zu einigen wenigen klassischen Anbietern mit eigenen Fabriken und dem verstärkten Trend zum Foundry-Modell. Da dominieren der Taiwaner TSMC (29 % Marktanteil) und der aus dem früheren Intel-Herausforderer AMD hervorgegangene Anbieter Globalfoundries (26 % Anteil) mit Kunden wie Qualcomm und dem Europäer STMicroelectronics.

Der Einbruch Ende 2008 und der verlustreiche Dämmerschlaf im Jahr 2009 scheinen also ausgestanden. Genaueres weiß man aber erst, wenn auch die anderen Chipmacher und weitere Anwendersegmente in den nächsten Wochen ihre Ergebnisse präsentieren. Bis dahin bleibt es beim Hoffen und Bangen. Immerhin: Intels Erzrivale AMD hat im Schlussquartal 2009, nicht zuletzt durch Ausgleichszahlungen Intels für beigelegte Kartellstreitigkeiten, wieder die schwarzen Zahlen erreicht.

Auch das Industry Strategy Symposium (ISS) des Branchenverbandes Semi in der kalifornischen Halfmoon Bay, als Jahresauftakt-Orakel hoch geschätzt, offenbarte Zwiespältiges: Da geben die Zulieferer und Fabrikausrüster der Chipindustrie ihre Prognosen ab. Und die waren auch diesmal bestenfalls heiter bis wolkig: Pause, nochmaliges Abtauchen im ersten Halbjahr oder steiler Aufstieg aus dem Investitionsminus, das die Industrie 2009 durchlitten hat.

Einer der Optimisten, Bill McClean vom bewährten Chipanalysten IC Insight, sieht für den weltweiten Chipabsatz einen Anstieg von 15 % voraus – allerdings vom mindestens 9 %igen Abfall in 2009. Andere Chipgurus prognostizieren sogar mehr als 20 %. Die Marke von 270 Mrd. $ weltweitem Umsatz mit Chips kommt also wieder in Sicht.

Das hieße laut McClean für die Fabrikausrüster, viele von ihnen auch in Europa ansässig, ein globales Umsatzziel von 37 Mrd. $. Das ist nach dem Tiefschlag von 2009 mit nur 25 Mrd. $ immerhin ein Anstieg um 45 %. Den Pessimisten gab dieses Mal der ebenfalls erfahrene Marktforscher Dan Hutchinson von VLSI Research. Für ihn steht der gefürchtete „Double-Dip“ bevor: ein schwaches erstes Halbjahr 2010. „Ich sehe schon viele enttäuschte Gesichter bei den Equipmentlieferanten.“

Wenn es wirklich aufwärts geht mit den Chipmachern und ihren Zulieferern, dann kommt der Anstoß zweifellos aus Asien, insbesondere aus China. Dort war der Einbruch 2009 weniger dramatisch als im „Rest der Welt“. Ein Blick auf die von DuPont auf dem ISS vorgelegten Zahlen zur Industrieproduktion der asiatischen Länder Japan, Korea, Taiwan und China zeigt es. In China betrug der Niedergang 2009 nur knappe 10 %, gegenüber 30 % bis 40 % in den anderen Regionen.

Vor allem der „chip gap“, also die Lücke zwischen der eigenen Chipproduktion und den Importen, den Chinas zentralistisch lenkende Wirtschaftsplaner mit aller Kraft und vielen neuen Fabriken schließen wollen, gibt den Ausrüstern weltweit frischen Mut. Zugleich hoffen die Chipmacher vom Ausbau der chinesischen Konsumgütermärkte zu profitieren.

Das ist nachhaltiger als im vorigen scharfen Downturn, meint McClean: „Was wir 2001 nicht hatten, war China.“ Das Reich der Mitte profiliert sich als Stabilitätsfaktor, auf den die Hightechindustrie und deren globale Investoren ihre Strategien richten.

In Europa, so schreibt Ludo Deferm vom belgischen Forschungszentrum IMEC im Branchenblatt Semiconductor International, haben sich die verbliebenen Chipmacher Philips, NXP, Infineon und STMicro- electronics wendig und flexibel auf spezifische Märkte und Anwendungen, um nicht zu sagen lukrative Nischenprodukte, eingestellt. Dazu zählen Leistungsbauelemente, Energiemanagement und die Medizintechnik. In diesen Segmenten, aber auch in der Photovoltaik und im Gesundheitswesen, so Deferm, können die Europäer mit F&E besonders gut punkten. WERNER SCHULZ

Von Werner Schulz
Von Werner Schulz

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