RFID 30.01.2004, 18:28 Uhr

Funk-Etiketten sind den meisten Handelsketten noch zu teuer

VDI nachrichten, Düsseldorf, 30. 1. 04 – Leistungsfähige Funk-Etiketten sollen es künftig ermöglichen, den Informationsfluss entlang der Zulieferkette nachhaltig zu verbessern. Doch beim Handel dürfte die Ablösung des etablierten Barcode-Systems durch die Hochfrequenz-Identifikationstechnologie RFID noch einige Zeit auf sich warten lassen. Denn in diesem frühen Entwicklungsstadium scheut ein Großteil der Branche die aufwändige Umstellung.

Viel zu teuer, ist der knappe Kommentar des Tengelmann-Konzerns auf die Frage, ob es konkrete Überlegungen gebe, RFID-Chips (Radio Frequency Identification) für die Auszeichnung der Waren einzusetzen. Durch diese Technik lassen sich Produktinformationen über kurze Strecken per Funk übertragen – und damit genauere Daten über den Status der Ware entlang der Zulieferkette gewinnen. Dennoch wollen die Mülheimer derzeit nicht mit einem solchen Mikrochip-System arbeiten.
Das US-Unternehmen IDC geht in seiner Markteinschätzung sogar noch einen Schritt weiter als Tengelmann: „Es bildet sich eine RFID-Blase – und sie wird platzen“, prognostizieren die Marktforscher aus Framingham. Den Begriff „Blase“ wollen die IDC-Experten dabei wie folgt verstanden wissen: Hohe Ausgaben der Anbieter – besonders für Werbung und Marketing – und bescheidene Investitionen auf Seiten der Anwenderunternehmen.
Die Analysten erwarten, dass bis in einem Jahr weniger als die Hälfte von Walmarts wichtigsten Zulieferern RFID-Pilotprojekte aufgesetzt haben werden. Die US-Handelskette hatte als eines der ersten Unternehmen angekündigt, ihre Warenströme bis in zwei Jahren auf der Basis von RFID zu steuern.
Auch Christian Koch, bei der Walldorfer SAP als Direktor Strategische Geschäftsentwicklung für die Handelsbranche zuständig, schätzt, dass „bis zur planerischen und strategischen Nutzung der RFID-Daten noch vier bis fünf Jahre vergehen werden“. Trotzdem sieht Koch in der neuen Technologie einen viel versprechenden Ansatz, der dem Anwender drei wesentliche Vorteile bringe: „Die Daten liegen schneller vor als heute, ihre Genauigkeit ist größer und die Transparenz in der Zulieferkette erhöht sich, weil mehr Daten als heute gewonnen werden können.“
Trotz dieser verheißungsvollen Perspektiven ist der deutsche Einzelhandel zurückhaltend. Offiziell hat sich nur der Metro-Konzern zu einer RFID-Strategie bekannt. Bereits seit einem knappen Jahr experimentiert das Düsseldorfer Unternehmen mit der Technologie. Beim Thema RFID arbeitet Metro eng mit Intel, SAP und weiteren Partnern zusammen. Im Januar hat der Konzern angekündigt, die Technologie künftig durchgängig entlang seiner gesamten Prozesskette einsetzen zu wollen. Von November an sollen zunächst 100 Lieferanten ihre Paletten und Transportverpackungen für zehn Zentrallager und 250 Märkte mit RFID-Etiketten versehen. Wenn Metro diesen ehrgeizigen Zeitplan einhält, würde sie sogar Walmart unterbieten.
Charles Homs, Analyst bei Forrester Research im European Research Center Amsterdam, sieht für den Lebensmitteleinzelhandel in der RFID-Technologie zudem eine gute Möglichkeit, die Anforderungen der EU zur Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln zu erfüllen. Denn von 2005 an müssten diese Unternehmen den Ursprung und das Ziel sämtlicher Lebensmittel kennen. Trotzdem glaubt auch Homs nicht an eine rasche Marktdurchdringung. Denn wo heute solche Informationen über EDI-Lösungen (Electronic Data Interchange) und Strichcodes in der Zulieferkette gewonnen würden, bleibe das auch in den kommenden fünf bis zehn Jahren so. Homs: „EDI ist umständlich und teuer, aber eben etabliert.“
Aber wenn die Ware aus einem Nicht-EU-Land stamme, dann biete RFID eine interessante Alternative. Da der Zulieferer gesetzlich nicht die Rückverfolgbarkeit gewährleisten müsse, könne der deutsche Lebensmittelhandel mit RFID-Etiketten relativ bequem die Ware entsprechend kennzeichnen. „Das hängt natürlich alles auch von der Länge der Zulieferkette ab“, sagt Homs. Bei langen Ketten habe die RFID-Technologie Vorteile, da man die Arbeit nur einmal erledigen müsse. Bei kurzen Ketten sei EDI überlegen. Angesichts dieser Überlegungen kommt der Experte zu dem Schluss, dass „RFID bis auf weiteres eine Ergänzung sein wird, nicht mehr.“
Derzeit sind die Hauptprobleme bei RFID noch grundlegend. Verschiedene Sendertypen eignen sich beispielsweise unterschiedlich gut für flüssige Waren oder Konserven. Manche RFID-Etiketten sind auch noch relativ groß, was allerdings so lange kein Problem ist, wie die Erfassung sich nur auf Paletten und Verpackungen – und nicht auf Einzelprodukte – bezieht. In den ersten Monaten des Metro-Projekts habe man auch mit ganz archaischen Problemen gekämpft, erzählt SAP-Mann Koch: Der Frage nämlich, wie robust ein stationäres Lesegerät ausgelegt sein müsse, damit es auch weiterarbeite, wenn ein Gabelstapler dagegen gefahren sei.
Um den Strichcode für die Warenerkennung ersetzen zu können, ist noch Standardisierungsarbeit erforderlich. Deshalb bemühen sich die RFID-Fachleute in den USA und Europa derzeit um eine Vereinheitlichung der existierenden Systeme. Erst wenn dieser Electronic Product Code verwendet wird, funktioniert die Warenerkennung per RFID. Man habe in den vergangenen Monaten viel über Grundlagen geredet, sagt SAP-Mann Koch, aber „das Augenmerk richtet sich nun auf die Prozessebene, weil die Technik inzwischen recht solide funktioniert“.MICHAEL VOGEL/Si

 

Ein Beitrag von:

  • Jürgen Siebenlist

    Redakteur VDI nachrichten. Fachthemen: Kunststofftechnik, Logistik, Verpackungstechnik, Textiltechnik.

  • Michael Vogel

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