Halbleiter 18.06.1999, 17:21 Uhr

Anlauf für den neuen Chip-Boom

Nach der längsten Krisenphase der Halbleiterindustrie stehen die Zeichen jetzt wieder auf Wachstum. Bis zum Jahr 2003 steuert der Chipmarkt laut Datquest auf weltweit 244 Mrd. Dollar zu.

Keine Frage: Der Aufschwung ist überfällig. Richard Gordon, Analyst beim renommierten Marktforschungsunternehmen Dataquest sieht eine erhebliche Lücke zwischen dem derzeitigen Markt für dynamische Speicherchips (Drams) und der langfristigen Wachstumskurve dieser wichtigen Bausteine. Gordon: „Nach drei Jahren dramatisch rückläufiger Dram-Umsätze sind jetzt die Fertigungskapazitäten wieder mit der Nachfrage im Lot.“ Das aber bedeutet weniger Druck auf die Preise und einen gesundenden Markt.
Davon profitiert der gesamte Chip-Weltmarkt, der dieses Jahr erstmals wieder wachsen soll – um gut 12 % – und bis 2003 ein Gesamtvolumen von 244 Mrd. Dollar erreichen kann. Wachstumsimpulse kommen dabei aus vielen Bereichen: Von der Internet-Telefonie, dem Trend zum digitalen Fernsehen, der weiteren Elektronifizierung des Autos mit High-Tech-Navigationssystemen und dem nicht enden wollenden Speicherhunger der PC und seiner Ableger.
Gerade dieser Speicherhunger sorgt laut Gordon für den „Schweinezyklus“ bei den Drams: Hersteller schaffen Überkapazitäten, diese führen zu fallenden Preisen und damit rückläufigen Umsätzen. Daraufhin werde weniger investiert, es beginnt eine Periode der Knappheit, in der dann die Preise wieder anziehen. Schließlich werde der Druck so stark, daß wieder investiert wird und alles beginne von vorne.
Indizien für diesen Mechanismus finden sich auch in der letzten Krisenperiode, die im Jahr 1996 begann. „In den drei Jahren bis 1998 sanken die Umsätze der Dram-Hersteller auf 37 % des 1995er Niveaus.“ erläutert Gordon. „Gleichzeitig wuchs die ausgelieferte Speicherkapazität von 1560 auf 10814 MBytes, was einem Bitwachstum von zuletzt über 100 % entspricht.“ Zeitgleich fielen aber die durchschnittlichen Verkaufspreise pro Mbyte von 26,8 auf nur noch 1,4 Dollar in 1998. 1999, davon ist Gordon überzeugt, ist das erste Jahr des neuen Dram-Booms. Er erwartet allein in diesem Segment weltweit 28 % Zuwachs, der sich in 2000 auf 38 % und 2001 auf 59 % erhöhen sollen. Aber Achtung: Schon im Jahr 2002 ist wieder alles vorbei, und die nächste Krisenphase droht.
Die Player für die nächste Boomphase stehen fest. Gordon: „Die jüngste Krise hat zu einer Konsolidierung unter den Anbietern geführt.“ So hat Motorola den Markt schon 1997 verlassen, Texas Instruments seine Dram-Produktion an Micron-Technoliogies verkauft, Hyundai wird die Kapazitäten von LG Semicon übernehmen und Siemens/Infineon hat eine Chipfabrik in England geschlossen.
Gordon: „Man braucht schon sehr tiefe Taschen, um in diesem Geschäft erfolgreich mitzuspielen.“ Investitionen in neue Technologien wie den 300-mm-Wafer seien unumgänglich. Aber auch neue Speichertechnologien werden vom Markt gefordert. Gordon: „Der Synchrone Dram nach PC100-Spezifikation ist heute limitierender Faktor in der PC-Performance.“ Direct Rambus heißt für ihn die Speichertechnologie der Zukunft. Gordon: „Nur wer schnell genug Rambus-Chips in ausreichender Menge produziert, kann zu den Gewinnern gehören.“ Aus technologischen Gründen würden dabei auch bisher unbeliebte „Zwischengrößen“ sinnvoll, wie z.B. 128 Mbit-Chips in Rambus-Technologie.
Gordons Checkliste für erfolgreiche Dram-Hersteller ist kurz, aber herausfordernd: Ein breites Portfolio an Direct-Rambus Chips zu niedrigstmöglichen Kosten, Investment in 300-mm-Wafer, kleinere Chipgrößen, höhere Ausbeuten und stetiges Investment in Forschung und Entwicklung.
Unter diesem Gesichtspunkt kommt die Meldung der Entwicklungspartner Motorola und Infineon zur rechten Zeit: In der 300-mm-Pilotfab beider Firmen in Dresden sind jetzt erstmals mehr gute Chips pro 300-mm-Scheibe produziert worden, als auf den bisherigen 200-mm-Scheiben. Eine Erfolgsmeldung, die offensichtlich auch Intel auf den Plan ruft: Der Chip-Marktführer, der allerdings überwiegend im Mikroprozessormarkt aktiv ist, plant jetzt auch die Errichtung einer 300-mm-Pilotfertigung.
Damit könnte der Chip-Primus die Meßlatte für die Dram-Produzenten wieder etwas höher legen, denn was im PC an Speicherperformance gebraucht wird, legt ohnehin Intel fest. Dataquest-Guru Gordon ironisch: „Genaugenommen sind die Dram-Lieferanten so eine Art virtuelle OEM-Produzenten für Intel.“
JENS D. BILLERBECK
Das Auto ist heute ein Tummelplatz für Chips. Vor allem die auf dem Global Positioning System (GPS) basierenden Navigationssysteme versprechen brilliante Wachstumsraten.
Gemessen am langjährigen Durchschnittswachstum müßte der nächste Boom bei den Drams vor der Tür stehen.
Rosige Zeiten für Chipanbieter stehen vor der Tür. Hier die erwarteten Zuwächse in den wichtigsten Anwendermärkten.
Hersteller von Drams brauchen auch in der kommenden Boomphase stählerne Nerven und vor allem viel Geld.

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