FEHLERHAFTE Haaranalyse 20.04.2015, 12:19 Uhr

Todesurteile nach falschen FBI-Gutachten

Die US-Bundespolizei lieferte von 1972 bis zur Jahrtausendwende rund 21.000 Haarvergleiche, die angebliche Straftäter überführten. Dabei können solche Analysen allenfalls Anhaltspunkte zur Herkunft liefern. Trotzdem wurden mindestens 32 Menschen deswegen zum Tode verurteilt.

Hinter Gittern sind in den USA offenbar viele Menschen gelandet, die anhand fehlerhafter Haaranalysen verurteilt wurden. Zum jetzigen Zeitpunkt wurden bereits 32 Fälle aufgedeckt, bei denen sogar die Todesstrafe verhängt wurde. 

Hinter Gittern sind in den USA offenbar viele Menschen gelandet, die anhand fehlerhafter Haaranalysen verurteilt wurden. Zum jetzigen Zeitpunkt wurden bereits 32 Fälle aufgedeckt, bei denen sogar die Todesstrafe verhängt wurde. 

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Mit dem Lichtmikroskop lässt sich bei der Haaranalyse im Grunde nur eins feststellen: Es stammt von einem Menschen oder einem Tier. Beim Vergleich von Haarproben, die als Spuren bei einem Verbrechen sichergestellt werden, ist das Ergebnis auch nicht eindeutig. Man kann, bleibt man seriös, nur sagen: Probe und Vergleichshaar stammen möglicherweise vom gleichen Menschen.

Ein analysiertes Haar kann also im Zusammenhang mit einem Verbrechen nur ein einzelnes Indiz sein, auf Grund dessen niemand verurteilt werden darf. Außer in den USA, wie es scheint. Dort ist hunderten Menschen der Prozess gemacht worden, weil Forensiker der US-Bundespolizei FBI Haarproben eindeutig, jedoch fälschlich zugeordnet haben.

Haarprobe: Die amerikanischen Justizbehörden räumen schwere Pannen ein. Jahrzehntelang lieferten FBI-Experten vor Gericht fehlerhafte forensische Analysen.

Haarprobe: Die amerikanischen Justizbehörden räumen schwere Pannen ein. Jahrzehntelang lieferten FBI-Experten vor Gericht fehlerhafte forensische Analysen.

Foto: Soeren Stache/dpa

32 Menschen, so die aktuellen Erkenntnisse, haben  Gerichte darauf hin zum Tode verurteilt. 14 davon sind mittlerweile hingerichtet worden oder  starben eines natürlichen Todes. Das haben moderne Haaranalysen ergeben, die das Erbgut vergleichen, so genannte DNA-Analysen.

Bis zu 95 Prozent der Haarvergleiche sind falsch

Die Washington Post berichtet, dass in 95 Prozent der bisher untersuchten 268 Fälle eine Haarprobe fälschlicherweise einem Angeklagten zugeordnet wurde. Die Mikroskop-Methode gilt  mittlerweile als unseriös, die DNA-Analyse bietet dagegen eine Wahrscheinlichkeit von weit über 99 Prozent. Die Fehlinterpretationen des FBI fanden seit den Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts statt. Noch in den Neunzigerjahren – als die DNA-Analyse allmählich zur Standardmethode der Forensiker wurde – war die Methode zugelassen.

Justizskandal oder nur ein Irrtum?

„Kein Analytiker hat bewusst falsche Gutachten vorgelegt oder vorsätzlich gelogen. Man hat damals an die Mikroskop-Technik geglaubt, obwohl sie unzureichend und manchmal fehlerhaft war“, sagte der frühere stellvertretende FBI-Direktor Tom Fuentes laut Washington Post.

Andere urteilen härter. Peter Neufeld, Todesstrafen-Gegner und Gründer des „Innocence Project“, auf deren Druck die Überprüfung zustande kam, bezeichnet die Vorgänge als „Justizskandal“. Das „Project“ ist eine US-Organisation, die seit Jahren dafür kämpft, dass Menschen, die auf Grund von Haarvergleichen verurteilt wurden, rehabilitiert werden, wenn eine DNA-Analyse ein anderes Ergebnis zeigt.

Das Wappen des Federal Bureau of Investigation (FBI) des US-Justizministeriums: Die amerikanischen Justizbehörden räumen schwere Pannen ein. Möglicherweise müssen jetzt massenhaft Prozesse neu aufgerollt werden.

Das Wappen des Federal Bureau of Investigation (FBI) des US-Justizministeriums: Die amerikanischen Justizbehörden räumen schwere Pannen ein. Möglicherweise müssen jetzt massenhaft Prozesse neu aufgerollt werden.

Foto: Tim Brakemeier/dpa

Die Washington Post weist darauf hin, dass es in manchen Prozessen außer dem Haarvergleich noch andere Indizien gegeben habe, die zur Verurteilung geführt hätten. Das FBI lieferte zwischen 1972 und 1999 für laufende Prozesse 21.000 Gutachten, die auf Haarvergleichen beruhten. In den meisten Fällen ging es um Mord oder Vergewaltigung.

Von Wolfgang Kempkens Tags:

Top Stellenangebote

WEITMANN & KONRAD GMBH & CO. KG-Firmenlogo
WEITMANN & KONRAD GMBH & CO. KG Ingenieur (m/w) Elektrotechnik / Softwareentwickler Leinfelden-Echterdingen
üstra Hannoversche Verkehrsbetriebe AG-Firmenlogo
üstra Hannoversche Verkehrsbetriebe AG Fachkraft (m/w) Bauplanung und Projektsteuerung für elektrische Anlagen Hannover
Staatliches Bauamt Freising-Firmenlogo
Staatliches Bauamt Freising Diplom-Ingenieur (m/w) der Fachrichtung Architektur / Bauingenieurwesen Freising
Staatliches Bauamt Freising-Firmenlogo
Staatliches Bauamt Freising Ingenieur Fachrichtung Verkehrstechnik / Bauingenieur Fachrichtung Umwelttechnik (m/w) München
Staatliches Bauamt Freising-Firmenlogo
Staatliches Bauamt Freising Bauingenieur (m/w) Fachrichtung Brückenbau München
TÜV SÜD Gruppe-Firmenlogo
TÜV SÜD Gruppe Prüfingenieur (w/m) für den Kraftfahrzeugverkehr Bad Mergentheim
TÜV SÜD Gruppe-Firmenlogo
TÜV SÜD Gruppe Ingenieur (w/m) im Bereich Messtechnik / Emissionsüberwachung Freiburg im Breisgau
Staatliches Bauamt Freising-Firmenlogo
Staatliches Bauamt Freising Diplom-Ingenieur / Bachelor of Engineering (m/w) Fachrichtung Versorgungs-/Gebäude-/Energietechnik/Gebäudeklimatik Krozingen
NGK Europe GmbH-Firmenlogo
NGK Europe GmbH Account-Manager (m/w) Fahrzeugindustrie Kronberg
NGK Europe GmbH-Firmenlogo
NGK Europe GmbH Account-Manager (m/w) Fahrzeugindustrie Kronberg