Halbleiter 20.04.2007, 19:27 Uhr

Deutschlands Chipwunder ist unter Druck  

VDI nachrichten, Hannover, 20. 4. 07, jdb – Jeder zweite europäische Chip trägt das Label „Made in Germany“. Allerdings – so mahnten die im VDE-Innovationsmonitor 2007 befragten Experten auf der Hannover Messe – dürfe Deutschland sich auf der erreichten Spitzenposition nicht ausruhen.

Auch Teepes GMM-Vorstandskollege Erich Barke, Mikroelektronik-Professor an der Universität Hannover, sieht düstere Wolken am Horizont, wenn es um künftige Entscheidungen für große Halbleiterfabriken in Deutschland geht: „Immer weniger Chipunternehmen sind in der Lage, die gewaltigen Investitionen für eine Fabrik zu schultern. Da wird eine Investitionsentscheidung auch über Subventionen herbeigeführt.“ Die Politik müsse sich die Frage stellen, ob man hier nicht sehr bewusst mehr tun müsse.

Was den Entwurf von Chips angeht, sieht Barke Deutschland in einer exzellenten Position. Vor allem die Spitzenstellung in der Automobilelektronik trage dazu bei, ungenutztes Potenzial sieht er vor allem bei der Energietechnik unter dem großen Schlagwort „Energieeffizienz“. Aber auch dieser Bereich der Forschung und Entwicklung werde gefährdet: durch den Nachwuchsmangel bei gut ausgebildeten Ingenieuren.

Barke: „Viele Studenten unterliegen einer Fehleinschätzung: Sie glauben, Mikroelektronik finde nur bei Infineon oder in Dresden statt. Das ist Quatsch.“ Jedes große Unternehmen, das Chips einsetzt oder Produkte entwickelt, habe Bedarf an Mikroelektronikern. Und auch außerhalb der großen Mikroelektronik-Cluster gibt es eine Fülle kleinerer und mittlerer Unternehmen, die in diesem Bereich tätig sind.

Allerdings – so die Experten im Innovationsmonitor – steht der Standort Deutschland noch aus anderer Richtung unter Druck: durch die rasante Entwicklung in China vor allem in der Elektrotechnik und Mikroelektronik. VDE-Chef Zimmer sieht darin auch einen Ansporn. „Beispiel Nanotechnologie. Hier liefern sich derzeit Europa und die USA ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Aber für 2015 sehen die Experten Asien und Europa als das Spitzenduo.“ Dass dem VDE gerade von der International Electrotechnical Commission (IEC) die Federführung bei der weltweiten Normung der Nanotechnologie zugesprochen wurde, ist für Zimmer „mehr als Anerkennung der exzellenten Technikposition“.

Deutschlands Zukunftschancen liegen laut Innovationsmonitor insbesondere in traditionell starken „Chipbranchen“ wie dem Maschinenbau, der Produktions- und Automatisierungstechnik sowie dem Automobilbau. Auch in der Medizin, Pharmazie oder der Autobranche bieten sich als Ergebnis der Befragung große Chancen zur Kostensenkung und Effizienzsteigerung. Als größte Innovationshemmnisse nennen fast 83 % der befragten Mitgliedsunternehmen Bürokratie und gesetzliche Rahmenbedingungen. Den Mangel an Investitionsanreizen und Risikokapital sowie hohe Steuern und Abgaben sehen 48 % bzw. 45 % als große Hürden. Zimmer: „Zu hohe Lohnkosten spielen in dieser Aufzählung mittlerweile nur noch eine untergeordnete Rolle.“ Interessantes Detail am Rande: Obwohl 87 % der befragten VDE-Unternehmen der Hightechinitiative der Bundesregierung positiven Einfluss auf den Standort Deutschland attestieren, sehen stattliche 71 % kaum Einfluss für das eigene Unternehmen.

Alles in allem konstatierte Zimmer eine gute Stimmung in der Branche und im ganzen Lande: „Endlich entspricht die Stimmung auch der Lage: Sie ist gut.“ JENS D. BILLERBECK

Subventionen entscheiden bei Standortwahl

Wenn wir uns hier vor 15 Jahren getroffen hätten“, so VDE-Vorstandsvorsitzender Hans Heinz Zimmer am ersten Tag der Hannover Messe, „dann hätte man mich beim folgenden Statement ausgelacht: Deutschland ist führender Mikroelektronik-Standort in Europa.“ In der Tat konstatiert der auf der Messe vorgestellte VDE-Innovationsmonitor 2007, dass mittlerweile jeder zweite europäische Chip das Label „Made in Germany“ trägt. Als Fazit der Befragung unter den rund 1250 Mitgliedunternehmen des Verbandes meinte Zimmer: „Deutschland ist und bleibt bei Innovationen der Elektro- und Informationstechnik auch in den nächsten zehn Jahren an der Weltspitze.“

Im Mittelpunkt des deutschen „Chipwunders“ steht laut Innovationsmonitor der Standort Sachsen, den rund 760 Unternehmen mit über 20 000 hochqualifizierten Stellen zum Top-Mikroelektronik-Standort in Europa und zum fünftwichtigsten weltweit gemacht haben. Die Spitzenstellung stützt sich nach Einschätzung der Experten insbesondere auf die Dynamik in den Bereichen Mikro- und Nanotechnik, Medizintechnik, Energietechnik und Energieeffizienz sowie der Informationstechnik und der Automobilelektronik.

Doch trotz der unbestreitbaren Erfolge sieht Zimmer große Schwierigkeiten, diese Position auch in Zukunft zu halten. Vor allem der Wettbewerb um die Ansiedlung von Halbleiterproduzenten werde schärfer. Zimmer: „In Asien sind derzeit 35 Chipfabriken im Bau, in Nordamerika drei, in Europa aber nur zwei.“ Dies ergänzte Gerd Teepe, Vorstandsmitglied der VDE/VDI-Gesellschaft für Mikroelektronik (GMM) und Direktor des Dresden-Design-Centers bei AMD: „Unser Standort in Dresden ist auf viele Jahre ein wichtiger Eckpfeiler unserer Produktion, aber für künftige Fabs liegt er im Wettbewerb mit anderen Regionen.“ So habe z. B. der Staat New York Förderung in Höhe von 1 Mrd. $ angeboten. Teepe: „Das muss man als Unternehmen natürlich in die Kalkulation miteinbeziehen.“

Auch Teepes GMM-Vorstandskollege Erich Barke, Mikroelektronik-Professor an der Universität Hannover, sieht düstere Wolken am Horizont, wenn es um künftige Entscheidungen für große Halbleiterfabriken in Deutschland geht: „Immer weniger Chipunternehmen sind in der Lage, die gewaltigen Investitionen für eine Fabrik zu schultern. Da wird eine Investitionsentscheidung auch über Subventionen herbeigeführt.“ Die Politik müsse sich die Frage stellen, ob man hier nicht sehr bewusst mehr tun müsse.

Was den Entwurf von Chips angeht, sieht Barke Deutschland in einer exzellenten Position. Vor allem die Spitzenstellung in der Automobilelektronik trage dazu bei, ungenutztes Potenzial sieht er vor allem bei der Energietechnik unter dem großen Schlagwort „Energieeffizienz“. Aber auch dieser Bereich der Forschung und Entwicklung werde gefährdet: durch den Nachwuchsmangel bei gut ausgebildeten Ingenieuren.

Barke: „Viele Studenten unterliegen einer Fehleinschätzung: Sie glauben, Mikroelektronik finde nur bei Infineon oder in Dresden statt. Das ist Quatsch.“ Jedes große Unternehmen, das Chips einsetzt oder Produkte entwickelt, habe Bedarf an Mikroelektronikern. Und auch außerhalb der großen Mikroelektronik-Cluster gibt es eine Fülle kleinerer und mittlerer Unternehmen, die in diesem Bereich tätig sind.

Allerdings – so die Experten im Innovationsmonitor – steht der Standort Deutschland noch aus anderer Richtung unter Druck: durch die rasante Entwicklung in China vor allem in der Elektrotechnik und Mikroelektronik. VDE-Chef Zimmer sieht darin auch einen Ansporn. „Beispiel Nanotechnologie. Hier liefern sich derzeit Europa und die USA ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Aber für 2015 sehen die Experten Asien und Europa als das Spitzenduo.“ Dass dem VDE gerade von der International Electrotechnical Commission (IEC) die Federführung bei der weltweiten Normung der Nanotechnologie zugesprochen wurde, ist für Zimmer „mehr als Anerkennung der exzellenten Technikposition“.

Deutschlands Zukunftschancen liegen laut Innovationsmonitor insbesondere in traditionell starken „Chipbranchen“ wie dem Maschinenbau, der Produktions- und Automatisierungstechnik sowie dem Automobilbau. Auch in der Medizin, Pharmazie oder der Autobranche bieten sich als Ergebnis der Befragung große Chancen zur Kostensenkung und Effizienzsteigerung. Als größte Innovationshemmnisse nennen fast 83 % der befragten Mitgliedsunternehmen Bürokratie und gesetzliche Rahmenbedingungen. Den Mangel an Investitionsanreizen und Risikokapital sowie hohe Steuern und Abgaben sehen 48 % bzw. 45 % als große Hürden. Zimmer: „Zu hohe Lohnkosten spielen in dieser Aufzählung mittlerweile nur noch eine untergeordnete Rolle.“ Interessantes Detail am Rande: Obwohl 87 % der befragten VDE-Unternehmen der Hightechinitiative der Bundesregierung positiven Einfluss auf den Standort Deutschland attestieren, sehen stattliche 71 % kaum Einfluss für das eigene Unternehmen.
Alles in allem konstatierte Zimmer eine gute Stimmung in der Branche und im ganzen Lande: „Endlich entspricht die Stimmung auch der Lage: Sie ist gut.“ JENS D. BILLERBECK

  • Jens D. Billerbeck

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